Sujet: Opel
Opel schreibt wieder schwarze Zahlen. Bild © picture-alliance/dpa

Nach vielen verlustreichen Jahren macht Opel wieder Gewinn. Nicht eingerechnet sind allerdings die Kosten für die Sanierung. Die Umstrukturierung sorgt für Misstöne zwischen dem Mutterkonzern und den Gewerkschaften.

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Fast 20 Jahre lang schrieb Opel rote Zahlen, im vergangenen Jahr stand endlich wieder ein Plus in den Büchern des Rüsselsheimer Autobauers: Der operative Gewinn betrug im vergangenen Jahr 859 Millionen Euro, wie der französische Mutterkonzern PSA am Dienstag in Rueil-Malmaison bei Paris berichtete.

"Weiteres Potenzial freisetzen"

PSA-Chef Carlos Tavares sagte, man habe seit der Übernahme vor eineinhalb Jahren die Grundlagen für eine nachhaltige Zukunft bei Opel gelegt und wolle "weiteres Potenzial freisetzen". Von August bis Dezember 2017 hatte Opel noch einen Verlust von 179 Millionen Euro gemacht.

Nicht eingerechnet in die aktuellen Zahlen bei Opel sind allerdings die Kosten für die laufende Restrukturierung des Rüsselsheimer Autobauers wie etwa Abfindungen. Derzeit läuft noch der Umbau des Konzerns. Strittig zwischen Unternehmen und Arbeitnehmervertretern ist der geplante Verkauf von Teilen des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim mitsamt 2.000 Beschäftigten an das französische Unternehmen Segula.

PSA-Chef greift IG Metall an

Tavares kritisierte die IG Metall am Dienstag scharf. Er warf der Gewerkschaft vor, den Teilverkaufsplan zu blockieren und damit letztlich auch Jobs zu gefährden. "In einer 38-jährigen Karriere in der Autoindustrie in der ganzen Welt habe ich nie eine Lage erlebt, in der ein Gewerkschaftspartner nicht dafür kämpft, 2.000 Jobs zu sichern", sagte der PSA-Chef. Zum Sommer sollen 2.000 der bislang 7.000 Opel-Ingenieure zu der neuen Firma wechseln. PSA hält den Schritt für notwendig, weil es nicht mehr genug Arbeit für alle Ingenieure gebe.

Es fehle an Absicherungen für die Arbeitnehmer, erklärte ein Sprecher der IG Metall in Frankfurt. So müssten die Wechsler zu Segula wie die verbleibenden Opel-Ingenieure vor Entlassungen bis zum 30. Juni 2023 geschützt werden.

Nur neue Modelle für russischen Markt

Um langfristig profitabel zu sein, soll Opel künftig auch wieder Autos in Russland verkaufen. PSA-Finanzvorstand Philippe de Rovira sagte, eine internationale Ausbreitung sei wichtig für die Zukunft von Opel.

Auf den russischen Markt sollen die Rüsselsheimer ausschließlich mit neuen Modellen zurückkehren. "Wir werden dort ausschließlich Fahrzeuge anbieten, die bereits auf PSA-Plattformen stehen", sagte Vorstandschef Michael Lohscheller. Die noch unter der früheren Konzernmutter General Motors (GM) entwickelten Autos wie der Astra oder Mokka sollen dort hingegen nicht angeboten werden. Lohscheller kündigte einen Mix aus lokaler Produktion im PSA-Werk Kaluga und Importen an.

Opel hatte sich 2015 - damals noch unter Führung des US-Konzerns GM - wegen einer Absatzkrise aus Russland zurückgezogen. Ein neues Auslandsgeschäft müsse aber profitabel sein, unterstrich de Rovira. Auch insgesamt müsse Opel profitabler werden, um zu den besten Spielern in der Autoindustrie zu gehören.

Insgesamt hat der PSA Konzern das fünfte Jahr mit Wachstum hinter sich: Mit den Marken Opel, Peugeot, Citroen und DS hat der Konzern im vergangenen Jahr netto 3,3 Milliarden Euro verdient.