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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Merck profitiert von Corona-Impfstoffherstellung

Merck Darmstadt

Die Geschäftszahlen für 2020 könnten für den Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck kaum besser sein. Dank Laborgeräten und Bausteinen für Impfstoffe fielen Umsatz und Gewinn hoch aus.

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck hat auch im Corona-Jahr 2020 Umsatz und Gewinn kräftig gesteigert. Eine hohe Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen für die Arzneiherstellung sowie die weltweite Forschung an Corona-Impfstoffen sorgten für einen Boom im Geschäft mit Laborausstattung, wie der Dax-Konzern am Donnerstag mitteilte. Zugleich zahlte sich demnach die milliardenschwere Übernahme des Halbleiterzulieferers Versum 2019 aus.

Gewinn stieg auf 2 Milliarden Euro

Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz von Merck um 8,6 Prozent auf 17,5 Milliarden Euro, wobei im Schlussquartal ein Plus von 5 Prozent stand. Damit übertraf der Konzern die eigene Prognose. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um 18,6 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro, während die Profitabilität wuchs.

Der Konzern profitierte auch davon, dass er nach einem gewonnenen Patentstreit mit dem US-Konzern Biogen eine Rückstellung von 365 Millionen Euro auflösen konnte. Unterm Strich stieg der Gewinn um gut die Hälfte auf fast 2 Milliarden Euro.

Laborgeräte und Lipide für Impfstoffentwickler

Vor allem die Laborsparte erwies sich mit einem Umsatzanstieg von fast 10 Prozent im von der Pandemie geprägten vergangenen Jahr erneut als Stütze. "Unsere Teams arbeiten rund um die Uhr, um die noch nie dagewesene Nachfrage zu bedienen", sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Oschmann. Der Unternehmensbereich beliefert mehr als 50 Corona-Impfstoffentwickler weltweit und wirkt an mehr als 35 Testlösungen und 20 Programmen zu Covid-19-Therapeutika mit. Merck liefert auch dringend benötigte Lipide als Baustein für den Impfstoff von Biontech und Pfizer.

In der Spezialchemie steigerte Merck den Zahlen zufolge den Umsatz dank einer Übernahme in den USA um fast ein Drittel. Da sie im lange Zeit boomenden Geschäft mit Flüssigkristallen etwa für Displays und Smartphones harte Konkurrenz aus Asien bekommen hatten, kauften die Darmstädter den US-Halbleiterzulieferer Versum für 5,8 Milliarden Euro. Im Geschäft mit der Chip- und Elektronikindustrie verspricht sich Merck Wachstum angesichts der fortschreitenden Digitalisierung.

Auch in der Pharmasparte scheint der Umbau nach Jahren der Flaute gelungen. Dort bringen neue Medikamente gegen Krebs und Multiple Sklerose zunehmend Umsatz. Bis 2022 sollen rund zwei Milliarden Euro Erlös durch neue Arzneien dazu kommen.

Vorstandsvorsitzender übergibt an Vizechefin

"Das Jahr 2020 war geprägt von beispiellosen Turbulenzen", sagte der scheidende Vorstandschef am Donnerstag mit Blick auf Lockdowns weltweit, die auch die Geschäfte von Merck trafen - etwa mit Forschungslaboren und Farbpigmenten für die schwächelnde Auto- und Kosmetikindustrie.

In diesem Spezialchemiegeschäft sei Merck von der Corona-Pandemie negativ getroffen worden, sagt Daniel Wendorff, Analyst bei der Commerzbank. Alles gut gelaufen sei somit auch für Merck nicht im allgemeinen Krisenjahr.

Oschmann übergibt nach fünf Jahren an der Konzernspitze im Mai an Vizechefin Belén Garijo. Der Manager erwartet, dass die zunehmende Verfügbarkeit von Corona-Impfstoffen und die Immunisierung der Bevölkerung dieses Jahr dazu beitragen werden, die gesellschaftliche und wirtschaftliche Lage zu stabilisieren.

Für das neue Geschäftsjahr stellt Merck dank des Booms im Laborgeschäft ein starkes Umsatzwachstum aus eigener Kraft in Aussicht. Der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn soll im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich wachsen. Die Aktionäre sollen 1,40 Euro Dividende je Anteil bekommen, 10 Cent mehr als im Vorjahr.

Sendung: hr-iNFO, 04.03.2021, 14.37 Uhr