Wild auf einem Rad- und Gehweg abgestellte E-Scooter in Frankfurt

Sie stehen an fast jeder Ecke in Frankfurt: E-Scooter. Oft auch dort, wo sie nichts verloren haben - mitten auf dem Gehweg, auf dem Fahrradstreifen, vor einem Ampelübergang. Dort werden sie zu Stolperfallen. Die Stadt will jetzt handeln.

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hs 19:30 05.06.2021 Thumbnail
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Blaue Flecken und Schürfwunden, das verbindet der Frankfurter Fred Lohr mit E-Scootern. Nicht selten passiert es, dass er sich den Fuß oder das Bein an herumliegenden Rollern stößt, wie er berichtet. Der 51-Jährige ist blind. In seinem Alltag stellt das normalerweise kein Problem dar - wären da nicht die vielen E-Scooter, die seinen Weg durch die Stadt oft zum Hindernislauf machen.

"Letztens lagen drei E-Scooter auf dem Bürgersteig, alle auf einem Haufen", erzählt Lohr. Feste Hindernisse wie Mülleimer oder Litfaßsäulen könne er mit seinem Blindenstock gut ertasten. Die schmalen Lenkerstangen eines E-Scooters hingegen nicht. Erst vor wenigen Tagen sei er deshalb gestürzt. Die Rücksichtslosigkeit vieler Scooter-Fahrerinnen und -Fahrer macht ihn wütend.

Der Frankfurter Fred Lohr tastet sich mit seinem Blindenstock über einen Gehweg

"Gegen die Roller an sich habe ich nichts", sagt er: "Ich habe aber was gegen die Nutzer, die nicht daran denken, dass sie mit dem wahllosen Abstellen andere behindern." Seit gut einem Monat habe sich das Problem noch mal verstärkt. Seitdem gibt es wieder mehr E-Scooter in der Stadt.

Rund 6.500 E-Scooter in Frankfurt

Nach den seit längerem präsenten Anbietern Tier, Lime und Bird haben im April und Mai noch der schwedische Anbieter Voi und der Anbieter Bolt aus Estland ihre Roller in Frankfurt aufgestellt. Rund 6.500 E-Scooter zum Ausleihen gibt es nun in der Stadt, wie Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling berichtet.

Auch ihm sind die chaotisch abgestellten Roller ein Dorn im Auge. Es habe lange Zeit keine Möglichkeit gegeben, das Parkproblem zu regeln oder gar die Zahl der Roller zu begrenzen, sagt der SPD-Politiker. Seit einem Grundsatzurteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf Anfang des Jahres sei dies aber anders.

Feste Parkzonen statt "Free Floating"

"Das Urteil gibt Gemeinden und Städten die Möglichkeit, die Sache durch eine Sondernutzungserlaubnis zu regeln", erläutert Oesterling. Frankfurt wolle das nun angehen. In Planung sei beispielsweise ein Fahr- und Abstellverbot in Fußgängerzonen. Statt des sogenannten Free-Floating-Prinzips, bei dem jeder Nutzer sein Fahrzeug überall abstellen kann, soll es in Zukunft feste Parkzonen für E-Scooter geben.

Wild auf einem Gehweg abgestellte E-Scooter in Frankfurt

In einigen Städten sei das längst Praxis, teilt ein Sprecher des Anbieters Lime auf hr-Anfrage mit. In Paris zum Beispiel seien 2.500 derartige Abstellflächen geschaffen worden. Solange Frankfurt für ausreichend Parkzonen sorge, sei man auch hier für diese Idee offen. 

Scooter-Verleiher fordern: E-Roller- statt Auto-Parkplätze

Ähnlich sehen das die Scooter-Verleiher Voi und Tier. "Feste Stellplätze sind eine sinnvolle Ergänzung zum Free-Floating-Prinzip", schreibt ein Tier-Sprecher auf Anfrage. Um Platz dafür zu schaffen, müsse man in Erwägung ziehen, beispielsweise Auto-Parkflächen dafür umzuwandeln.

Wo genau die Scooter-Parkplätze entstehen sollen, weiß die Stadt Frankfurt noch nicht. Verkehrsdezernent Oesterling sagt, ein Konzept werde derzeit ausgearbeitet, und verspricht eine Lösung bis Jahresende.

Das dürfte viele Fußgänger freuen. Fred Lohr hofft, dass sich die Situation auf Frankfurts Gehwegen dann wieder bessert. Bis dahin wünscht er sich mehr Rücksichtnahme der E-Scooter-Nutzerinnen und -Nutzer: "Wenn jeder seinen Roller so abstellt, dass er nicht im Weg ist, dann hätten wir auch kein Problem."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 05.06.2021, 19.30 Uhr