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Audioseite Parkende Autos helfen Kassel Airport in der Krise

Parkende Autos auf einem Rollfeld am Flughafen Kassel.

Nicht erst durch Corona hat es der Regionalflughafen Kassel-Calden wirtschaftlich schwer. Seit vergangenem Jahr kommen aber auch ungewöhnliche Einnahmen dazu: Volkswagen nutzt das Rollfeld als Parkplatz.

Es sind Modelle wie der Passat, Touran oder der Golf, die an einer Stelle parken, wo früher Flugzeuge gestartet sind. Am Regionalflughafen in Calden (Kassel) stehen mehr als 1.000 von ihnen herum. Auf einem ungenutzten Rollfeld hat die Volkswagen-Gruppe Gebrauchtwagen unter freiem Himmel geparkt.

In der Region um den Flughafen ist dieser ungewöhnliche Parkplatz nichts Neues. Seit Juni 2020 ist das Rollfeld am alten Flugplatz vermietet. Wie der Airport Kassel mitteilte, ist der Pachtvertrag auf unbestimmte Zeit angesetzt.

"Die Flughafen GmbH Kassel vermietet seit vielen Jahren unterschiedliche Flächen und Gebäude", erklärte eine Sprecherin. Auch eine Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete und Flugschulen gehörten zum Vermietungsgeschäft.

Autos als Zuverdienst

Bei den Autos handelt es sich nach VW-Angaben um Leasing-Rückläufer von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Gebrauchtwagen, die dort zwischengelagert werden, um dann zu Händlern weitertransportiert zu werden. Einen Verkauf vor Ort gibt es nicht. Seit rund eineinhalb Jahren wird der Parkplatz genutzt, neue Gebrauchtfahrzeuge kommen immer wieder nach.

Für den Flughafen bedeutet das zusätzliche Erträge. Die Flugpläne sind nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie dünn - es gibt Tage, da startet und landet in Kassel kein Linienflieger. In der Regel sind es ein bis zwei Flugzeuge am Tag, meist in Richtung Urlaubsregionen. Im Corona-Jahr 2020 zählte der Kassel Airport mit etwa 27.500 Passagieren rund 93.000 weniger als 2019.

Geschäft mit Flügen wird kleiner

Das vermietete Gelände liegt auf der anderen Seite des Flughafen-Hauptgebäudes - getrennt von einer Landstraße. Hier befindet sich auch ein Corona-Impfzentrum, das ebenfalls Mieter des Flughafens ist.

Das alles scheint sich zu lohnen: Alleine durch Vermietung und Verpachtung nahm der Flughafen im Jahr 2020 rund 336.000 Euro mehr ein - im Vergleich zum Vorjahr.

Das geht aus einer kleinen Anfrage der SPD-Landtagsfraktion hervor, auf die Hessens Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) im Februar antwortete. Das Land Hessen ist größter Gesellschafter. Wie viel der Flughafen allein durch die Parkplatzvermietung verdient, möchte der Kassel Airport nicht mitteilen.

Michael Boddenberg.

Defizit muss von öffentlicher Hand ausgeglichen werden

Gleichzeitig seien die Personalkosten aber gesunken. Berücksichtigt man das Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, konnte der Airport 1,3 Millionen Euro an Personalkosten sparen.

Trotzdem: Der Jahresfehlbetrag lag 2020 bei 5,47 Millionen Euro. Im Vorjahr, ohne Corona, lag das Minus noch bei 5,6 Millionen Euro. Dennoch: Dieser Verlust muss jedes Mal durch die öffentliche Hand ausgeglichen werden: Das Land Hessen ist mit 68 Prozent an der Flughafen GmbH beteiligt, Stadt und Landkreis Kassel mit je 14,5 Prozent und die Gemeinde Calden mit 3 Prozent.

Aus Sicht des Finanzministeriums ist der Regionalflughafen für die Infrastruktur Nordhessens wichtig. Der Flughafen biete und schaffe Arbeitsplätze, bringe dem Land und der Region Steuereinnahmen und besitze gute weitere Entwicklungsmöglichkeiten, hieß es auf hr-Anfrage.

Grüne: Flughafen nicht wirtschaftlich

Vor allem mit Geschäfts- und Privatflügen verdiene der Flughafen Geld. Auch mit der Vermietung von Flächen - all das gehe trotz Corona recht gut weiter.

Die verkehrspolitische Sprecherin der mitregierenden Grünen, Karin Müller, ist nach wie vor vom Flughafen nicht begeistert: "Wir haben Kassel-Calden noch nie für wirtschaftlich gehalten", sagte sie auf Anfrage. Im Koalitionsvertrag sei aber vereinbart, dass das Defizit bis 2025 auf sechs Millionen Euro begrenzt wird.