Vias-Rheingaulinie
Die Vias-Rheingaulinie hat derzeit mit Problemem zu kämpfen Bild © Imago

Die Probleme auf der Vias-Rheingaulinie und der Odenwaldbahn reißen nicht ab. Pendler stöhnen über überfüllte Züge und Ausfälle. Die schlechte Nachricht: Das wird sich so schnell nicht ändern.

Für viele Pendler sind Bahnfahrten von Wiesbaden nach Frankfurt derzeit kein Zuckerschlecken. Dabei erfreut sich die Rheingaulinie großer Beliebtheit, ist sie doch die schnellste RMV-Zugverbindung aus dem Rheingau nach Frankfurt und zurück. Doch mittlerweile überwiegt bei den Bahnkunden der Frust über die notorischen Engpässe und Ausfälle auf der Express-Strecke.

@viasgmbh @RMVdialog Lieber RMV, liebe VIAS, bitte sorgt für Abhilfe: Immer wieder Zugausfälle und völlig überfüllte Züge auf der Rheingaulinie - so heute Morgen Richtung Wiesbaden. Wir wollen doch, dass mehr Menschen auf den Nahverkehr umsteigen und nicht weniger. #viasrmvfails

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Mit chronisch überfüllten, weil zu kurzen Zügen haben momentan auch Pendler aus Südhessen zu kämpfen, die mit der Odenwaldbahn in Richtung Frankfurt unterwegs sind. Beide Linien werden vom Unternehmen Vias im Auftrag des Rhein-Main-Verkehrsverbundes RMV betrieben. Seit Anfang des Jahres kommt es sowohl auf der Odenwald- als auch auf der Rheingaulinie immer wieder zu Kapazitätsengpässen, räumte RMV-Sprecher Sven Hirschler gegenüber hessenschau.de ein.

Auch Reservezüge ausgefallen

Ursache seien Wartungs- und Reparaturarbeiten, die Vias an den Zügen durchführen müsse, erklärte Hirschler weiter. Dabei sind Eisenbahnunternehmen vom RMV vertraglich verpflichtet, für solche Fälle Reservezüge in der Hinterhand zu haben. Die Engpässe seien überraschend gekommen, sagte Hirschler und machte dafür "eine Reihe von Unfällen, Schäden und technischen Problemen an den Zügen" verantwortlich.

Diese Engpässe haben zur Folge, dass sich Menschen in kurze Züge zwängen müssen, weil kein weiterer Triebwagen zur Verfügung steht. Und schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Zwar nehmen laut RMV Ende Mai zwei Triebwagen wieder ihren Betrieb auf, was aber angesichts der beiden stark frequentierten Strecken kaum für Abhilfe sorgen dürfte. Zumal die Odenwaldbahn sich seit ihrer Einführung zum Schlager entwickelt hat, über 50 Prozent mehr Fahrgäste hat der RMV seit 2006 verzeichnet. Und auch die Rheingaulinie boomt.

Fahrgastverband kritisiert Land und RMV

Die Pendler auf den betroffenen Strecken haben derzeit keinen Grund zur Freude. Sie warten sehnsüchtig auf ein Ende der Engpässe, die für Gedränge in den völlig überfüllten Zügen sorgen. Ihrem Unmut Luft machen sie im Internet etwa auf der Facebook-Seite des RMV oder sie beschweren sich beim Fahrgastverband. "Wir haben aus allen Richtungen Beschwerden bekommen. Das ist ein unhaltbarer Zustand", sagte Thomas Kraft, der Landesvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, hessenschau.de.

@mattimerker @viasgmbh Volle Züge #Sardino |s ➡längeren Fahrgastwechselzeiten ➡Verspätungen. Daher müssen #Dadina #LaDaDi @RMVdialog 2018 endlich #ÖPNV #Doppelstock 🚆 bestellen für mehr 💺💺💺. Infrastrukturausbau #Bundeseisenbahn #Odenwaldbahn ist Bundesaufgabe.

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Für Kraft wäre es zu billig, nur dem Betreiber Vias die Schuld in die Schuhe zu schieben. "Man muss auch dem Auftraggeber den Vorwurf machen. Also dem Land Hessen, das eben den RMV als Umsetzer der Aufgabe beauftragt, eine solche Verkehrsleistung durchzuführen", erklärte er. Es müssten mehr Reserven vorgehalten werden. "Das heißt mehr Personal, auch mehr Fahrzeuge müssen her", so Kraft, der in Richtung Landespolitik formulierte: "Es muss mehr Geld für den öffentlichen Schienenverkehr in die Hand genommen werden."

Grüner Minister: "Triebwagen nicht aus dem Baumarkt"

Al-Wazir twittert zu Problemen auf Rheingaulinie
Minister Al-Wazir antwortet auf Bild © Screenshot twitter.de/@talwazir

Die Probleme auf der Rheingaulinie sind mittlerweile zwar auch zu Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) vorgedrungen. Der sieht jedoch keinen Handlungsbedarf. Schließlich ist der RMV Besteller und Vias der Betreiber - nicht das Land. Und überhaupt gebe es Triebwagen nicht im Baumarkt, lautete Al-Wazirs eher genervte Twitter-Botschaft an User, die den Minister Ende April auf das Thema aufmerksam machten.

Parteikollege Andreas Kowol, grüner Verkehrsdezernent in Wiesbaden, sieht die Sache anders. "Wir haben deutlich unseren Unmut beim RMV als Auftraggeber zum Ausdruck gemacht. Es nicht nachvollziehbar, dass solche Ausfälle bei der Zahl der Fahrzeuge nicht eingeplant werden können. Da muss man von einem systematischen Fehler ausgehen", sagte Kowol hessenschau.de. "Es kann nicht sein, dass die Züge schon voll aus dem Rheingau in Wiesbaden ankommen. Das ist für unsere Fahrgäste nicht zumutbar."

Mehr Platz nicht vor August

So werden noch einige Monate ins Land gehen, bis sämtliche Triebwagen aus den Werkstätten auf die Gleise zurückkehren. Nach Angaben des Betreibers Vias wird die Grundüberholung der Züge erst mit Ende der Sommerferien in Hessen, also Anfang August, abgeschlossen sein. Bis dahin müssen Pendler sich weiter in überfüllte Züge quetschen.

Ihre Kommentare Welche Erfahrungen haben Sie auf den Vias-Strecken gemacht?

24 Kommentare

  • Ich frage mich nur, warum hat die VIAS für die neue Odenwaldbahn in kompletter Diesel-Motortechnik letztes Jahr angeschafft? Warum wird da nicht von RMV ein Zugtyp bestellt, welcher ab Darmstadt nach Frankfurt ebenfalls die vorhandene Oberleitung mitbenutzen kann? Wir wollen alle Umweltschutz, verbieten den PKW die Fahrten in die Innenstädte aber hier fährt ein Dieseltriebzug mehrmals Stündlich durch die Innenstädte von Darmstadt und Frankfurt, obwohl eine vorhandene Oberleitung besteht .

  • Immer wieder schön zu sehen, wie Erinnerungen verblassen ...
    Als die VIAS die Strecke in den Rheingau übernahm, ging das mit einer erheblichen Verbesserung vor allem bei der Pünktlichkeit einher, auch die Zugausfälle schrumpften auf ein Minimum - das war schon deutlich besser als bei der DB (wer den Vergleich braucht, nutze die RB 75 WI - DA - AB).
    Aber schon gleich zu Beginn wurde deutlich, dass die Kapazitäten zu knapp sind - nicht nur im Berufsverkehr, auch an den Wochenende wurde es teilweise sehr eng. Hier ist der Fehler aber in der Ausschreibung des RMV und nicht bei der VIAS zu suchen.
    Offensichtlich hat man sich aber auch bei der VIAS verkalkuliert, denn - oh Wunder - je älter Züge werden (auch wenn die eigentlich noch kein hohes Alter haben), desto eher sind eben auch Defekte zu verzeichnen, hier hat man nicht mit ausreichender Reserve kalkuliert.
    Eine Anmerkung: Bahnfahrzeuge haben erhebliche Lieferzeiten - nur habe ich nicht gelesen, dass überhaupt bestellt werden soll.

  • Hallo zusammen, ich kann mich dem Großteil der anderen Kommentatoren bzgl der Rheingaulinie nur anschließen. Es stimmt, dass das Personal nett und bemüht ist. Das hilft mir aber bei der permanenten Überfüllung wegen unzureichender Kapazitäten leider nichts. Der 08.02. Uhr ab Wi Hbf fuhr im Januar / Februar konsequent mit nur einem Wagen, was absolut untragbar ist. Seit neuestem wird morgens in Wi Hbf dann gekoppelt, was leider häufig Verspätungen zur Folge hat. Abends von Frankfurt aus zurück ist die Lage ebenfalls eine Katastrophe. Für den 16.53, 17.53 und 18.53 Uhr sind nur noch mit einem Wagon ausgestattet. Vias, Rmv, Kommunal - und Landespolitik interessieren sich nicht für die Probleme und den Ärger der Bahn Pendler. Andere Interessengruppen scheinen wichtiger zu sein. Insgesamt ist die Anbindung von Wi sowieso absolut lächerlich. Praktisch kein Fernverkehr und selbst mit einer pünktlichen RB10 geht es nicht schneller als 33 Minuten nach Frankfurt - für gerade einmal 39 Kilometer.

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