In der Wetterau fahren auf manchen Strecken Busse statt Züge. Bei der Kurhessenbahn rund um Korbach ist das auch so. Auch die Gründe ähneln sich.

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Sujetbild Zug der Kurhessenbahn

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Zugausfälle bei der Kurhessenbahn

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Die Züge der Kurhessenbahn pendeln zwischen Kassel und Marburg, Bad Wildungen und Brilon (Nordrhein-Westfalen) - mit der waldeck-frankenbergischen Kreisstadt Korbach als Sternpunkt. Derzeit fahren aber - wie bei der Hessischen Landesbahn in der Wetterau - regelmäßig Busse statt Bahnen.

Als Grund dafür gibt das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn Personalmangel bei den Triebfahrzeugführern an. "Wir hoffen, dass die Situation in zwei, drei Monaten wieder normal ist", sagte Bahnsprecher Thomas Bischoff am Donnerstag zu hessenschau.de. Die Waldeckische Landeszeitung berichtete zuerst über die Zugausfälle. Laut Bischoff kann die Kurhessenbahn bei den Triebwagenführern aus drei Gründen nicht aus dem Vollen schöpfen:

  1. Weil rund um den diesjährigen Hessentag in Korbach mehr Züge fuhren als planmäßig, bauen manche Fahrer ihre Überstunden ab.
  2. Dazu kommen sechs langwierig erkrankte Triebfahrzeugführer. Wann sie in den Dienst zurückkehren, ist unklar.
  3. Außerdem verließen sechs Fahrer die Kurhessenbahn in diesem Jahr. Aus privaten Gründen, wie die Bahn betont.

Busse auf kleineren Strecken und außerhalb der Stoßzeiten

Verschärft wird die Situation dadurch, dass das Unternehmen seit etwa einem halben Jahr auf zwölf neue Niederflurzüge wartet. Deren Auslieferung verzögert sich, wie Bischoff berichtete. Daher müsse man sich weiter mit älteren Fahrzeugen helfen, die freilich störungsanfälliger seien. Zur Wartung müssten die Züge in die Bahnwerkstatt in Schöllkrippen bei Aschaffenburg. Wegen der langen An- und Abfahrt dauere die Reparatur dann einen Tag länger, sagte Bischoff.

Wert legte der Bahnsprecher auf den Hinweis, dass die derzeitigen Ausfälle nicht ungeplant kämen: "Der Überstundenabbau stand ja fest, und die Kunden finden alle Änderungen in den Fahrplänen online oder auf Aushängen an den Bahnhöfen." Bischoff betonte auch, dass keine Verbindungen flach fielen. Statt Zügen führen auf geringer frequentierten Strecken oder zu weniger nachgefragten Zeiten nun eben Busse. Wo und wann genau der Ersatzverkehr rollt, ändere sich daher von Tag zu Tag.

Neue Zugwerkstatt mit Waschanlage in Korbach

Vermutungen, dass es sich um eine Spätfolge der Mehdorn-Jahre handele, als die Bahn mit Blick auf ihre Ausgaben nicht mehr viel Personal einstellte, wies Bischoff für die Kurhessenbahn zurück. Hier werde investiert, was man zum Beispiel an der reaktivierten, zuvor stillgelegten Verbindung zum Edersee sehe.

Dazu komme die neue Zugwerkstatt mit Waschanlage in Korbach, die weite Wege zur Wartung überflüssig mache. Und sechs Triebfahrzeugführer befänden sich derzeit in Ausbildung. Die ersten könnten im kommenden Jahr fertig werden. Mit der Auslieferung der zwölf neuen Niederflurzüge rechne man noch in diesem Jahr. Bischoff räumte aber ein, dass der Beruf des Triebfahrzeugführers mit Schichtdienst, langen Arbeitszeiten, großer Verantwortung und dem Risiko von Suiziden auf den Schienen Stress mit sich bringe.