Dichter Autoverkehr auf der Frankfurter Friedensbrücke

Staus erzeugen, um drohende Fahrverbote abzuwenden? Auf Pläne zu Pförtnerampeln in Frankfurt reagieren Umweltverbände mit Skepsis, die IHK mit Ablehnung.

  • Künstliche Stau-Ampeln gehören zu den Frankfurter Maßnahmen gegen drohende Diesel-Fahrverbote
  • Umweltschützer reagieren zurückhaltend auf die geplanten Pförtnerampeln
  • Wirtschaftsvertreter kritisieren: Die Schadstoffbelastung werde nur verlagert

Vor einigen Jahren mussten die Berkersheimer ihre Pläne zur Entschleunigung des Verkehrs begraben. Das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) hatte damals entschieden, dass eine Pförtnerampel, die ausschließlich den Verkehr ausbremsen soll, nicht aufgestellt werden darf.

Seit Ewigkeiten hat der idyllische Stadtteil im Nordosten Frankfurts mit einem massiven Verkehrsproblem zu kämpfen. Viele Pendler fahren morgens vom benachbarten Bad Vilbel über Berkersheim und die Friedberger Landstraße in die Innenstadt. Der Schleichweg über die Felder des Heiligenstocks und andere Nebenstraßen sind chronisch überlastet.

Umdenken wegen Dieselfahrverboten?

Eine Pförtnerampel sollte Abhilfe leisten, die Pläne wurden dann nach Protesten aus dem benachbarten Bad Vilbel vom RP kassiert. Das war im Oktober 2015. Jetzt haben die Berkersheimer ihre Pläne wieder aus der Schublade geholt. "Angesichts der drohenden Dieselfahrverbote in Frankfurt verhält sich die Situation jetzt anders", sagte Ortsvorsteher Robert Lange (CDU) dem hr.

Wenn an den Hauptverkehrsstraßen solche Ampeln aufgestellt werden, wolle man auch eine Pförtnerampel haben. "Es kann nicht sein, dass die Schleichwege durch unsere Wohnstraßen noch mehr verstopft werden." Das würde in den Stoßzeiten noch zu mehr Staus führen.

Zusätzliche Busspuren, teure Parktickets

Lange reagierte auf die angekündigte Maßnahme des Frankfurter Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD), an den Einfallstraßen der Stadt solche künstlichen Stau-Ampeln einzurichten. Der Plan: Durch kürzere Grünphasen soll der Autoverkehr innerhalb der Stadt soweit reduziert werden, dass die Grenzwerte eingehalten und damit drohende Fahrverbote abgewendet werden können. Die Pförtnerampeln gehören letztlich zu einem Bündel von Maßnahmen, die Oesterling am Donnerstag in einem Gespräch mit der Landesregierung zugesichert hat. Zudem sollen zusätzliche Busspuren eingeführt und das Parken in der Stadt teurer gemacht werden.

"Grenzwerte dürfen woanders nicht steigen"

Das von den Grünen geführte Umweltministerium macht der Stadt spürbar Druck. Nur wenn sie jetzt aktiv werde, könne man vor Gericht auferlegte Fahrverbote im Berufungsverfahren noch abwenden, hieß es in einer entsprechenden Mitteilung aus Wiesbaden. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) als Klägerin warf den Behörden zuletzt eine Verschleppungstaktik vor. "Was Frankfurt angeht, sind wir sehr enttäuscht, sowohl von der Stadt als auch vom Land Hessen", sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Das jüngste Krisentreffen in Frankfurt könnte man auch als Reaktion auf die Kritik verstanden wissen.

Die von Oesterling verkündeten Maßnahmen lösen bei der DUH verhaltene Reaktionen aus. "Es ist sicherlich ein Mittel, um den Zustrom an Autos zu begrenzen. Aber es darf nicht dazu führen, dass in einer Straße die Grenzwerte sinken und dann woanders steigern", erklärte Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung beim DUH, dem hr. Weitere Busspuren seien zwar eine gute Maßnahme. "Aber das muss auch funktionieren, also die Spuren frei und nicht zugeparkt sein."

Greenpeace fordert Umverteilung bei Autofahrspuren

Ähnlich skeptisch äußerte sich Greenpeace zu den Plänen der Stadt. "Die Pförtnerampeln gehen in die richtige Richtung, können aber nur der Anfang sein: Grundsätzlich muss das Angebot von Bus und Bahn sowie Radwege massiv ausgebaut werden. Damit können viel mehr Menschen effizient von A nach B gebracht werden als mit dem Auto. Dafür muss Platz durch die Umwandlung von Autofahrspuren umverteilt werden", sagte Greenpeace-Verkehrsexpertin Marion Tiemann dem hr.

Deutlichste Ablehnung kommt von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt. Sie hält die Idee der künstlich produzierten Staus für "wenig konstruktiv". Ein Kritikpunkt: Weder zwischen den Verkehrsmitteln noch ihrer Antriebsart werde unterschieden. "Lieferfahrzeuge würden genauso im Stau stehen wie Pendler und Besucher", sagte IHK-Geschäftsführer Reinhard Fröhlich dem hr. Die Schadstoffbelastung werde außerdem nur verlagert.

Die Forderung der IHK lautet: Ein Gesamtverkehrsplan müsse her, der kläre, wie auch in Zukunft Besucher, Arbeitnehmer und Waren an ihr Ziel in der Innenstadt kommen könnten. Dazu sei eine "offene, transparente Diskussion" nötig.

Verkehrsdezernent: Einschränkungen kommen

Für Autofahrer bedeuten die Pförtnerampel-Pläne in jedem Fall weniger Platz auf den Straßen. "Es wird zu Einschränkungen kommen", kündigte Verkehrsdezernent Oesterling nach dem Krisentreffen mit der Landesregierung an. Wie genau diese aussehen werden, dazu muss die Frankfurter Koalition aus SPD, CDU und Grüne noch einen Konsens finden. In einem Punkt sind sich aber alle Parteien im Römer einig. "Das größte Übel wären die Fahrverbote", sagte Michael zu Löwenstein, der Fraktionsvorsitzende der Frankfurter CDU.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte ein flächendeckendes Dieselfahrverbot für Frankfurt gefordert. Die Stadt und das Land Hessen hatten dies mit einem Eilantrag vorerst gestoppt. Eine engültige Klärung vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel steht aber noch aus.

Ihre Kommentare Künstliche Staus für bessere Luft – ein sinnvoller Schritt?

39 Kommentare

  • Anstatt Autos auszubremsen, muss endlich dieser wahnsinnige "Verein" namens DUH ausgebremst werden. Ein geniales Geschäftsmodell auf Kosten der Allgemeinheit - und der Umwelt! Die Luft in unseren Städten war noch nie so sauber wie heute. Aber uns geht es scheinbar (noch) viel zu gut, dass wir so etwas mit uns machen lassen. Aber wehe, unser Wohlstand sinkt - dann wird das Gejammer groß sein.
    Ein absurdes Theater, das selbst die Schildbürger so nicht hinbekommen hätten...wo bleibt der gesunde Menschenverstand bei den von uns gewählten Verantwortlichen?

  • Pförtnerampel und teures Parken? Das funktioniert vielleicht bei einem Vergnügungspark, wo die Menschen unbedingt hin *wollen*. Wer den Individualverkehr in den Städten reduzieren will, ohne Wähler zu verprellen, der muss zuerst die Zahl der Pendler reduzieren. Es gibt da Möglichkeiten - Dezentralisierung, Telearbeit - man muss nur wollen.

  • Stau hat man rund um Frankfurt eh, entweder vor oder in der Stadt. Es gibt einfach zu viele und immer größere Autos. Deshalb muss der Autoverkehr insgesamt ausgebremst werden, und das geht nur mit einem konsequenten Ausbau des ÖPNV.
    Und die Menschen müssen lernen umzudenken. Der Traum von der grenzenlosen Automobilität ist ein Trugschluss; wir sind längst an die Grenzen des Autowahns gekommen. Dies zu erkennen, ist - wie man hier im Thread lesen kann - für viele Menschen offenbar nicht so ganz leicht.
    Was bei den Amis die Waffenlobby, das ist bei uns die Autolobby. Umweltschutz ist okay, so lange man auf seinen Bleifuß nicht verzichten muss. Die Gesundheit der Stadtbewohner? Scheißegal - Hauptsache ich kann meinen Bleifuß ausleben. Da liegt der Hase im Pfeffer.
    An einer Verkehrswende führt letztlich kein Weg vorbei. Wir sehen es hier ja tagtäglich in Frankfurt: Lärm, Dreck, Gestank.

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