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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kaufvertrag für Gelände der Pfungstädter Brauerei unterzeichnet

Ein Gabelstapler nimmt auf dem Gelände der Pfungstädter Brauerei in Pfungstadt (Kreis Darmstadt-Dieburg) eine Palette mit Bierkisten auf.

Für das kriselnde Traditionsunternehmen Pfungstädter Brauerei gibt es nach langer Suche einen Käufer. Der will auf dem größten Teil des Geländes Wohnungen bauen. Bier wird auf dem Areal aber weiterhin gebraut.

Für das Brauerei-Areal in der Innenstadt von Pfungstadt (Darmstadt-Dieburg) haben sich neue Besitzer gefunden. Wie die Brauerei-Gesellschafter beratende IMAP M&A Consultants AG am Freitag mitteilte, soll dort ein neues Stadtquartier mit Wohnungen entstehen.

Ein entsprechender Kaufvertrag soll bereits am Mittwoch unterschrieben worden sein. Über ihn müssten nun noch die 97 Gesellschafter der Pfungstädter Brauerei entscheiden. Konzept und Umsetzung des neuen Stadtquartiers liegen demnach in den Händen des Mannheimer Unternehmers Daniel Hopp und der Dossenheimer Projektentwickler Conceptaplan. Daniel Hopp ist der Sohn des IT-Unternehmers und Hoffenheimer Fußball-Mäzens Dietmar Hopp.

Auch für die angeschlagene Brauerei selbst zeichnet sich eine Lösung ab. Es gebe "konkrete Verhandlungen" mit dem Pforzheimer Bierbrauer Wolfgang Scheidtweiler, teilte das Unternehmen mit. Scheidtweiler wolle die Brauerei an ihrem Standort bewahren und habe bereits ein Angebot abgegeben. "Wir möchten den historischen Teil erhalten und um einen modernen Brauereineubau ergänzen", sagte Scheidtweiler laut Mitteilung.

Hoffnung auf Erhalt der Arbeitsplätze

Nach Angaben des Unternehmers Daniel Hopp sollen 90 Prozent des 45.000 Quadratmeter großen Areals in Wohnbebauung umgewandelt werden, für die Brauerei sind maximal 5.000 Quadratmeter vorgesehen. Bis zur fertigen Umsetzung könne es aber noch Jahre dauern.

Weitere Einzelheiten liegen noch nicht vor. "Noch müssen wir mehrere Details des Konzepts und des Vertrags klären", wurde Stefan Seibold, Geschäftsführer der Pfungstädter Brauerei, zitiert. Bis zur Umsetzung würde Bierbrauer Scheidtweiler jedoch in den bisherigen Gebäuden weiter brauen wollen. Seibold sei zuversichtlich, dass der Brauereistandort gesichert und die Arbeitsplätze erhalten werden könnten.

Traum von "modernster Brauerei der Welt" geplatzt

Aktuell beschäftigt die Traditionsbrauerei nach eigenen Angaben rund 100 Mitarbeiter und ist zu 40 Prozent ausgelastet. Zuletzt habe das Unternehmen 17 Millionen Euro im Jahr umgesetzt, davon sieben Millionen Euro in der Gastronomie. Der Exportanteil liege bei 20 Prozent. Um eine drohende Zahlungsunfähigkeit durch Umsatzeinbrüche in der Corona-Krise abzuwenden, befindet sich die Brauerei seit Juni 2020 im Schutzschirmverfahren.

In der Vergangenheit hatte sich die Suche nach einem Käufer als schwierig erwiesen. Die Stadt hatte im Februar Verhandlungen mit einem potenziellen Investor auf Eis gelegt, der die "modernste Brauerei der Welt" angekündigt hatte. Es hatte zuvor Zweifel an der Seriosität seines Angebots gegeben. Der Plan war es, auf dem städtischen Gelände des 2014 geschlossenen Schwimmbades eine neue, moderne Brauerei zu bauen. Die alte sollte abgerissen und auf dem Gelände dann ein Wohn- und Stadtquartier errichtet werden.

Sendung: hr-iNFO, 10.07.2020, 15.15 Uhr