Simulation des Neubaus für die Pfungstädter Brauerei

Bei Pfungstädter knallen ausnahmsweise mal die Sektkorken: Ein Investor will den angeschlagenen südhessischen Bierbrauer übernehmen und in neue Sphären führen. Auch die Stadt soll von dem Großprojekt profitieren.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Pfungstädter-Brauerei findet Investor

Pfungstädter Bierkisten
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Das nennt man wohl ambitionierte Ziele: Die seit Jahren kriselnde Traditionsbrauerei Pfungstädter mit rund 100 Mitarbeitern soll in den kommenden Jahren einen neuen Standort bekommen und zur "modernsten Brauerei der Welt" aufsteigen. Das sehen Pläne eines Investors vor, die die Stadt Pfungstadt (Darmstadt-Dieburg) und die Brauerei am Dienstag offiziell bestätigten.

Abstimmung Mitte Dezember

"Wenn das klappt, ist es ein Megaprojekt", jubelte Bürgermeister Patrick Koch (SPD) im Gespräch mit hessenschau.de über die bevorstehende Umsiedlung des berühmtesten Unternehmens der 25.000-Einwohner-Stadt. Bislang in zentraler Innenstadtlage gelegen, soll die Brauerei auf dem Areal des seit Jahren geschlossenen Schwimmbads neu errichtet werden. Im Gegenzug ist auf dem bisherigen Brauerei-Gelände ein Wohnquartier geplant. Für beide Projekte soll ein namentlich noch nicht genannter Bad Homburger Investor verantwortlich zeichnen.

Ein entsprechendes Eckpunktepapier stellte Koch am Dienstagmorgen dem Magistrat vor. "Es ist auf sehr breite Zustimmung gestoßen", verriet der Rathauschef. Auch bei der noch ausstehenden Abstimmung im Stadtparlament am 16. Dezember rechnet Koch mit wenig Gegenwind. "Jeder, der dagegen stimmt, ist gegen die Brauerei", warb er für das Vorhaben.  

Hoher zweistelliger Millionenbetrag

Seit Sommer suchte Pfungstädter angesichts rückläufiger Geschäftszahlen im allgemein schwächelnden deutschen Biermarkt nach einem potenten Geldgeber. 2018 war der Firmenumsatz binnen Jahresfrist um weitere vier Millionen auf 20 Millionen Euro gesunken. Der Bierabsatz ging von 220.000 auf 200.000 Hektoliter zurück.

Alle übrigen Investoren hätten sich lediglich für das lukrative Areal in der Innenstadt, nicht aber für eine Fortführung der Brauerei interessiert, meinte Bürgermeister Koch. Der nun gefundene Retter, der selbst eine Brauerei-Vergangenheit habe, führe beides im Sinn. Eine Absichtserklärung liege bereits vor, Anfang kommenden Jahres sollen die Verträge fixiert werden. Knapp sieben Millionen Euro ruft die Stadt für die rund 43.000 Quadratmeter große Schwimmbad-Gewerbefläche auf, insgesamt ist bei dem Brauerei-Projekt von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag die Rede.

Mehr Umweltschutz trotz Dosenbier

Für das Prädikat der "modernsten Brauerei der Welt" sollen Technik und Materialien auf neuestem Stand verarbeitet werden. "Die Zielsetzung ist eine fast autarke Energieversorgung", sagte Pfungstädter-Geschäftsführer Stefan Seibold zu hessenschau.de. Abfallprodukte wie Treber sollen im eigenen Blockheizkraftwerk in Energie umgewandelt werden.

Weniger umweltfreundlich ist eine steigende Fokussierung auf Dosenbier und Einwegflaschen für den weiterhin wachsenden ausländischen Markt. "Dieser Weg ist leider alternativlos", meinte Seibold, der das Exportgeschäft auf bis zu 50 Prozent des Gesamtumsatzes verdoppeln möchte. Eine zusätzliche internationale Marke soll hierfür das Biersortiment ergänzen, auch die Produktion von Mineralwasser und Softdrinks sei geplant.

Doch auch im heimischen Biermarkt will der südhessische Branchenführer wieder mehr Trinker für sich gewinnen. In einem Radius von 100 bis 150 Kilometern um Pfungstadt herum wolle man mehr Präsenz erreichen. Innenstadt-Pubs und Brauerei-Lokale in Großstädten sollen die Popularität der Marke wieder steigern. Direkt am neuen Brauhaus ist eine Erlebnisgastronomie vorgesehen. "Wir wollen das Biertrinken wieder zelebrieren", sagte Seibold.

Eröffnung zum Hessentag?

Genauso ambitioniert wie die Ziele ist auch der Zeitplan der Macher. Bis 2023 und der geplanten Ausrichtung des Hessentags in Pfungstadt soll die Brauerei mit dem Hufeisen-Logo an neuer Stelle eröffnen. Ob dieses Datum bei allerlei Genehmigungsverfahren tatsächlich eingehalten werden könne, müsse man allerdings abwarten, gab Bürgermeister Koch zu bedenken. "Wenn wir dann erst in der Bauphase sind, ist es auch gut", so das Stadtoberhaupt.  

Sendung: hr1, 26.11.2019, 8.30 Uhr