Reisende warten am Frankfurter Flughafen an den Umbuchungs-Schaltern der Lufthansa.

Die Lufthansa streicht wegen des angekündigten Pilotenstreiks am Freitag nahezu ihr komplettes Programm. Es fallen an den Drehkreuzen Frankfurt und München rund 800 Flüge mit voraussichtlich 130.000 Passagieren aus. Auch Ferienrückkehrer sind betroffen.

Videobeitrag

Video

Piloten-Streik bei der Lufthansa

hs_010922
Ende des Videobeitrags

Wegen des geplanten Streiks ihrer Piloten streicht die Lufthansa nahezu alle Flüge für diesen Freitag. Der ganztägige Streik führt zu starken Auswirkungen auf den Flugbetrieb. Das betrifft auch zahlreiche Fluggäste, die zum Ende der Sommerferien in einigen Bundesländern wie Hessen nach Deutschland zurückkehren möchten.

Die Lufthansa teilte mit, dass an den Drehkreuzen München und Frankfurt rund 800 Flüge am Freitag ausfallen. Betroffen sind voraussichtlich 130.000 Passagiere. Bereits an diesem Donnerstag kann es laut Lufthansa zu Verspätungen und Flugausfällen kommen. Die Auswirkungen könnten sich noch bis in den Samstag und Sonntag ziehen.

Auch Auslandsflüge fallen aus

Bestreikt werden sollen sämtliche Abflüge aus Deutschland der Kerngesellschaft Lufthansa sowie der Lufthansa Cargo, wie die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mitteilte. Die Gesellschaften Eurowings, Lufthansa Cityline und Eurowings Discover sind von dem Aufruf nicht betroffen und sollen planmäßig fliegen.

Gleiches gilt für ausländische Lufthansa-Töchter wie Swiss, Austrian oder Brussels. Auch Lufthansa-Flüge von nicht-deutschen Startpunkten finden statt, sofern Flugzeuge und Crews bereits im Ausland sind.

Bestreikt werden die Abflüge in Deutschland. Das hat laut Lufthansa aber auch Auswirkungen auf Rückflüge aus dem Ausland. "Das heißt: Ein Flugzeug nach Mallorca, was hier nicht startet, kann dann auch am gleichen Tag in Palma nicht die Gäste aufnehmen, die eigentlich gebucht haben", sagte Andreas Bartels, Kommunikationschef der Lufthansa, dem hr.

Fluggäste sollen noch am Donnerstag benachrichtigt und wenn möglich auf andere Airlines umgebucht werden. Bei kürzeren Strecken würden Alternativen mit der Bahn geprüft. Passagiere werden gebeten, sich über die Internetseite fortlaufend über ihren Flug zu informieren. Sie haben bei großen Verspätungen oder Ausfällen Anspruch auf Erstattung der Tickets und möglicherweise auch auf Ausgleichszahlungen nach EU-Recht.

Formular

hessenschau update - Der Newsletter für Hessen

Hier können Sie sich für das hessenschau update anmelden. Der Newsletter erscheint von Montag bis Freitag und hält Sie über alles Wichtige, was in Hessen passiert, auf dem Laufenden. Sie können den Newsletter jederzeit wieder abbstellen. Hier erfahren Sie mehr.

* Pflichtfeld

Ende des Formulars

Verhandlungen vorerst gescheitert

"Es ist schade, dass dieser Streik jetzt tatsächlich angekündigt wurde", sagte Bartels. Aus Sicht der Airline sei dieser Weg unnötig. "Wir appellieren an die VC, wieder zurückzukehren und mit uns zu verhandeln", so Bartels.

"Um Arbeitskämpfe abzuwenden, muss Lufthansa ein deutlich verbessertes Angebot vorlegen", erklärte VC-Tarifchef Marcel Gröls. Offizieller Anlass des Arbeitskampfes sind die aus Sicht der Gewerkschaft gescheiterten Verhandlungen über einen neuen Gehaltstarifvertrag.

Auch eine Sondierungsrunde hinter verschlossenen Türen und ein verbessertes Angebot des Unternehmens aus der vergangenen Woche hatten keinen Durchbruch gebracht. Zuletzt waren an diesem Mittwoch Gespräche ergebnislos geblieben. Da alle Möglichkeiten ausgeschöpft seien, komme es nun zum Streik, so Gröls.

Forderungen: höhere Gehälter, Inflationsausgleich, mehr Urlaub

Audiobeitrag

Audio

Ganztägiger Streik bei Lufthansa am Freitag

Ende des Audiobeitrags

Sie verlangt für die rund 5.000 Kapitäne und Ersten Offiziere Gehaltssteigerungen von 5,5 Prozent im laufenden Jahr und einen automatisierten Inflationsausgleich ab 2023. Zudem sollen Einstiegsgehälter angehoben werden und schneller steigen. Nach Mitteilung der Lufthansa wird auch mehr Geld für Krankheitstage, Urlaub und Schulungen verlangt sowie eine Zusage, perspektivisch auf Bezahlung nach Dienstzeit umzustellen.

Laut Lufthansa würden die Forderungen der VC die Personalkosten im Cockpit um 40 Prozent erhöhen. Zuletzt habe das Unternehmen eine Erhöhung der monatlichen Grundvergütung um pauschal 900 Euro angeboten.

Bezogen auf die Laufzeit von 18 Monaten würde das Zuwächse von 18 Prozent für Berufsanfänger und 5 Prozent für Kapitäne in der Endstufe ergeben, teilte die Lufthansa mit. Ein Berufsanfänger käme dann auf ein Jahresbruttogehalt von rund 81.000 Euro und ein Kapitän in der Endstufe auf knapp 289.000 Euro Grundgehalt.

Lufthansa: "Eskalation zulasten tausender Kunden"

"Die Arbeitgeberseite hat ein sehr gutes und sozial ausgewogenes Angebot gemacht - trotz der nachwirkenden Lasten der Corona-Krise und unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft", sagte Personalvorstand und Arbeitsdirektor Michael Niggemann. Der Konzern kritisierte den Streikaufruf: Diese Eskalation gehe zulasten tausender Kundinnen und Kunden.

Ob daraus ein erneuter Dauerkonflikt zwischen Piloten und Management entsteht wie von 2012 bis 2017, ist bislang nicht absehbar. Damals hatten die Piloten bis zur Einigung 14 Mal gestreikt und dem Konzern einen Schaden von mindestens 500 Millionen Euro beigebracht.

Letzter Streik im Juli

Erst im Juli hatte die Gewerkschaft Verdi mit einem Warnstreik des Bodenpersonals den Flugbetrieb der größten deutschen Airline für einen ganzen Tag nahezu lahmgelegt. Es fielen über 1.000 Flüge aus, und rund 134.000 Passagiere mussten ihre Reisepläne ändern.

In der anschließenden Verhandlungsrunde erreichte die Gewerkschaft für die rund 20.000 Bodenbeschäftigten Gehaltssteigerungen, die insbesondere in den unteren Lohngruppen deutlich zweistellig ausfielen.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen

Ihre Kommentare Wurde Ihr Rückflug nach Frankfurt gestrichen? Welche Konsequenzen hat das nun für Sie?

14 Kommentare

  • @kati B: ist das Ihr Ernst? Eine pilotenlizenz mit einer Taxilizenz zu vergleichen? Und dann noch von primär angebotenen Fähigkeiten zu sprechen? Haben Sie auch nur den Hauch einer Ahnung, wie eine Pilotenausbildung abläuft und was in dieser gefordert wird? Ich glaube kaum. Schon die Privatpilotenlizenz fordert deutlich mehr als eine Taxilizenz, und die kommt nicht mal annähernd an eine Verkehrspilotenlizenz ran. Informieren Sie sich gerne mal, welche Fächer und welches Wissen Sie als Pilot in jeder Situation und unter jeglichen Umständen abrufbar und ruhig umsetzbar zur Verfügung haben müssen. Ich kann wirklich nur den Kopf schütteln ich habe sowohl ein mehrjähriges Studium hinter mir wie auch eine Privatpilotenlizenzdas Studium war ein Kinderspiel und lächerlich im Vergleich zur Lizenz, was lernen und Wissen angeht!

  • @Kalle Sorry aber eine Pilotenlizenz ist streng genommen wie eine Taxilizenz zu sehen, mit der Erweiterung um bestimmte körperliche Fähigkeiten die primär angeboren sind. Wir sprechen hier nicht von einer Fluglotsen Ausbildung oder einem mehrjährigen Studium der Medizin oder Rechtswissenschaften. Insofern finde ich Sozialpädagogik und das Sichere befördern von Menschen gar nicht so weit von einander entfernt. Es sind keine NASA Mitarbeiter oder Rocket Scientists ;) Daher umso mehr, Nein. Einfach Nein zu solchen abstrusen Lohnforderungen und jährlichen (!) Tumulten die auf Kosten der Gesellschaft gehen.

  • Unser Hinflug nach Rom wurde gestrichen.
    Die Hotline der Lufthansa war den ganzen Tag ( Donnerstag) nicht erreichbar und Elisa als Chatpartnerin ist ein Witz. Da sind die Kinder in meiner Kita wesentlich kompetenter.
    Wir haben heute, nach 29 Stunden Bemühungen durch meinen Mann, einen Hinflug am Samstag nach Rom bekommen. Aber wir mussten gebuchte Führungen stornieren, eine nicht genutzte Nacht in Rom bezahlen und eine zweite Nacht im Hotel in Frankfurt, weil wir aus Osthessen anreisen und der Abflug sehr früh ist.
    Von Lufthansa haben wir noch immer keinerlei Informationen oder Bemühungen uns umzubuchen.
    Kundenfreundlichkeit sieht anders aus.

Alle Kommentare laden