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Die Betriebsärzte legen los - zumindest ein paar. In einem Pilotprojekt in vier Pharmaunternehmen wird seit Montag gegen Covid-19 geimpft. Ihre Kollegen kommen wohl erst im Juni dran.

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Es soll die dritte Säule der Impfstrategie werden: nach den Impfzentren und den Arztpraxen schließlich die Betriebsärzte. Die Forderungen danach werden lauter, doch es fehlt noch an Impfstoff, um die Betriebsärzte flächendeckend einzubeziehen. Während der Bund diesen Schritt erst ab Juni plant, begann am Montag ein hessisches Pilotprojekt.

Das Land stellt vier Pharmaunternehmen zunächst rund 10.000 Impfdosen zur Verfügung. Sie sollen an Standorten der Unternehmen Merck (Darmstadt), Sanofi-Aventis (Frankfurt), B. Braun (Melsungen) und Pharmaserv (Marburg) verimpft werden. Die Unternehmen zählen zur systemrelevanten Infrastruktur, und das Personal gehört damit zur Impfgruppe 3.

Marburg: Hörsaal zu Impfzentrum umgebaut

Pharmaserv ist Inhaber und Betreiber des großen Industrieparks Behringwerke im Norden von Marburg. An dem Standort arbeiten rund 6.000 Angestellte von Pharma- und Medizintechnikunternehmen wie CSL, GSK und Siemens. Seit letztem Jahr ist auch Biontech aus Mainz ansässig, das hier große Mengen seines Corona-Impfstoffs produzieren will.

Pharmaserv-Sprecher Andreas Neuhaus betont: Zwar wird der Biontech-Impfstoff direkt vor Ort produziert, doch die Nähe zum Hersteller spiele nun bei der Verteilung keine Rolle. Der Impfstoff werde wie in den Impfzentren vom Land zugeteilt. Die Unternehmen könnten intern noch Angestellte priorisieren.

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Das Pilotprojekt sei am Montag reibungslos angelaufen, berichtet Neuhaus: "Wir haben hier einen Hörsaal zu einem richtigen Impfzentrum umgebaut, wie man das ja inzwischen kennt: mit drei Impfkabinen, ärztlichen Beratungsgesprächen und allem, was dazu gehört." Die Betriebsärzte des Industrieparks seien seit 7.30 Uhr im Einsatz. "Es ist alles mit Terminen getaktet, und bisher läuft alles ganz sauber nach Plan", sagt Neuhaus.

Große Impfbereitschaft beim Personal

Für Pharmaserv sei der Fortschritt der Impfkampagne von großem Interesse, um den laufenden Betrieb weiter garantieren zu können, so Neuhaus: "Wir stellen hier am Standort lebensrettende Medikamente her, und viele Arbeiten können nicht aus dem Homeoffice gemacht werden, sondern nur vor Ort."

Der Unernehmenssprecher berichtet: Man habe Kapazitäten, um pro Tag 300 Menschen zu impfen. "Wenn wir genug Impfstoff bekommen würden, könnten wir in 60 Tagen mit allen durch sein." Die Impfbereitschaft am Standort sei sehr groß, sie liege laut einer internen Befragung bei 95 Prozent.

Innenminister besucht Melsunger Pharmaunternehmen

Laut Innenministerium tragen die vier ausgewählten Unternehmen in besonderer Weise zum Fortschritt der Impfkampagne bei. Zum Start des Pilotprojekts besuchte Minister Peter Beuth (CDU) die Firma B. Braun in Melsungen (Schwalm-Eder). Der Medizintechnikhersteller ist europaweit Marktführer in der Produktion von Impfzubehör. B. Braun stellt etwa zwei Milliarden Spritzen pro Jahr her, die weltweit auch für Corona-Impfungen gebraucht werden.

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Beuth lobte vor Ort die Organisation der Impfstraße und sagte zum hr, dass er mit einer flächendeckenden Versorgung der Betriebsärzte mit Impfstoff in der zweiten oder dritten Juniwoche rechne: "Wir können dann auf den Modellprojekten gut aufsetzen und sehr schnell in den Betrieben in den Impfprozess hineinkommen."

Betriebsärztin: „Wir sind sehr gut vorbereitet“

Die Betriebsärzte von B. Braun sind nach eigenen Angaben seit Januar auf den Impfstart vorbereitet. Die Leiterin der Impfstraße und des betriebsärztlichen Dienstes, Sabine Pauls, sagte am Montag, sie griffen auf Erfahrungen etwa mit Grippe-Impfaktionen oder Gelbfieber-Impfungen für Mitarbeiter vor Auslandseinsätzen zurück. Für die spezielle Kühlung des Biontech-Impfstoffs habe B. Braun jedoch extra Kühlschränke besorgen müssen.

Das Unternehmen hat nach Angaben von Pauls eine interne Priorisierung der Mitarbeiter durchgeführt. Am Montag wurden auch einige Mitarbeiter des Werks in Bad Arolsen (Waldeck-Frankenberg) geimpft, die direkt mit der Spritzenproduktion zu tun haben.

Weitere Pilotprojekte

Auf Nachfrage äußerte Beuth sich auch dazu, dass etwa im Main-Kinzig-Kreis schon vor zwei Wochen ein kleineres Pilotprojekt angelaufen ist: Auf Initiative des Landkreises impfen Betriebsärzte in vier Unternehmen, etwa beim Berufsbekleidungshersteller Engelbert Strauss in Langenselbold und beim Technologiekonzern Heraeus in Hanau. Auch bei der Fraport AG wird seit vergangener Woche geimpft. Allerdings gilt die Notfallambulanz am Frankfurter Flughafen offiziell als Hausarztpraxis.

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Beuth sieht in diesen Vorstößen eine Ergänzung zum Pilotprojekt des Landes: "Wenn einzelne Landkreise darüber hinaus mit den Impfstoffen, die ihnen als Impfzentren zur Verfügung stehen, kleinere Modellprojekte machen, ist das begrüßenswert. Allerdings liegt dort der Fokus auf der Bevölkerung in den Priorisierungsgruppen 1 bis 3."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 03.05.2021, 19.30 Uhr