Menschen halten zwei Spielflugzeuge

Jetzt ist es offiziell: Die polnische Fluggesellschaft LOT übernimmt den Ferienflieger Condor. Zusammen wollen sie mehr als 20 Millionen Passagiere pro Jahr schaffen.

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Der Mutterkonzern der polnischen Fluggesellschaft LOT soll neuer Eigentümer des deutschen Ferienfliegers Condor werden. Die LOT-Mutter PGL habe im Bieterrennen das attraktivste Angebot vorgelegt, teilten Vertreter beider Seiten am Freitag in Frankfurt mit.

Mit dem Fokus auf weiteres Wachstum in Deutschland sowie in angrenzenden Märkten werde Condor zur zentralen Säule der Tourismusstrategie des LOT-Eigentümers PGL. Zusammen wollen sie einen europäischen Luftfahrtkonzern mit mehr als 20 Millionen Passagieren pro Jahr schaffen. "Wir werden eine führende Ferienfliegergruppe in Europa bilden", sagte Condor-Chef Ralf Teckentrup. "Die Marke Condor bleibt, wie sie ist." Die Airline mit Sitz in Kelsterbach (Groß-Gerau) rund 4.900 Beschäftigten soll unter ihrem derzeitigen Management weiter geführt werden.

Bouffier: guter Tag für Condor, guter Tag für Hessen

Der Verkauf sei "ein Vertrauensbeweis und eine Bestätigung für die hervorragende Arbeit der Belegschaft", teilten Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) mit. Es sei wichtig, "dass Condor als deutscher Ferienflieger erhalten bleibt und dabei auch seine Selbstständigkeit bewahren soll". Weiter hieß es: "Der heutige Tag ist guter Tag für das Unternehmen, aber auch ein guter Tag für unser Bundesland."

Der FDP-Politiker Stefan Naas sagte: "Sowohl die Mitarbeiter als auch Reisende, die einen Flug bei Condor buchen wollen, haben nun Sicherheit." Condor gelange nicht in die Hände eines Finanzinvestors, sondern werde von einem wachsenden Luftfahrtunternehmen übernommen. "Das ist ein gutes Zeichen", betonte Naas.

LOT mit Passagierzuwachs

LOT ist in der Star Alliance mit dem Lufthansa-Konzern verbunden. Die Gesellschaft hat 2019 zum vierten Mal in Folge einen starken Anstieg ihrer Passagierzahlen verzeichnet. Derzeit betreibt LOT eine Flotte von 80 Maschinen. Condor kommt auf knapp 60 Jets. Die Fluggesellschaft hatte in den vergangenen Jahren meist Gewinne eingeflogen und ist auch für deutsche Reiseveranstalter ein wichtiger Geschäftspartner.

Zuletzt waren im Bieterverfahren um Condor drei ernsthafte Interessenten in Medienberichten genannt worden. Neben LOT der US-Finanzinvestor Apollo gemeinsam mit deutschen Reiseveranstaltern und einem Co-Investor, sowie als dritter Bieter die britische Investmentgesellschaft Greybull.

Darlehen wird zurückgezahlt

Condor konnte nach der Pleite der früheren Konzernmutter Thomas Cook Ende September nur mit Hilfe eines auf sechs Monate befristeten Staatskredits über 380 Millionen Euro weiterarbeiten. Der Bund und das Land Hessen unterstützten Condor, weil das Unternehmen unverschuldet in Schwierigkeiten geraten sei und gute Aussichten auf einen Fortbestand habe. Die Investition von LOT werde es Condor ermöglichen, das von der staatlichen Förderbank KfW erhaltene Darlehen "vollständig zurückzuzahlen", teilte der Ferienflieger mit. Das Darlehen werde im April zurückbezahlt, sagte Teckentrup.

Bouffier, Al-Wazir und Schäfer sagten am Freitag: "Die Entscheidung zur Hilfe für Condor hat mit dem heutigen Tag und den damit verbundenen guten Perspektiven für das Unternehmen eine wichtige Bestätigung erfahren." Auch FDP-Politiker Naas betonte, es sei richtig gewesen, dem Unternehmen nach der Thomas-Cook-Pleite einen Überbrückungskredit mit Landesbürgschaft zu gewähren, "weil so das Gesamtunternehmen nicht zerschlagen wird, sondern als Ganzes erhalten bleibt".

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Zusammenschluss von LOT und Condor

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Abbau in Verwaltung, Stellenstreichungen bei Flugbegleitern

Zuletzt hatten die Condor-Beschäftigten Einschnitte hinnehmen müssen, um das Unternehmen für einen Käufer attraktiver zu machen. Ziel von Vorstandschef Teckentrup war es, die Gewinnaussichten der Airline mit Kostensenkungen zu verbessern und das Unternehmen möglichst als Ganzes zu verkaufen. So wurde etwa beschlossen, 170 von 750 Jobs in der zentralen Frankfurter Verwaltung abzubauen.

Jüngst hatte sich Condor zudem mit den Gewerkschaften Verdi und Ufo auf einen Sanierungstarifvertrag geeinigt, der die Streichung von 150 Flugbegleiterstellen vorsah.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 24.01.2020, 13 Uhr