Condor Flugzeug

Übernahme geplatzt: Die polnische Fluggesellschaft Lot verzichtet auf den geplanten Kauf des Ferienfliegers Condor. Durch die Corona-Krise war Lot selbst in Schieflage geraten und ist auf Staatshilfen angewiesen.

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hessenschau kompakt von 16:45 Uhr vom 14.04.2020
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Der eigentlich Ende Januar beschlossene Verkauf von Condor ist geplatzt. Die polnische Fluglinie Lot verzichtet auf den geplanten Kauf des Ferienfliegers Condor. Die Mutterfirma PGL habe sie informiert, vom Kauf zurücktreten zu wollen, sagte eine Condor-Sprecherin. Derzeit befinde man sich in Gesprächen mit PGL, um mögliche Rahmenbedingungen des Rücktritts zu definieren. "Wir prüfen, wie wir unsere Ansprüche aus den unterschriebenen Kaufverträgen geltend machen werden", sagte die Sprecherin.

Der Flugbetrieb werden - so weit wie durch die Auswirkungen der Coronakrise möglich - regulär fortgesetzt. Condor sei auf dieses Szenario vorbereitet und beabsichtigt nach wie vor, das Schutzschirmverfahren bald zu verlassen. Es gebe verschiedene Optionen für die zukünftigen Eigentumsverhältnisse, wie beispielsweise eine Treuhänderstruktur. Zudem würden die Gesprächen zu Staatshilfen wegen der Auswirkungen der Coronakrise weitergeführt.

Lot kam selbst ins Trudeln

Schon den vergangenen Tagen waren Zweifel an dem abgeschlossenen Kaufvertrag immer lauter geworden. Durch die Corona-Krise war auch PGL getroffen worden. So muss die wichtigste PGL-Gesellschaft Lot wahrscheinlich selbst Staatshilfe in Anspruch nehmen. "Im Fall der Lot kommen wir sicher nicht ohne öffentliche Hilfe aus", hatte Polens Schatzminister Jacek Sasin kürzlich dem Fernsehsender TVN24 gesagt. Er sei in ständigem Kontakt mit dem Vorstand der Fluggesellschaft. Dieser bereite einen Rettungsplan für den Fall vor, dass die Flugverbindungen noch für viele Monate unterbrochen sein werden.

Der Schutzschirmplan des Insolvenzspezialisten Lucas Flöther sah den Verkauf der Condor mit mehr als 50 Flugzeugen an die PGL vor. Die Airline mit Sitz in Kelsterbach (Groß-Gerau) hat rund 4.900 Beschäftigte. Zum Preis wurden keine Angaben gemacht.

Drei Interessenten bei Bieterverfahren

Condor konnte nach der Pleite der früheren Konzernmutter Thomas Cook Ende September nur mit Hilfe eines auf sechs Monate befristeten Staatskredits über 380 Millionen Euro weiterarbeiten. Der Bund und das Land Hessen unterstützten Condor, weil das Unternehmen unverschuldet in Schwierigkeiten geraten sei und gute Aussichten auf einen Fortbestand habe.

Zuletzt waren im Bieterverfahren um Condor drei ernsthafte Interessenten in Medienberichten genannt worden. Neben LOT der US-Finanzinvestor Apollo gemeinsam mit deutschen Reiseveranstaltern und einem Co-Investor, sowie als dritter Bieter die britische Investmentgesellschaft Greybull. Lot hatte schließlich den Zuschlag bekommen.

Abbau in Verwaltung, Stellenstreichungen bei Flugbegleitern

Die Condor-Beschäftigten hatten in den vergangenen Monaten Einschnitte hinnehmen müssen, um das Unternehmen für einen Käufer attraktiver zu machen. Ziel von Vorstandschef Teckentrup war es, die Gewinnaussichten der Airline mit Kostensenkungen zu verbessern und das Unternehmen möglichst als Ganzes zu verkaufen. So wurde etwa beschlossen, 170 von 750 Jobs in der zentralen Frankfurter Verwaltung abzubauen.

Jüngst hatte sich Condor zudem mit den Gewerkschaften Verdi und Ufo auf einen Sanierungstarifvertrag geeinigt, der die Streichung von 150 Flugbegleiterstellen vorsah.

Sendung: hr-iNFO, 13.04.2020, 18.30 Uhr