Im Fall von keimbelasteter Wurst ist der nordhessische Fleischhersteller Wilke offenbar auf legalem Weg noch im Juli an ein Prüfzertifikat des Lebensmittelhandels gekommen.

Das Unternehmen habe der Prüfungsgesellschaft DQS die nötigen Unterlagen wie Laboranalysen, Inspektionsberichte und Besuchsprotokolle der Lebensmittelaufsicht vorgelegt, sagte Stephan Tromp, Geschäftsführer der Dachorganisation IFS-Management, am Donnerstag: "Insofern gehen wir nach derzeitigem Sachstand nicht davon aus, dass DQS vom Wilke getäuscht wurde."

Zuvor hatte die Zeitung "Welt" darüber berichtet. Allerdings nutzte das Unternehmen laut Tromp eine legale Möglichkeit, sich auf den Besuch der Prüfer vorzubereiten: Es wählte eine Prüfvariante, bei der sich die Kontrolleure anmelden. Dabei habe Wilke belegt, dass ein Listerien-Ausbruch vom April 2019 erfolgreich bekämpft war. Tromp vermutet daher, dass es bei Wilke zwei Ausbrüche der Keime gab - vor und nach der Prüfung.

Zwei todesfälle in Südhessen

In Wilke-Wurst waren wiederholt Listerien nachgewiesen worden. Die Keime können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. Zwei Todesfälle in Südhessen werden mit Waren der mittlerweile geschlossenen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Twistetal-Berndorf in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verdachts fahrlässiger Tötung gegen den Geschäftsführer.

Die IFS-Zertifizierung ist eine Eigenkontrolle der Lebensmittelwirtschaft. Ihr Ziel ist die Prüfung, ob Hersteller sichere Lebensmittel nach Anforderungen des Handels produzieren können. Das Zertifikat richtet sich nicht an Verbraucher.