Wei behandschuhte Hände legen silbernes Besteck auf

Stelle bekommen, Stelle behalten: Eine Ausbildung zu machen, ist im Corona-Jahr deutlich komplizierter geworden. Auch die Qualität der Ausbildung leidet oft.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Corona macht Auszubildenenden schwer zu schaffen

3D Logo und Schriftzug der Agentur für Arbeit
Ende des Audiobeitrags

Linda ist 23 Jahre alt und macht eine Ausbildung zur Hotelfachfrau in einem Frankfurter Luxushotel. Das Hotel ist zurzeit wegen Corona geschlossen. Es sind keine Gäste da, auch keine Putzkräfte, denn ihnen wurde gekündigt. Die Auszubildenden müssen nun ihre Arbeit miterledigen, berichtet Linda. "Meine Ausbildung liegt auf Eis, stattdessen staubsauge ich, putze die Toiletten und muss überall mithelfen."

So habe sie sich ihre Ausbildung nicht vorgestellt, deshalb wolle sie die Ausbildungsstelle wechseln - ein schwieriges Unterfangen in Coronazeiten. "Es gibt gar nicht so viele freie Stellen, auf die ich mich bewerben kann", so die 23-Jährige. Schließlich sei die Situation in vielen anderen Hotels nicht viel besser.

Ausbildungsreport zeigt Probleme auf

Bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) heißt es, manche Azubis würden dazu gedrängt, etwa die Gartenanlagen der Hotels oder sogar die privaten Gärten der Hotelbesitzer zu pflegen - was wirklich nicht Teil der Ausbildung sei. Außerdem müssten viele Auszubildende Überstunden ohne Ende machen, ohne dafür einen Cent extra zu bekommen.

Auf solche Probleme weist auch der neue Ausbildungsreport hin, den der deutsche Gewerkschaftsbund am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat. Die Gewerkschafter haben bundesweit über 13.000 Auszubildende befragt und jeder zehnte Jugendliche arbeitet mehr als 40 Stunden pro Woche. Knapp ein Viertel klagt dazu über zu hohe Arbeitsbelastung und kann sich nach der Ausbildung nicht mehr richtig erholen.

Weitere Informationen

Lehrstellen-Situation in Hessen

Trotz Corona ist die Lage am Ausbildungsmarkt für junge Menschen gar nicht so schlecht: Wie die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit meldet, kamen in Hessen zuletzt rund 36.000 Bewerber auf rund 33.000 Ausbildungsstellen.

Ende der weiteren Informationen

"Die Ausbildungsqualität muss auch in Corona-Zeiten stimmen"

Oft werden die Auszubildenden gerade jetzt in Corona-Zeiten als billige Arbeitskräfte missbraucht. So heißt es in dem Report, sie müssten zum Beispiel auch Gläser spülen oder den Betrieb mit renovieren. "Die Ausbildungsqualität muss auch in Corona-Zeiten stimmen“, so die Forderung von Manuela Conte, Jugendsekretärin beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

Auch eine Ausbildungsstelle überhaupt zu bekommen, ist durch die Corona-Pandemie deutlich schwieriger geworden. Brigitte Scheuerle, Geschäftsführerin für Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt findet schon den Erstkontakt schwierig. "Es gab gerade anfangs kaum persönliche Bewerbungsgespräche und die digitale Variante wie Skype-Interviews haben die Unternehmen erst allmählich für sich entdeckt."

Der Start ins Berufsleben gerade in Corona-Zeiten schwierig

Und wenn es dann mit der Ausbildung geklappt hat, was kommt danach? Alica Schneider ist 18 Jahre alt und wohnt in Fulda. Sie hat ihre Ausbildung als Fremdsprachenassistentin abgeschlossen und nun ist der Start ins Berufsleben holprig. "Ich schreibe die ganze Zeit Bewerbungen, habe bisher zehn Absagen bekommen, von anderen Unternehmen höre ich nie wieder."

Umso glücklicher war sie, als ihr eine PR-Agentur ein Volontariat angeboten hat. "Doch dann kam der nächste Schock, durch Corona hat die Agentur Kunden verloren und damit ist auch mein Volontariat ins Wasser gefallen", so die 18-Jährige. Nun hat sie immerhin einen Praktikumsplatz bekommen. Wie ist danach weiter gehen soll, weiß sie nicht.

Ähnlich ergeht es auch vielen anderen Auszubildenden. Laut DGB-Ausbildungsreport wissen fast 40 Prozent im letzten Ausbildungsjahr noch immer nicht, ob sie von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen werden. Und selbst wenn das der Fall ist, dann werden die Azubis nur zeitlich befristet eingestellt.

Sendung: hr.iNFO, 27.08.2020, 15.10 Uhr.