Dieter Wierz mit seinem Quellwasser "Radius 99"

Dieter Wierz füllt in seiner Garage in Königstein ein ganz besonderes Quellwasser ab: Wasser aus der "Haderheck-Quelle". Die Güte des Wassers könnte sogar Auswirkungen auf den Namen der Stadt haben.

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Eine Garage im Wohnviertel am Rande zum Taunus im Königsteiner Norden: Hier hat das Start-up von Dieter Wierz und Nicola Piesch seinen Sitz. Die beiden stehen um eine Maschine, mehrere Glasflaschen hängen daran. Klares Wasser fließt in die Behälter. Seit einigen Monaten füllen sie hier in der Garage frisches Trinkwasser aus dem Taunus ab, bis zu 800 Flaschen am Tag. In Handarbeit.

Das Quellwasser kommt aus der Haderheck-Quelle, benannt nach dem kleinen Wohngebiet, in dem die Garage steht. Früher wurde das Wasser als arzneimittelrechtlich zugelassenes Heilwasser deutschlandweit vertrieben. Doch dann geriet die Quelle in Vergessenheit - bis der 76 Jahre alte Dieter Wierz und die 55 Jahre alte Nicola Piesch den Abfüllbetrieb wiederbelebten.

Wierz ist Banker im Ruhestand, Piesch arbeitet als Lehrerin. Das Quellwasser sei ihr "gemeinsames Projekt aus Überzeugung", sagen die beiden. "Wir haben Lust darauf, herauszufinden, ob auch die anderen davon überzeugt sind, woran wir glauben", sagt Piesch.

Früher als Heilwasser bekannt

Das Besondere an dem Wasser: Es sei besonders schwach mineralisiert, daher weich und neutral im Geschmack, erklären die Unternehmer. Zudem rege es die Stoffwechselfunktion des Körpers an, der Körper werde dadurch entgiftet und entschlackt. Ein Grundstückseigentümer war in den 1970er Jahren zufällig beim Hausbau auf die Quelle gestoßen.

Der Mann vertrieb das Wasser als Heilwasser deutschlandweit. Als er starb, kümmerte sich niemand mehr um die Quelle. Die Heilwasser-Zulassung erlosch. "Das Wasser ist jedoch das gleiche", berichtet Piesch. Sogar Kliniken sollen es damals zum Ausspülen der Giftstoffe von Chemotherapien in der Krebs-Nachsorge verwendet haben, sagt sie.

Die Quelle als "Projekt aus Überzeugung"

Wierz und Piesch vermarkten das Wasser unter dem Namen "Radius 99". Der Name bezieht sich auf das geplante Vertriebsgebiet. Die Lehrerin und der Ex-Banker wollen ihr Quellwasser im Umkreis von 99 Kilometern um die Haderheck-Quelle anbieten.

Verkauft wird es in Reformhäusern, Super- und Getränkemärkten und bei verschiedenen Händlern in Königstein, Bad Homburg, Kelkheim (Main-Taunus) und Friedrichsdorf (Hochtaunus). Auch in Bad Vilbel, Karben (beides Wetterau), Wiesbaden, Frankfurt und sogar in Reichartshausen in Baden-Württemberg ist das Quellwasser erhältlich. 1,95 Euro kostet eine 0,75 Liter-Flasche.

Quellwasser "Radius 99"

2021 muss das Unternehmen umziehen

Noch füllen Wierz und Piesch mit ihrem Team in Handarbeit die Flaschen in der Garage ab. Sie lassen sie im Berufsbildungswerk Karben bekleben und verpacken und liefern sie wieder selbst aus. Doch kommendes Jahr wird sich einiges ändern müssen. Das Start-up betreibt derzeit sein Geschäft im Rahmen einer auf zwei Jahre begrenzten Ausnahmegenehmigung im Wohngebiet. Bis Ende 2021 muss es wegziehen - mitsamt der Quelle, die unterirdisch umgeleitet werden soll.

Einige Vorbereitungen seien dafür bereits schon getroffen worden, erklärt Wierz: zum Beispiel die Reservierung eines Grundstücks nur wenige hundert Meter entfernt. "Wir haben die Zusage der Stadt, das Quellwasser dorthin leiten zu können. Zudem ermutigt uns, dass der Umsatz steigt", so Wierz.

Weit über eine Million Euro koste der Umzug in die neue Produktionsstätte. Geld, das sie derzeit noch nicht haben, wie Wierz und Piesch sagen. Noch macht ihr Unternehmen keinen Gewinn. Wierz zeigt sich dennoch optimistisch: "Natürlich ist es hilfreich, wenn man den Umsatz steigert. Es gibt aber auch die Möglichkeit der Fremdfinanzierung und, da sind wir auch schon in Gesprächen, interessierte Investoren."

Wird aus Königstein Bad Königstein?

Ist der Umzug geschafft, wollen Wierz und Piesch ihr Angebot erweitern, das Wasser zum Beispiel in unterschiedlichen Flaschen abfüllen und als Vitamin-Nahrungsergänzungsmittel anbieten. Langfristig wollen sie die arzneimittelrechtliche Heilwasser-Zulassung für ihr Wasser aus der Haderheck-Quelle zurückerhalten.

"Das ist erfahrungsgemäß ein vier bis fünf Jahre andauernder Prozess, der mit hohen Kosten verbunden ist", sagt Wierz. Sollte das Wasser den Status Heilwasser zurückbekommen, hätte das für die Stadt Königstein sogar einen besonderen Effekt: Die Stadt könnte sich fortan Bad Königstein nennen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 02.03.2020, 19.30 Uhr