Steffen Korb, Inhaber eines Reisebüros aus Seligenstadt, auf einer Demonstration der Reisebüros-Branche vor dem Frankfurter Römer. Die Demonstranten fordern einen Sonderfonds des Bundes, um die Rückzahlungen für stornierte Reisen abzuwickeln.

Die Corona-Krise hat auch die Reisebranche hart getroffen. Auf Demonstrationen in Frankfurt und anderen Städten forderten Inhaber von Reisebüros und Reiseveranstalter sofortige Hilfen. Sie sehen sich in ihrer Existenz bedroht.

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hessenschau vom 13.05.2020
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In mehreren hessischen Städten haben am Mittwoch Besitzer von Reisebüros für sofortige Hilfen aufgrund der Einbußen durch die Corona-Krise demonstriert. Am Frankfurter Römer versammelten sich knapp 50 Demonstranten. Die Abstandsregeln wurden eingehalten. Auch in Kassel, Wiesbaden und Gießen waren Aktionen geplant.

Die Branche sieht sich in der Klemme zwischen den Rückforderungen ihrer Kunden und den fehlenden Rückzahlungen von Hotels und Fluggesellschaften. "Wenn man das den Kunden erklärt, sind die meisten sehr verständnisvoll", berichtete Mit-Organisator Thomas Kolb, der ein Reisebüro im Frankfurter Nordend betreibt. Manche hätten allerdings auch gleich mit dem Anwalt gedroht.

Auch in Kassel demonstrierten Inhaber von Reisebüros für sofortige Hilfen.

Deswegen fordern die Demonstranten einen Sonderfonds des Bundes, um die Rückzahlungen der stornierten Reisen abwickeln zu können. "Mir droht der Verlust der bürgerlichen Existenz", sagte Kolb. Die Politik habe bislang kein Verständnis dafür entwickelt, dass die Reisebranche in der Krise am härtesten getroffen worden sei.

Organisator erwartet gewaltige Insolvenzwelle

"Wir müssen nicht nur auf das laufende Geschäft verzichten, sondern verlieren auch noch unsere Gewinne des zurückliegenden Jahres", sagte Kolb. Es drohe eine gewaltige Insolvenzwelle bei den Reisebüros.

Die ausgezahlten staatlichen Soforthilfen dürften ausschließlich für Betriebsausgaben aufgewendet werden, berichtet der Reisekaufmann. "Meinen Lebensunterhalt bestreite ich inzwischen mit Hartz IV." Wenn es nicht ganz schnell Hilfe gebe, werde sich das auch lange Zeit nicht mehr ändern.

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Ein Koffer mit der Aufschrift "Ich bleibe leer" auf der Demo der Reisebüros und Reiseveranstalter in Frankfurt. Die Branche befürchten den Abbau von Arbeitsplätzen.
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Reisewarnung soll schrittweise aufgehoben werden

Allerdings gibt es auch so etwas wie Hoffnung für die Reisebranche: Die Bundesregierung will ab Samstag die Kontrollen an den deutschen Grenzen vorsichtig lockern, Mitte Juni sollen sie ganz aufgehoben werden. Das teilte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Mittwoch mit. Demnach soll auch die weltweite Reisewarnung schrittweise aufgehoben werden. Auslandsurlaub im Sommer macht das wieder wahrscheinlicher.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 13.05.2020, 16.45 Uhr