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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hessische Busunternehmen vor der Pleitewelle

Busunternehmen

Mit den neuen Corona-Lockerungen entfällt das Fahrverbot für Reisebusse. Aus Sicht der privaten Busbetreiber kommen die neuen Auflagen einem Verbot gleich.

Wochenlang waren wegen der Corona-Ansteckungsgefahr Busreisen verboten. Mitte März setzte die Regelung der Landesregierung ein - ausgerechnet zu der Zeit, in der eigentlich die Hochsaison für den Bustourismus starten sollte: Klassenfahrten, Tagestrips, Vereinsfahrten und Pauschalreisen ins In- und Ausland standen in den Auftragsbüchern der rund 250 privaten Busunternehmen in Hessen. Doch daraus wurde nichts.

Die neue Landesverordnung zu den Corona-Lockerungen zeigt nun überraschend eine Perspektive für Busunternehmer auf: Sie sieht nicht länger ein ausdrückliches Reisebus-Verbot vor. Der Geschäftsführer des Landesverbands Hessischer Omnibusunternehmer (LHO), Volker Tuchan, verwies am Freitag darauf. Die Landesregierung hatte dies zunächst nicht mitgeteilt.

Ein Fahrgast auf fünf Quadratmetern

Für Reisebusse gilt nun: Immer dort, wo ein Fahrgast sitzt, müssen fünf Quadratmeter Fläche pro Person zur Verfügung stehen. Diese Regelung gilt auch für die Gastronomie, wie das Wirtschaftsministerium bestätigte. Zusätzlich müsse im Reisebus ein Abstand von eineinhalb Metern eingehalten werden, dies gelte für den Ein- und Ausstieg sowie für das Sitzen im Bus. Die Quadratmeter-Regelung helfe dabei, die Gesamtzahl der Passagiere im Vorhinein zu beschränken, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Zudem falle der Reisebusverkehr unter das Personenbeförderungsgesetz: Während der Fahrt gelte somit die Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung.

Busbetreiber fordern Änderungen

Laut LHO-Geschäftsführer Tuchan können wegen der Quadratmeter-Regelung in einem Reisebus mit etwa 50 Sitzplätzen nur noch fünf bis zehn Fahrgäste sitzen. Die Wiederaufnahme des Betriebs unter diesen Auflagen komme einem Verbot gleich.

"Jetzt kann es trotz der Lockerung trotzdem faktisch so sein, dass die Unternehmen keine Umsätze machen, weil die Angebote aufgrund der Auflagen so schwierig zu gestalten sind, dass sich das für die Unternehmen wirtschaftlich nicht lohnt", sagte Tuchan. "Die Abstandsregel auf einen Sitzplatz je fünf Quadratmeter ist viel zu beschränkt für einen kleinen Raum wie in einem Reisebus."

Verbot setzte privaten Unternehmen enorm zu

Wegen der Corona-Maßnahmen hatte der LHO bereits zuvor Alarm geschlagen. "Etwa 90 Prozent der Bustouristiker in Hessen können die aktuelle Corona-Krise maximal noch bis zum Sommer überstehen - wenn es keine Hilfen gibt, droht ihnen schon bald das Aus", hieß es in einer Mitteilung Ende April.

Der Verband forderte zudem weitere staatliche Hilfe. Trotz Kurzarbeit, Kreditstundungsmöglichkeiten, Corona-Soforthilfe und möglicher zinsloser KfW-Kredite - die Unternehmen bräuchten "dringend einen Ersatz der Ausfallkosten für ihre Busse und Reisen" und einen abgesenkten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf touristische Fahrten.

Erst im Dezember hatten sich die privaten Busunternehmen nach fünf erfolglosen Schlichtungsrunden und zwei Wochen Streik mit der Gewerkschaft Verdi auf deutlich höhere Gehälter für die Fahrer geeinigt.

Sendung: hr4, 07.05.2020, 17.30 Uhr