Reyhan Karadeniz steht vor einem Bücherregal

Das Thema Altersvorsorge versprüht wenig Faszination, ist aber gerade in jungen Jahren entscheidend. Eine Studentin und ein Finanzberater erklären, wie sie die Zukunft angehen, und welche Möglichkeiten der Absicherung es gibt.

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Reyhan Karadeniz ist 26 Jahre alt, Studentin und lebt bei ihren Eltern in Staufenberg bei Gießen. Der Einstieg ins Arbeitsleben steht für sie noch an, Miete muss sie derzeit noch keine zahlen. Trotzdem bereitet ihr der Gedanke an die Rente bereits Kopfschmerzen: "Die Rentenlücke ist jetzt schon so groß, wie finanziere ich mich dann im Rentenalter? Wovon soll ich leben? Wo soll das Geld herkommen?", fragt sie sich.

Hilflos und benachteiligt

Seit etwa vier Jahren beschäftigt sich Reyhan Karadeniz jetzt mit dem Thema Altersvorsorge. Auslöser waren damals ein Gespräch mit Freunden, die in der Versicherungsbranche tätig sind, und ihr BWL-Studium. "Da habe ich mich gezwungen gesehen, mich damit auseinanderzusetzen", sagt die 26-Jährige.

Um mit der gefühlten Hilflosigkeit umzugehen, informierte sich Karadeniz über Bücher, Zeitungsartikel, Finanzportale, Blogs und YouTube-Kanäle über das Rentensystem und Vorsorgemöglichkeiten. Einfach sei das aber nicht gewesen, außerdem müsse man auch erstmal gute Quellen finden. "Das lernt man nicht in der Schule", bemängelt sie.

Als junge Frau fühlt sich die Studentin zusätzlich benachteiligt. Ständig gehe es um die Frage Kind oder Karriere. Dabei sei die Rentenlücke ja überhaupt erst durch weniger Geburten entstanden. "Und selbst bei Karriere gibt es dann für denselben Job oft weniger Gehalt als bei einem Mann“, sagt Karadeniz. Das wirke sich natürlich auch auf die Rente aus. Gender-Pay-Gap, die geschlechterspezifische Lohnlücke, wird so zu Gender-Pension-Gap.

Zu viele Möglichkeiten

Um für die Altersvorsorge die richtige Lösung für sich zu finden, brauche es einfach Zeit und Geduld, sagt Mike Backat. Der 31-Jährige aus Rodgau (Offenbach) ist unabhängiger Finanzberater und weiß, wie kompliziert das ganze System vor allem für Jüngere erscheint. Und auch nach zehn Jahren Berufserfahrung würde er sagen: Ja, das ist es.

Man könne in börsengehandelte Aktienfonds, sogannte ETFs, investieren, eine Rentenversicherung abschließen oder Immobilien kaufen und von Mieteinnahmen leben. "Und wenn du zehn Leute fragst, hast du zehn verschiedene Antworten", meint Backat.

Den Anfang wagen

Aber man sollte es nicht zu kompliziert machen, sagt der Finanzberater: "Gerade für junge Menschen ist es doch wichtig, dass sie überhaupt erstmal anfangen." Sehr beliebt sei dabei aktuell der ETF-Sparplan. Dabei lege man beispielsweise monatlich Geld in Aktien und Fonds an. Dabei gelte grundsätzlich: Je breiter gestreut, desto sicherer.

Wer sich noch gar nicht auskenne, für den würden sich demnach weltweit investierende ETFs und Fonds anbieten. "Natürlich kann man sagen, wenn ich da 50 Euro im Monat einzahle, dann wird das nicht meine große Altersvorsorge. Aber es ist ein Anfang", rät Backat. Und auf den könne man dann aufbauen.

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ETF

ETF steht für Exchange Traded Funds, auf Deutsch: börsengehandelte Aktienfonds. Diese bilden Aktienlisten, sogenannte Indizes, wie auch den DAX nach.

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Auch klassische Altersvorsorgen wie die Riester-Rente würden wieder heiß diskutiert, während für den Kauf einer Immobilie mit Mitte 20 selten die Rücklagen da seien. "Zehn Prozent des Kaufpreises sollte man als Eigenkapital haben", rät der Finanzexperte.

Ein junger Mann mit blonden Haaren lächelt in die Kamera. Er trägt einen Anzug.

Wer sich unsicher fühle, könne sich natürlich professionell beraten lassen, so Backat. Ansonsten gebe es mittlerweile etwa auf Instagram und diversen anderen Plattformen freie Anbieter, bei denen man sich einlesen könne. Auch allein könne man ohne großes Risiko starten. Wenn das ausgewählte Modell doch nicht den Vorstellungen entspreche, müsse man es eben beitragsfrei stellen oder wieder kündigen. Nichts sei in Stein gemeißelt, sagt Backat. Zwar bekomme man gezahlte Gebühren nicht mehr zurück, "aber es wird nicht die Existenz ruinieren".

"Je früher, desto einfacher"

Für den richtigen Startpunkt gelte wenig überraschend: Je früher, desto besser. "Ich könnte auch sagen: Je früher, desto einfacher", erklärt der Finanzberater. "Die Zeit, die ich verstreichen lasse, muss ich dann wieder mit höheren Sparleistungen kompensieren." Wer die finanziellen Möglichkeiten habe, der tue sich also einen Gefallen damit, möglichst früh zu beginnen und die monatlichen Sparbeträge dann einfach nach Möglichkeit zu steigern.

Natürlich gebe es Ausnahmen, aber die meisten sollten mit ihrer Altersvorsorge mit Mitte oder Ende 20 starten - spätestens aber, wenn man voll im Berufsleben stehe, rät Backat. Als Orientierung, wie viel Rente überhaupt nötig wäre, könne man einfach erstmal schauen, was man heute zum Leben benötige. Wie viel gebe ich im Monat aus? Dass das im Alter weniger sein könnte, sei meistens ein Trugschluss. "Ich kann damit rechnen, dass ich das, was ich heute ausgebe, auch im Alter brauche", sagt Backat.

Auseinandersetzen beruhigt

Es sei beruhigend, das Thema selbst in die Hand zu nehmen, sagt die Studentin Reyhan Karadeniz, die auf eine Mischung aus privater Vorsorge sowie Fonds und Aktien setzt. Mit 26 schon einen Überblick und Bewusstsein für die Altersvorsorge zu haben, fühle sich gut an. "Ich kenne die Situation, weiß, wo ich mich sehe und kann etwas dafür tun." Das motiviere sie. Jetzt möchte Karadeniz erstmal ihren BWL-Master beenden und ins Berufsleben einsteigen. Am liebsten im Personalbereich, vielleicht in Frankfurt, vielleicht in Hamburg, "klassisch nine to five", sagt sie lachend. Und hoffentlich später mal gut abgesichert.

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