Führen Unternehmen: Annika Trappmann, Ulrike Werning-Pohlenz, Saskia Jungermann (v.l.n.r.)

Frauen auf Chefsesseln sind noch immer die Ausnahme. Wir haben drei Jungunternehmerinnen getroffen, die es geschafft haben. Sie berichten über ihre Strategien, Schlachten und Siege.

Beim Aufstieg in Führungspositionen kommen Frauen in Hessen kaum voran. Das geht aus einer Befragung von über 1.000 Betrieben hervor, die vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit gemacht wurde. Demnach war 2018 nur jede vierte Position auf dem Chefsessel eines Unternehmens von einer Frau besetzt - und das obwohl sie 47 Prozent aller Beschäftigten ausmachen. Frauen auf Chefsesseln sind noch immer die Ausnahme - hessenschau.de hat drei Frauen getroffen, die es geschafft haben. Sie erzählen, was es für sie bedeutet ein Unternehmen zu führen.

Annika Trappmann, 29, leitet eine Blechwarenfabrik in Limburg

Eine dunkelhaarige junge Frau hat die Arme verschränkt und lächelt in die Kamera.

"Ich hab schon Respekt vor der Verantwortung, aber das ist auch gut. Letztendlich geht es um 300 Mitarbeiter und die Familien, die da dranhängen. Das hat am Ende immer viel mit Zuhören zu tun, gerade als Geschäftsführung. Man kann nicht immer überall sein, das heißt, man muss sich auf seine Mitarbeiter verlassen können. Und da muss man einfach zuhören, was berichtet wird. Kommunikation ist der Hauptjob. Dabei waren Besprechungen für mich am Anfang unangenehm: Ich wurde knallrot im Gesicht, wenn ich was sagen musste in einer großen Runde. Und das wurde natürlich immer schlimmer, je mehr ich gemerkt habe, dass ich rot werde.

Aber das hat sich gelegt mit der Zeit. Und wir haben viel erreicht - zum Beispiel den deutschen Umweltpreis gewonnen. Ich denke, um so einen Erfolg zu haben, muss man immer positiv denken und darf keine Angst vor großen Projekten und Herausforderungen haben. Man wächst daran."

Ulrike Wernig-Pohlenz, 36, ist CEO einer Kommunikationsagentur in Offenbach

Eine blonde Frau lehnt an einer Wand und lächelt.

"Ich greife total ungerne hart durch. Natürlich entstehen aber auch bei uns Situationen, in denen das nötig ist. Bei uns ist es deshalb so: Lob vor allen, Kritik alleine. Bei Lob fühlt sich der andere angespornt: Der hat schon wieder Lob gekriegt, weil er ein tolles Konzept entwickelt hat. Aber Kritik spornt halt niemanden an, das ist einfach so. Deshalb schicke ich auch mal ein Goodie-Bag nach Hause, wenn was gut läuft, um zu sagen 'Toll, dass du da bist, das machst und auch nach 20 Uhr noch mal an den Rechner gehst".

Gute Timings machen ist als Chefin das Wichtigste. Meine Tochter ist erst drei Monate alt. Die wird noch gestillt. Aber ich habe das Glück, dass meine Eltern fast neben der Firma wohnen. Ich bin dann halt immer mal kurz weg. Das ist vom Mindset her schon schwierig für mich: Raus, Kind, wieder in die Firma. Wenn die Chefin schlechte Timings macht, oder vier Stunden Mittag, dann ist das schlecht. Deswegen setzen wir uns immer schon sonntags hin und planen die Woche."

Saskia Jungermann, 28, ist Chefin eines Busunternehmens in Groß-Umstadt

Eine blonde Frau steht vor einem Messestand und hält einen Plastikbus in der Hand.

"Die härteste Herausforderung für mich ist es, dass ich immer allen gerecht werden will. Was ich aber nicht unter einen Hut bekomme. Da muss man dann eben gucken. Die erste schwierige Situation als Chefin war für mich, dass ich als Kind im Familienunternehmen aufgewachsen bin und unsere damaligen Busfahrer mich natürlich schon in Windeln kannten. Es war dann Kopfsache einzusteigen und zu sagen 'Ich bin 30 Jahre jünger als ihr und euer Chef.' Aber es hat gut funktioniert.

Ich hatte einen guten Start. Ich denke, wenn man eine Idee hat, dann sollte man die auch verfolgen. Und wenn es nicht direkt funktioniert, muss man schauen, dass man sich Hilfe sucht. Da gibt es ja Industrie und Handelskammern, Handwerkskammern, Juniorenverbände, Gründerberatung und und und. Man muss das halt wollen und dann auch dranbleiben."

Sendung: YOU FM, Worktime, 10.02.2021, 10 Uhr