Ein Mann läuft an geschlossenem Restaurant vorbei

Restaurants in Hessen dürfen ab Freitag öffnen. Wegen der hohen Auflagen bleiben viele geschlossen: Der Verlust sei so geringer als bei einer Öffnung mit wenigen Gästen. Für manche könnte das langfristig das Aus bedeuten.

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hs
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Ab Freitag dürfen Restaurants und Cafés in Hessen wieder öffnen, aber die Anforderungen stellen viele Gastronomen vor eine kaum lösbare Aufgabe:

  • Sie müssen Namen und Anschrift der Gäste notieren.
  • Auf fünf Quadratmetern darf nur ein Gast im Raum sein.
  • Insgesamt dürfen am Tisch nur Menschen aus zwei Haushalten sitzen.

Dazu kommen Sicherheitsvorkehrungen wie ein Verbot von Salzstreuern auf dem Tisch und Maskenpflicht für das Service- und Küchenpersonal (die Regeln im Detail hat hr1.de hier aufgeschrieben).

Ein Minusgeschäft, sagen viele Gastronomen und werden deshalb am Freitag nicht öffnen.

Frankfurter Gastronom: "Ein Sterben auf Raten"

"Wir zahlen doppelt, ein Sterben auf Raten", sagt Toni Tsonis, Mitinhaber des Restaurants "Schöneberger" in Frankfurt-Bornheim. Er hat alles durchgerechnet - mit dem Ergebnis: Er macht weniger Minus, wenn der Laden geschlossen bleibt, als wenn er am Freitag aufmacht. Und das, obwohl er durchaus viel Fläche hat.

"Der Kostenaufwand für 30 Gäste ist so hoch wie für 130", sagt Tsonis. Er würde nur draufzahlen. Der Laden sei nur rentabel bei 80 Prozent Auslastung. Nach 20 Jahren muss er sich nun fragen, ob sein Geschäft überleben wird.

Forderung nach Rettungsschirm

Die Fixkosten sind hoch, er muss die Miete derzeit stunden. Wenn er nur die Hälfte seiner Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen würde, würde das 20.000 Euro im Monat kosten, dazu Strom und Gas. Die Abstandsregeln erhöhen den Aufwand, geputzt und gekocht werden muss sowieso. Und für einen Koch am Gasherd sei es kaum möglich, acht Stunden mit Maske durchzuhalten.

Seine Mitarbeiter lebten normalerweise vom Trinkgeld, viele hätten aktuell Hartz IV beantragen müssen, weil das Kurzarbeitergeld nicht zum Leben reicht. Die Soforthilfe für das Restaurant sei nach vier Wochen schon allein durch die Fixkosten aufgebraucht gewesen. Es brauche jetzt einen Rettungsschirm für die Gastronomie, sagt Tsonis.

Frankfurter Aktion: "#LeereLokale"

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maintower vom 12.05.2020
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Bei anderen Gastronomen sieht es nicht besser aus. Die Initiative Gastronomie Frankfurt hat die Aktion "#LeereLokale" ausgerufen: Viele Restaurants müssten geschlossen bleiben, aus Solidarität sollten andere zumindest am Freitag auch nicht öffnen. Gerade die Fünf-Quadratmer-Regel, die es nur in Hessen gibt, erschwere es auch größeren Restaurants. Auf 100 Quadratmetern könne jetzt nur noch ein Viertel der sonst üblichen Gäste Platz nehmen.

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Hessen schickt aktuell regelmäßig Mails an seine Mitglieder, um die neuen Regelungen zu erläutern und anzumahnen, dass die Gastronomen sie einhalten. Denn sonst könne es schnell Probleme mit dem Ordnungsamt geben und der Laden sei wieder zu. Jeder vierte bis fünfte Betrieb könne gar nicht aufmachen trotz Lockerungen, schätzt die Dehoga.

Die Frage: Lohnt sich das?

Auch das Kasseler Edelrestaurant "Voit" bleibt dicht. Betreiber und Küchenchef Sven Wolf sagt, er habe wie alle vor der Frage gestanden: Lohnt sich das? Die Antwort sei nach einigem Rechnen "nein" gewesen. Dagegen stehe der gute Wille, seinen Gästen wieder das gewohnte Essen zu bieten. Das "Voit" hatte bis zum letzten Jahr einen Michelin-Stern, viele reisten von weit her an.

Statt 13 Tische könnte Wolf aber nur sechs anbieten, mit nicht mehr als 16 Gästen. Das rechne sich nicht, auch weil die Gäste den hohen Anspruch erwarten und keine reduzierte Karte. Auch für seine Mitarbeiter tue es ihm leid, sagt Wolf, aber am Freitag bleibt das "Voit" weiter zu.

Andere wollen es ab Freitag versuchen

Andere wollen zumindest den Versuch wagen: "Wir starten und schauen, wie die Kunden das annehmen", sagt Martina Krizek vom Kasseler Bio-Restaurant Weissenstein. Das Weissenstein hat den Vorteil, noch einen Laden in den gleichen Räumen zu haben, der etwas über die Krise hinweg geholfen hat.

Am Freitag dürfen sie nun 18 von eigentlich 60 Plätzen für Gäste anbieten. "Wenn aber nur drei Tische kommen, an denen nur zwei Gäste sitzen, wird es schwierig", sagt Krizek.

75 Gastronomen haben sich in Darmstadt zusammengetan

Dass nicht alle die Corona-Krise schaffen werden, sei jetzt schon absehbar, sagt Christiane Made, die seit über zwei Jahrzehnten in Darmstadt als Gastronomin arbeitet. In Darmstadt haben sich Restaurant- und Café-Betreiber zusammengetan. 75 tauschten sich mittlerweile in einer Chatgruppe aus - so etwas habe es noch nie gegeben. "Viele starten den Versuch am Freitag, aber einige sagen jetzt schon, wir schaffen das nicht", sagt Made.

Für viele sei das Öffnen wie das weitere Nicht-Öffnen ein Minusgeschäft: "in Raten in die Insolvenz". Corona hat den Start ihrer eigenen neuen Gaststätte an einem Sportplatz verzögert, am Freitag will sie es versuchen.

Es gebe eine große Fläche mit einem Garten: "Wer, wenn nicht wir könnte es schaffen?", fragt sie. Sie habe schon Absperrungen und Informationszettel für die Gäste organisiert. Ihre Maske zeige ein Smiley, wenn die Gäste sie schon nicht lächeln sehen können.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 14.05.2020, 16.45 Uhr