UFO-Streik

Das Kabinenpersonal bei der Lufthansa-Tochter Eurowings ist ab sofort zur Urabstimmung aufgerufen. Die Gewerkschaft Ufo will die Airline mit Streiks unter Druck setzen. Dabei ist die Gewerkschaft selbst unter großer Bedrängnis: Es geht schlicht um ihr Überleben.

Bei der Flugbegleitergewerkschaft Ufo (Unabhängige Flugbegleiter Organisation) ging es in den vergangenen Monaten drunter und drüber. Hochrangige Funktionäre warfen sich gegenseitig Untreue vor. Unter anderem beteiligt: Ufo-Chef Nicoley Baublies und sein Vorgänger Alexander Behrens.

Sogar die Staatsanwaltschaft Darmstadt schaltete sich in die Auseinandersetzung ein und ließ die Ufo-Büros in Mörfelden-Walldorf durchsuchen. Wenige Tage nach dem Besuch der Ermittler trat der Vorstand zurück, auch Gewerkschaftschef Baublies.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt

Doch nicht nur intern gibt es Querelen, auch mit dem Lufthansakonzern liegt die Gewerkschaft über Kreuz. Und dabei geht es nicht um einen klassischen Tarifkonflikt, sondern ebenfalls um juristische Auseinandersetzungen. So will die Lufthansa von einigen Ufo-Funktionären, auch vom sendungsbewussten Ex-Chef Baublies, viel Geld zurück haben. Der Vorwurf: Die Gewerkschafter sollen unberechtigt Gehalt von der Lufthansa erhalten haben, bei der sie zumindest formal noch angestellt sind. Dabei soll es um rund 800.000 Euro gehen.

Zudem will die Lufthansa die Kündigung mehrere Tarifverträge durch die Ufo nicht anerkennen. Eigentlich eine Formalie, doch in diesem Fall zweifelt die Fluggesellschaft an, dass die Verträge von Funktionären gekündigt wurden, die dazu auch berechtigt waren. Hier rächt sich eventuell der häufige Führungswechsel in den vergangenen Monaten bei Ufo.

Derzeit wird dies vor dem Frankfurter Arbeitsgerichtsgericht geklärt. Vor Ende September dürfte es da aber keine Entscheidung geben.

Mitgliederschwund

Die Lufthansa scheint mit ihrem Vorgehen eine Schwäche des Tarifgegners ausnutzen zu wollen, eventuell auch um Baublies am Ende komplett aus der Gewerkschaft zu drängen. Denn der ehemalige Gewerkschaftsboss ist vielen bei der Lufthansa ein Dorn im Auge. Derzeit hat Baublies zwar keine Funktion bei Ufo inne, aber er scheint noch immer einen großen Einfluss in der Gewerkschaft zu besitzen. In einem internen Schreiben ist schon aufgelistet, welche Aufgaben er nach seiner Rückkehr übernehmen soll.

Doch die Frage ist, ob es künftig noch eine Gewerkschaft Ufo in dieser Form geben wird. Wie aus Gewerkschaftkreisen zu hören ist, gehen die Mitgliederzahlen rapide zurück. Angeblich 4.000 Flugbegleiter sollen der Gewerkschaft in den vergangenen Monaten den Rücken gekehrt haben.

So besteht die Gefahr, dass künftig Ufo nicht mehr die Mehrheit der Flugbegleiter vertritt und somit auch nicht für die Tarifverhandlungen zuständig wäre. Andere könnten übernehmen: Verdi oder die Industriegwerkschaft Luftfahrt - IGL.

Der angedrohte Streik bei Eurowings und grundsätzlich auch beim Mutterkonzern Lufthansa könnte also der Versuch der Gewerkschaft sein, ein Lebenszeichen von sich zu geben, vor allem gegenüber den Mitgliedern.