Zug mit Brennstoffzellen-Antrieb am Wiesbadener Hauptbahnhof

Wasserdampf statt Dieselabgase - die Nahverkehrszüge im Taunus sollen künftig von Brennstoffzellen angetrieben werden. In fünf Jahren fahren dort laut RMV so viele emissionsfreie Bahnen wie nirgends sonst auf der Welt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found RMV-Tochter bestellt 27 Brennstoffzellen-Züge

Zug mit Brennstoffzellen-Antrieb bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Frankfurt-Höchst
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Die RMV-Tochter Fahma hat einen Großauftrag über 27 Züge mit Brennstoffzellenantrieb mit einem Gesamtvolumen von rund 500 Millionen Euro an den Zughersteller Alstom erteilt. Der Auftrag beinhaltet auch die Versorgung mit Wasserstoff am Industriepark Höchst, die Instandhaltung sowie Reservezüge für die nächsten 25 Jahre, wie die beteiligten Unternehmen am Dienstag berichteten.

Laut Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) wird bis zum Fahrplanwechsel 2022/2023 die größte Brennstoffzellen-Flotte der Welt auf die Schienen gestellt. Die neuen Züge sollen auf vier Regionallinien die bisherigen Dieseltriebwagen ersetzen.

Emissionsfrei, aber aufwendige Wasserstoffgewinnung

Technisch fußt der eingesetzte Triebwagen des Modells iLint auf einem vielfach erprobten Dieselzug des Herstellers Alstom. Wasserstoff-Tanks und Brennstoffzellen ersetzen die Diesel-Komponenten. Für den Hersteller bedeutet die Bestellung aus Hessen den zweiten Großauftrag für sein Brennstoffzellen-Modell. Der erste kam aus Niedersachsen.

Zumindest im direkten Betrieb eines solchen Zuges fallen keine klimaschädlichen Emissionen an, weil in einer Brennstoffzelle Wasserstoff kontrolliert mit dem Sauerstoff aus der Luft reagiert und so Strom für den Elektromotor liefert. Zwei schwere Batterien speichern zusätzlich die Bremsenergie und überschüssigen Strom aus der Zelle. Allerdings kommt reiner Wasserstoff in der Natur nicht vor. Spezialisierte Betriebe müssen ihn mit hohem Energieaufwand aus Verbindungen wie Wasser lösen.

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Antrieb durch Wasserstoff

Größter Erzeuger reinen Wasserstoffs ist bislang die chemische Industrie, die ihn beispielsweise als Vorprodukt zur Herstellung von Düngemitteln benötigt. Bei der herkömmlichen Gewinnung des Wasserstoffs per Chlor-Alkali-Elektrolyse werden wegen des hohen Stromeinsatzes große Mengen des klimaschädlichen Kohlendioxids freigesetzt.
Die alternative Stromwirtschaft setzt große Hoffnungen in die "Power to Gas"-Technologie, bei der regenerativ gewonnener Solar- oder Windstrom zur Aufspaltung von Wasser in Sauerstoff und speicherbaren Wasserstoff genutzt wird. Ähnlich wie bei Elektroautos könnte die Brennstoffzelle erst bei einer regenerativen Produktion der Primärenergie ihre Umweltvorteile voll ausspielen.
Die Reichweite von Fahrzeugen mit Brennstoffzelle ist bislang deutlich größer als die von batteriegetriebenen Elektro-Mobilen. Die Technologie wird daher insbesondere für den Schienen- und Schwerverkehr als Alternative zum Batteriebetrieb gesehen.

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Sendung: hr-iNFO, 21.05.2019, 12.44 Uhr