Wasserstoffzug Coradia iLint
Der wasserstoffbetriebene Zug Coradia iLint auf der InnoTrans in Berlin Bild © picture-alliance/dpa

Eine neue Generation von Zügen soll künftig nur noch Wasserdampf statt Dieselabgase in die Umwelt pusten. Erstmals fährt am 13. April ein solcher Zug auf hessischen Schienen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

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Er ist blau, er ist leise und er ist emissionsfrei: Der wasserstoffgetriebene Zug "Coradia iLint" des französischen Herstellers Alstom soll in Hessen die bisherigen Dieselfahrzeuge ablösen. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) will ihn ab Ende 2022 auf nicht elektrifizierten Strecken im Taunus einsetzen. Eine Präsentationsfahrt ist für den 13. April geplant.

Wie funktioniert der Antrieb?

Der Wasserstoffzug wird mit Strom angetrieben, der in einer Brennstoffzelle erzeugt wird. In der Zelle reagiert Wasserstoff mit Sauerstoff. Dabei werden Elektronen freigesetzt, die als Energieträger direkt in Form von elektrischem Strom zur Verfügung stehen. Anders als bei einem Verbrennungsmotor muss nicht erst Wärme in Bewegung beziehungsweise Strom umgewandelt werden. Es geht weniger Energie verloren.

Welche Vorteile gibt es gegenüber herkömmlichen Antrieben?

Wasserstoffzüge sind praktisch emissionsfrei. Als "Abfallprodukte" des Antriebs bleiben nach Herstellerangaben nur Wasserdampf und etwas Kondenswasser übrig. Zudem können die Züge Bremsenergie speichern und für den Antrieb nutzen. Sie sind aber auch deutlich leiser als konventionelle Züge. Im Verbrauch seien die Wasserstoffzüge auf Dauer kostengünstiger, meint Alstom.

Sind mit dem Betrieb besondere Gefahren verbunden?

Die Brennstoffzelle muss so konstruiert sein, dass kein explosives Gemisch entstehen kann. Laut Hersteller enthält die Technik mehrere Sicherheitsmechanismen, die auf nationalen und internationalen Vorgaben basieren. Wie Dieselfahrzeuge müssen auch die Wasserstoffzüge Sicherheitschecks durchlaufen, Gutachter und Prüfstellen bewerten die Tests der Hersteller. Die Zulassung für die jeweilige Einsatzsituation erfolgt durch das Eisenbahnbundesamt.

Wo werden die Züge betankt?

Als geeigneten Standort für die Betankung haben RMV, Alstom und Hessen Agentur den Industriepark Höchst ausgemacht. Dort entsteht bei industriellen Prozessen Wasserstoff, der bislang anderweitig genutzt wird. Außerdem könne dort die Infrastruktur aus Gleisen, Pipeline-Anschluss, Speichern, Verdichtern und Zapfsäulen gut errichtet werden, teilte der RMV mit. Auch die Erreichbarkeit spreche für den Industriepark.

Brauchen die Fahrzeugführer eine spezielle Ausbildung?

Die Lokführer erhalten eine Einweisung in die Besonderheiten des Fahrzeugs. Dazu gehören neben der Brennstoffzellentechnologie auch ein modernes Energiemanagement- und Fahrerassistenzsystem. Umstellen muss sich vor allem das Personal in den Werkstätten. Es muss den Umgang mit dem Elektroantrieb und dem Starkstrom sowie mit der Brennstoffzelle und dem Wasserstoff teilweise neu erlernen.

Müssen Fahrgäste etwas Spezielles beachten?

Nein. Für die Passagiere bleibt alles wie bisher. Außer, dass es vielleicht mehr Platz für sie geben wird. Laut RMV soll mit den neuen Zügen die Kapazität um 30 bis 40 Prozent gegenüber den bisherigen Fahrzeugen steigen.

Wie viele Wasserstoffzüge sollen im Rhein-Main-Gebiet fahren?

Geplant sind 25 bis 30 Züge. Europäischem Recht gemäß wird der Auftrag öffentlich ausgeschrieben. Es können sich also grundsätzlich auch andere Hersteller bewerben. Potenzielle Anbieter müssen nicht nur die Fahrzeuge liefern, sondern auch Instandhaltung und Verfügbarkeit für 25 Jahre gewährleisten. Ebenso muss die Versorgung mit Wasserstoff sichergestellt sein.

Wann und wo werden die neuen Züge eingesetzt?

Die ersten Strecken für den Wasserstoffzug
Die vier Strecken für den RMV-Wasserstoffzug Bild © DB Regio AG/Grafik hessenschau.de

Die Wasserstoffzüge sollen ab Ende 2022 auf den Regionalbahnlinien RB11, RB12, RB15 und RB16 fahren, also zwischen Bad Soden und Frankfurt-Höchst, zwischen Königstein und Frankfurter Hauptbahnhof, zwischen Brandoberndorf und Bad Homburg sowie zwischen Friedberg und Friedrichsdorf.

Was kostet das alles und wer bezahlt es?

Die Kosten trägt der RMV. Er rechnet mit bis zu 30 Prozent höheren Kosten für die Anschaffung als bei herkömmlichen Dieselfahrzeugen. Eine Förderung durch den Bund, der dafür ein spezielles Programm aufgelegt hat, ist möglich und laut RMV Voraussetzung für die Bestellung. Genaue Zahlen konnte der RMV nicht nennen.

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Präsentationsfahrt

Am 13. April wird der Coradia iLint auf einer Präsentationsfahrt erstmals in Hessen unterwegs sein. Die Sonderfahrt führt von Wiesbaden zum Industriepark Frankfurt-Höchst. Mit an Bord sind Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), RMV-Geschäftsführer Knut Ringat, Alstom Deutschland-Geschäftsführer Jörg Nikutta sowie der Geschäftsführer von Infraserv Höchst, Joachim Kreysing.

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