"Eintritt ausschließlich genesen oder geimpft" steht auf einem Schild vor eine Bar.

Wenn die Corona-Regeln von Behörden selten bis gar nicht kontrolliert werden, wieso soll man sie dann umsetzen? Das fragen sich offenbar manche Gastwirte und gehen mit den Bestimmungen entsprechend locker um. Der Branchenverband Dehoga fordert deswegen mehr Kontrollen.

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zum Video Schärfere Regeln wegen steigender Coronazahlen?

hsk
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2G oder 3G? Die verschiedenen Corona-Regeln sorgen in der hessischen Gastronomie mancherorts für Verwirrung. Manche Gastwirte halten sich offenbar absichtlich nicht an die Regeln. Angesichts der geringen Zahl an Kontrollen ruft der Branchenverband Dehoga sogar nach mehr Überwachung.

"Wir brauchen viel mehr Stichproben, damit die Regeln auch von allen eingehalten werden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Hessen, Julius Wagner, am Freitag auf Anfrage von hessenschau.de. Nur so könnten "schwarze Schafe identifiziert" und zur Rechenschaft gezogen werden.

82 Prozent der Betriebe unkontrolliert

Hintergrund der Forderung sind Zahlen aus einer am Freitag erschienenen Branchen-Umfrage. Dabei gaben 82 Prozent der Betriebe an, in diesem Jahr noch kein einziges Mal kontrolliert worden zu sein. Lediglich 18 Prozent hätten mindestens einmal Besuch von den Ordnungsbehörden bekommen. Der Branchenverband Dehoga hatte vom 22. bis 27. Oktober über 520 Hoteliers, Gastronomen aller Betriebstypen, Bar- und Clubbetreiber befragt.

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Audioseite Umfrage: Über 80 Prozent der Gastro-Betriebe in diesem Jahr nicht auf Corona-Regeln kontrolliert

Hinweisschild zu Corona-Regeln in einem Gastronomiebetrieb
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Da es zu wenig Kontrollen gebe, lasse offenbar auch vielerorts die Motivation nach, sich strikt an die aktuell geltenden Corona-Regeln zu halten, vermutet der Verband. "Außerhalb der befragten Unternehmen nehmen die Betriebe viele Mitbewerber wahr, die sich nicht an die Regeln halten oder Kontrollen von Negativnachweisen nur lax umsetzen ", sagte Dehoga-Fachbereichsvorstand Robert Mangold in Frankfurt. "Wir hören immer öfter, dass sich die regeltreuen Betriebe im Wettbewerb benachteiligt fühlen."

Wenn in Gastro-Betrieben sehr unterschiedlich mit den Corona-Regeln umgegangen werde, habe das auch Auswirkungen auf die Gäste. "Sie sind irritiert, wenn es in einem Restaurant so und im nächsten dann wieder ganz anders gehandhabt wird", erklärt Wagner.

Kontrolldruck erschwert bei 12.000 Betrieben

Ein Problem auch: Die Zahl der rund 12.000 Gastronomie-Betriebe in Hessen erschwere es, den Kontrolldruck zu erhöhen, weiß auch Dehoga-Hauptgeschäftsführer Wagner. Das aktuelle Ansteigen der Corona-Infektionszahlen stimme die Branche sorgenvoll. Deswegen appelliert der Verband auch verstärkt an die Eigenverantwortung der Betriebe.

Zettel für die Gästeregistrierung liegen im Vordergrund auf einem Tisch in einem Café. Im Hintergrund ist - unscharf - die Bar und der Barmann zu sehen.

Für zusätzlichen Diskussionsstoff sorgten zunehmende Beobachtungen, dass kontrollierende Ordnungsbehörden offenbar nicht korrekt über die aktuell geltenden Corona-Auflagen informiert seien. So sei beispielsweise in der Innen- und Außengastronomie die Kontaktdatenerfassung kontrolliert worden, als diese schon abgeschafft war, so der Verband.

Die Gretchenfrage für viele Gastrobetriebe lautete zuletzt: 2G oder 3G. Seit Mitte September haben sie die Qual der Wahl. Die meisten entscheiden sich für den 3G-Standard und empfangen in den Innenräumen neben Geimpften und Genesenen auch negativ Getestete. Dafür nehmen sie Abstands- und Maskenpflicht weiter in Kauf. Die Zahl der 3G-Betriebe ist aber von 64 auf 50 Prozentpunkte zurückgegangen, wie die aktuelle Umfrage ergab.

2G oder 3G? Viele Betriebe variieren

Eine zunehmende Zahl von Betrieben agiert flexibel und hält sich Optionen offen. 38 Prozent wechseln zwischen 2G und 3G. Das heißt: Sie bleiben im Grundsatz bei 3G, bieten für Veranstaltungen aber 2G an und tendieren mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft ganz oder teilweise zum 2G-Zugangsmodell.

Clubs und Discotheken wenden fast zu 100 Prozent die 2G-Regel an, wie die Umfrage ergab. Denn nur mit diesem Zugangsmodell ist Tanzen ohne Abstand und Maske im Club möglich. "Und darauf käme es schließlich in diesen Betrieben an", erklärt der Dehoga.

Stadt-Land-Gefälle

Der Anteil der Betriebe, die nur Geimpften oder Genesenen Eintritt gewähren (2G), liegt beinahe unverändert bei hessenweit zwölf Prozent. In größeren Städten erscheint dieser Anteil aber höher, weil es ein deutliches Stadt-Land-Gefälle gebe. Viele Betriebe in Städten, vor allem Bars und Kneipen, wählen 2G. Ihnen fehle schlicht der Platz, um mit Abstand wirtschaftlich arbeiten zu können, erklärt der Verband.

"Besonders deutlich wird das in Frankfurt und Wiesbaden sowie in kleineren Lokalitäten", berichtet Wagner. In Ausflugslokalen, die etwa Familien mit ihren teils ungeimpften Kindern besuchen, werde meist 3G bevorzugt. Im ländlichen Raum hätten die Betriebe oft mehr Fläche und könnten es sich leisten, Abstandsregeln umzusetzen.

Einige Betriebe, die konsequent 2G anwenden, sehen sich weiter Anfeindungen oder bewusst schlechten Online-Bewertungen ausgesetzt. "Diese bilden quantitativ zwar die Ausnahme, richteten aber Schaden an, sowohl mental bei den Gastronomen als auch bei der medialen Reputation der Betriebe", berichtet Wagner. Deswegen grübeln Gastwirte weiter, ob sie 2G oder 3G wollen und sehen sich wilden Diskussionen ausgesetzt.

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Ihre Kommentare Ihre Erfahrungen mit den Corona-Kontrollen?

85 Kommentare

  • Wir kontrollieren jeden einzelnen Gast! Und dürfen uns regelmäßig dafür beschimpfen lassen.

  • Eins ist klar. Bei uns gilt zwar die 3 G Regel, aber es wird in vielen Lokalen nicht mal ansatzweise kontrolliert durch das Personal. Die Gaststätte brechend voll. Niemand trägt Maske, geschweige denn von irgendwelchen Abständen. Natürlich fragen sich die Ungeimpften dann, warum sie diesen teuren Test gemacht haben.

  • Die Würde des Menschen ist unantastbar, scheint es nicht mehr zu geben.... Traurig alles

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