Wisag-Beschäftigte protestieren gegen geplante Kündigungen.

Am Frankfurter Flughafen hat der Bodendienstleister Wisag rund 230 Mitarbeiter entlassen - kurz vor Weihnachten. Verzweiflung und Unverständnis der Betroffenen sind groß. Die Gewerkschaft spricht von "eiskalter Taktik".

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Ein Kündigungsschreiben haben er und seine Kollegen zwar noch nicht bekommen, aber die Sorgen sind groß bei Volker Hauf. "Die Kündigung soll kurz vor Weihnachten kommen. Ein schönes Geschenk zum unter den Weihnachtsbaum legen", kommentiert der 57-Jährige sarkastisch. Er arbeitet seit 19 Jahren für den Bodendienstleister Wisag beziehungweise Wisag-Vorgänger Acciona am Frankfurter Flughafen. Hauf ist am Donnerstag zum Terminal 1 gekommen, um gemeinsam mit Kollegen gegen den Jobabbau bei Wisag zu demonstrieren.

"Eine Unverschämtheit"

"Dass ausgerechnet zu Weihnachten so was kommt. Das ist eine Unverschämtheit", sagt Nenad Josimov. Seit Mitte März seien er und seine Kollegen von der Bodenabfertigung in Kurzarbeit. "Wir werden für zwei, drei Stunden hereingerufen und sind statt zu fünft zu zweit am Flieger. Wir geben alles, und dann bekommen wir so was als Geschenk zurück", sagt der 39-Jährige.

Unter dem Motto "Ja zu unseren Jobs!" - demonstrierten am Donnerstag rund 250 Wisag-Mitarbeiter und ihre Familien am Flughafen gegen den vom Unternehmen angekündigten betriebsbedingten Jobabbau von rund 230 von 850 Stellen. Der Protest soll noch bis Samstag (19. Dezember) täglich von 9 bis 12 Uhr fortgeführt werden.

Wisag: Corona-Krise als Grund für Kündigung

Der Bodendienstleister Wisag begründete die Kündigungen mit dem durch die Corona-Krise verbundenen massiven Einbruch des Flugverkehrs. Dadurch sei deutlich weniger Bodenpersonal nötig. Und dies werde sich perspektivisch auch nicht so schnell ändern.

Man habe den Betroffenen einen "umfangreichen Sozialplan" angeboten, um die Folgen der Kündigung abzumildern, erklärte eine Wisag-Sprecherin dem hr. Neben Abfindungszahlungen sollte eine Transfergesellschaft den Mitarbeitern die Möglichkeit eröffnen, in neue Arbeitsverhältnisse zu wechseln.

Doch der Betriebsrat habe "überraschend" den Sozialplan abgelehnt, teilte Wisag mit. Nach den gescheiterten Verhandlungen werden die Kündigungen ausgesprochen. Die betroffenen Mitarbeiter erhalten laut IGL eine Abfindung von jeweils rund 3.500 Euro.

Gewerkschaft: "Eiskalte Taktik"

Die Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL), die die Demo am Flughafen organisierte, wirft Wisag fehlende soziale Verantwortung und eine "eiskalte Taktik" vor. In einem Schreiben an das Unternehmen und an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vor einer Woche hatte die Gewerkschaft von verzweifelten Mitarbeitern berichtet, die sogar darüber nachdenken würden, in einen Hungerstreik zu treten.

Die Arbeitsverträge müssten laut ILG nicht gekündigt werden, weil die Kurzarbeiter-Regelung noch bis Ende 2021 gelte. Zudem würde sich der Flugverkehr nach der Corona-Krise wieder erholen, und dann seien wieder mehr Mitarbeiter nötig.

Wisag nennt Stellenabbau "unvermeidbar"

Das sieht Wisag nach eigenen Angaben aber anders: Da sich der Luftverkehr nach der Corona-Krise deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau einpendeln werde, sei ein Abbau der Stellen, die man perspektivisch nicht mehr halten könne, "leider unvermeidbar".

Bereits im Oktober hatte Wisag 31 Vorfeld-Busfahrer ausgegliedert. Die Beschäftigten hatten nach Wisag-Angaben die Möglichkeit, zu unveränderten Bedingungen für den neuen Dienstleister weiterzuarbeiten. Viele der Betroffenen lehnten den Betriebsübergang jedoch ab - auch ihnen steht die baldige Kündigung damit ins Haus.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 17.12.2020, 19.30 Uhr