Kaliabbau in einem Bergwerk von K+S

Der Kali-Konzern K+S kann seine Salzentsorgung in die Werra auch im kommenden Jahr fortsetzen. Die einjährige Genehmigung kam gerade noch rechtzeitig. Umweltschützer sprechen von einer Galgenfrist.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kali-Konzern K+S darf weiter Salzabwasser in die Werra leiten

Stapelbecken für Salzabwasser im K+S-Verbundwerk Werra
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Gerade noch rechtzeitig vor dem Auslaufen der alten Genehmigung hat der Kasseler Kali-Konzern K+S eine neue Erlaubnis für die Entsorgung von Salzabwässern in die Werra erhalten. Das Regierungspräsidium Nordhessen habe dem Unternehmen für das Jahr 2021 die entsprechende Erlaubnis erteilt, teilte die Behörde am Mittwoch in Kassel mit. Sie gilt demnach für die hessisch-thüringischen Werke Werra und Neuhof-Ellers (Fulda).

Grenzwerte für Chlorid, Magnesium und Kalium gesenkt

Die neue Regelung enthalte allerdings leicht verschärfte Umweltvorschriften. So darf K+S künftig weniger Salz in der Werra entsorgen, die in die Weser mündet. Der Grenzwert für Chlorid wurde von 2.500 auf 2.400 Milligramm pro Liter Wasser gesenkt. Die Werte für Magnesium und Kalium seien ebenfalls etwas reduziert worden, erklärte die Behörde. Von einem "wohl abgewogenen Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie" sprach Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber (CDU).

Für K+S hat die Genehmigung erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Die Produktion im Kalirevier hängt an der Entsorgung von Abwasser. Dafür ist die Werra ein wichtiger Weg. Die Erlaubnis sei eine gute Nachricht für die Mitarbeiter, sagte K+S-Chef Burkhard Lohr. Sie zeige, "dass unsere umfangreichen Investitionen und Maßnahmen zur weiteren Entlastung der Umwelt anerkannt werden". Man wolle auch künftig Verbesserungen auf den Weg bringen.

"Galgenfrist" für die Umwelt

Umweltschützer kritisieren die Einleitung wegen gravierender Folgen für Ökosysteme und Grundwasser. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Hessen bezeichnete die einjährige Genehmigung als "Galgenfrist". "Wir hätten uns schon jetzt strengere Vorgaben gewünscht", sagte Thomas Norgall, stellvertretender BUND-Landesgeschäftsführer.

Doch nun habe K+S noch ein Jahr Zeit, um seine Entsorgung an die Vorgaben des amtlichen Bewirtschaftungsplans anzupassen. Norgall kündigte eine gründliche fachliche und rechtliche Prüfung der Genehmigung an.

Verhandlungen für 2022 dauern an

K+S hatte im Frühjahr erklärt, die mit der Politik vereinbarten niedrigeren Werte für die nächsten Jahre nicht einhalten zu können und darauf verwiesen, dass 5.300 Arbeitsplätze direkt an der Produktion im Werra-Gebiet hingen. Die Landesregierungen in Niedersachsen, Thüringen und Hessen hatten darauf ablehnend reagiert.

Die Verhandlungen über das Thema werden im kommenden Jahr weitergehen. Denn dann soll eine Entscheidung über die Einleiterlaubnis 2022 bis 2027 fallen. Die Weser-Anrainerländer wollen zuvor einen neuen Bewirtschaftungsplan für den Fluss beschließen. Dieser wird sich ebenfalls mit der Frage von Grenzwerten befassen.+

Sendung: hr-iNFO, 23.12.2020, 15 Uhr