Insbesondere im Berufsverkehr sorgt die Baustelle für lange Staus und überlastete Ausweichstrecken.
Insbesondere im Berufsverkehr sorgt die Baustelle für lange Staus und überlastete Ausweichstrecken. Bild © Wiesbaden 112

Der geplante Neubau der maroden Salzbachtalbrücke der A66 bei Wiesbaden läuft nicht wie geplant. Bei Bauarbeiten wurden Bohrlöcher falsch gesetzt. Deshalb ist pro Richtung nur noch ein Fahrstreifen befahrbar. Die Folge: Stau oder kilometerweite Umleitung.

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Das war alles ganz anders geplant. Im Frühjahr 2019 sollen die Arbeiten zum Neubau der Salzbachtalbrücke beginnen. Der Auftrag ist erteilt, Vorbereitungen für die Zeit der Bauarbeiten laufen schon seit Monaten.

Um während der Bauphase den kompletten Verkehr über eine Brückenhälfte zu führen, musste diese mit einer Stahlkonstruktion als zusätzliche Unterstützung im Bereich der Pfeiler verstärkt werden. Geplant war eine Wechselverkehrsführung mit insgesamt drei Fahrstreifen. Je einer für jede Richtung, die dritte Fahrspur wäre flexibel je nach Bedarf als Wechselfahrspur freigegeben worden.

Eine Arbeitsplattform hängt an einem Pfeiler der Salzbachtalbrücke.
Eine Arbeitsplattform hängt an einem Pfeiler der Salzbachtalbrücke. Beim Anbringen einer Transportschiene war ein Bohrfehler unterlaufen. Bild © picture-alliance/dpa

Bohrungen beschädigen Brückenkonstruktion

Aus diesem Plan wird nun nichts. Eine Überprüfung der Verstärkungsarbeiten hat ergeben, dass dabei ein Fehler gemacht wurde, wie die Verkehrsbehörde Hessen Mobil mitteilte. Um die Verstärkungen anzubringen, mussten in den Beton Löcher mit einem Durchmesser von 18 Millimetern gebohrt werden. Bei dieser Standardarbeit seien mehrere Spannglieder aus Stahl an- oder durchbohrt worden. Nach einer ersten Schätzung sollen maximal 30 Prozent der Spannglieder betroffen sein.

Üblicherweise werde vor der Bohrung an solch sensiblen Stellen der Stahl mittels Radar im Beton lokalisiert und anschließend dokumentiert, damit die Spannglieder von den bis zu 30 Zentimeter tiefen Bohrlöchern nicht beschädigt wurden. Als die Baufirma diesen Nachweis nicht erbrachte, habe Hessen Mobil ein Loch genauer kontrolliert und den Schaden entdeckt. Die Aufsicht über die ursprünglichen Bauarbeiten sei an ein externes Büro übertragen gewesen, sagte der Abteilungsleiter Bau der Straßenbehörde Hessen Mobil, Heiko Durth, am Dienstag.

Staus und weiträumige Umleitungsempfehlung

Nach Angaben von Hessen Mobil wurden zwar keine gravierenden Schäden der Brücke festgestellt, die Tragfähigkeit der Brücke sei durch den Schaden jedoch beeinträchtigt. Als Vorsichtsmaßnahme wird einer der drei Fahrstreifen weggenommen. Das heißt, die geplante Wechselverkehrsführung fällt weg. Bis auf Weiteres kann die Brücke nur mit einem Fahrstreifen je Richtung befahren werden.

"Es ist mit erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen zu rechnen", teilte Hessen Mobil mit. Das genaue Schadensbild wird nun von einem Sachverständigen untersucht. Es wird überprüft, ob die Brückenhälfte doch noch verstärkt werden kann. Erst wenn diese Untersuchungen beendet sind, kann über die Verkehrsführung während des Brückenneubaus entschieden werden.

Zu Spitzenzeiten fahren 3.600 Fahrzeuge pro Stunde über die Brücke. Der Schwerverkehr soll dauerhaft weiträumig umgeleitet werden. Wenn der Streckenabschnitt überlastet ist, gilt die Umleitungsempfehlung für alle Verkehrsteilnehmer.

Umleitungsempfehlung in Fahrtrichtung Rüdesheim
Umleitungsempfehlung in Fahrtrichtung Rüdesheim Bild © Hessen Mobil

Wie lange der Engpass dauern wird, ist noch offen. Die marode Brücke soll in den kommenden Jahren komplett abgerissen und neu gebaut werden. Deshalb war der Verkehr in den vergangenen Monaten bereits dreispurig im Wechselspurbetrieb geführt worden.