Luftaufnahme der Salzbachtalbrücke. Bis auf einen Lkw, der Brückenschäden kontrolliert, ist weit und breit kein Fahrzeug zu sehen.

Der kaputte Pfeiler ist gesichert, aber es tun sich weitere Baustellen an der maroden Salzbachtalbrücke bei Wiesbaden auf: Jetzt sollen Experten darunter nach Fliegerbomben suchen. Der Termin für die Sprengung rückt damit schon wieder in die Ferne.

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hs
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Die Nerven von Pendlerinnen und Pendlern rund um Wiesbaden sind strapaziert: Seit Monaten sorgt die marode und gesperrte Salzbachtalbrücke für Probleme. Jetzt ist klar: Es braucht noch mehr Geduld. Wie die Autobahn GmbH des Bundes am Mittwoch mitteilte, kann die Brücke doch nicht Anfang Oktober gesprengt werden, wie zuletzt angepeilt, sondern voraussichtlich erst Anfang November. Frühestens.

Bombensuche und Gleisabbau

"Voraussetzung für einen Sprengtermin gegen Ende Oktober/Anfang November sind optimale Abläufe in der Vorbereitung", teilte die Autobahn GmbH mit. Heißt im Klartext: Läuft die Vorbereitung nicht glatt, könnte es auch noch später werden. "Wir haben uns die Sprengung auch einfacher vorgestellt", musste Ulrich Neuroth, Direktor der Niederlassung West der Autobahn GmbH, zugeben.

Grund für die neue Verzögerung sind mögliche Überreste von Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Kampfmittelräumdienst müsse nun die Bahngleise unter der Brücke absuchen - und je tiefer dafür gegraben werden müsse, desto länger dauere es. Außerdem sollen Oberleitungen und Gleisanlagen unter der Brücke abgebaut werden. Auch das steht der Sprengung noch im Weg.

Keine Einsturzgefahr mehr

Unter der Brücke soll Erde aufgeschüttet werden, auf die die Trümmer bei der Sprengung fallen können. Das soll größere Erschütterungen beim Aufprall verhindern. Andere Vorbereitungen sind dagegen schon abgeschlossen: Der kaputte Pfeiler, zum Beispiel, ist mit Spritzbeton stabilisiert, der südliche Brückenteil gesichert. Auch die Überprüfung der Nordbrücke sei fast abgeschlossen, teilte die Autobahn GmbH mit. Einsturzgefahr bestehe deshalb inzwischen nicht mehr.

Läuft alles optimal, werde die Salzbachtalbrücke bei der Sprengung senkrecht nach unten fallen. "Anschließend ist geplant, dass die Nordbrücke vom Klärwerk weggekippt auf die gesprengte Südbrücke fällt", so der Plan.

Dafür sei ein Sicherheitsabstand zu den einzelnen Sprengstellen an der Salzbachtalbrücke von 250 Metern vorgesehen, hatte die Autobahn GmbH bereits im Juli mitgeteilt. In diesem Umkreis müssten die Menschen ihre Häuser verlassen.

Geduldsprobe für Pendler

Bereits im Juli hatte die Autobahm GmbH den Zeitplan um einen Monat nach hinten verschoben, jetzt um einen weiteren - mindestens.

Die erneute Verzögerung an der Salzbachtalbrücke ist ein Tiefschlag für Pendlerinnen, die dort mit dem Auto oder der Bahn durch müssen: Seit das Bauwerk im Juni plötzlich absackte, sind auch die darunterliegenden Fahrbahnen und Bahngleise gesperrt. Erst wenn die Brücke gesprengt ist, können sie wieder freigegeben werden.

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Foto der gesperrten Salzbachtalbrücke am Montagmorgen. Blick in den Straßenverlauf, es sind viele Gitter und Kräne zu sehen.
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Ob das noch vor Weihnachten klappen könnte, wie zwischenzeitlich angekündigt, bezweifelt Neuroth von der Autobahn GmbH: "Dann müssen die Dinge wirklich gut laufen."

Kritik im Landtag

Aus der Opposition im Landtag kamen am Nachmittag skeptische Töne. "Ich denke mal, dass es nicht die letzte Verzögerung sein wird", sagte FDP-Fraktionssprecher Stefan Naas. Er glaube auch nicht, dass die neue Brücke bis Anfang 2023 fertig werde. "Die Pannen an der Salzbachtalbrücke reißen nicht ab."

Die SPD-Fraktion kritisierte vor allem die Kommunikationsstrategie des Verkehrsministeriums: "Dass man immer wieder mit neuen Zahlen, neuen Hoffnungen nach außen geht und nachher kommt ein ganz anderer Zeitplan raus", bemängelte der verkehrspolitische Sprecher, Tobias Eckert. "Wir hoffen, dass der Zeitplan nun endlich so steht und dass es keine weiteren Hiobsbotschaften gibt."

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