Die Autobahnbrücke ist leer.

Die abgesackte Salzbachtalbrücke in Wiesbaden ist nicht mehr zu retten. Pendler müssen sich noch über ein Jahr auf ein Verkehrschaos einstellen. Immerhin für den Bahnverkehr soll es schneller weitergehen.

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Pendlerinnen und Pendler in Wiesbaden brauchen starke Nerven: Das Verkehrschaos in der Landeshauptstadt wird nach der Sperrung der Salzbachtalbrücke wohl noch länger als ein Jahr andauern. Das gaben Vertreter der Stadt und der Autobahn GmbH am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz bekannt.

Man bereite sich auf eine Sprengung von Nord- und Südbrücke vor, sagte der Direktor der Autobahn GmbH Niederlassung West, Ulrich Neuroth. "Die besondere Sicherheitslage hat uns wenig Wahlmöglichkeiten gelassen." Die südliche Brücke sei akut einsturzgefährdet, ein langsamer Rückbau deshalb nicht möglich.

Keine Schäden an Nordbrücke entdeckt

Vor einer Woche war zufällig entdeckt worden, dass ein Teil der südlichen Brücke um 30 Zentimeter abgesackt war und sich ein Pfeiler verschoben hatte. Die Südbrücke sollte im Herbst sowieso abgerissen werden und ist schon länger für den Verkehr gesperrt. Der gesamte Verkehr der A66 lief über die Nordbrücke. Unter der Brücke verlaufen Schienen und eine Bundesstraße.

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Am nördlichen Überbau seien aus der Ferne zwar keine sichtbaren Schäden entdeckt worden, teilte die Autobahn GmbH weiter mit. Doch es könne nicht ausgeschlossen werden, dass eine Gefahr für den Verkehr bestehe.

In einem ersten Schritt soll die Südbrücke "notstabilisiert" werden, damit sich die Experten auch aus der Nähe einen Überblick über das Ausmaß des Schadens verschaffen können, sagte ein Sprecher der Autobahn GmbH. Erst dann könnten Angaben zur Ursache gemacht werden.

Sprengung in zwei Monaten

Der Zeitplan ist stramm: Die Autobahn GmbH veranschlagt bis zur Sprengung der beiden Brückenteile zwei Monate, im Herbst könnte dann der Neubau der Südbrücke beginnen. Läuft alles nach Plan, könnten ein Jahr später bereits vier Autobahnspuren für den Verkehr freigegeben werden.

Für die Wiesbadener bedeutet das allerdings: Mindestens 14 Monate wird das Chaos in der Innenstadt andauern. Schon jetzt, trotz Corona, Homeoffice und herannahender Ferienzeit, seien der Stadtteil Biebrich und der Erste Ring überlastet, sagte Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne). Er hoffe allerdings darauf, dass die Bahnstrecke zum Wiesbadener Hauptbahnhof nach der Sprengung, also in zwei Monaten, wieder befahrbar sein wird.

Für Autos und Schienenersatzverkehr soll eine Art Bypass Abhilfe schaffen: Dafür werde beispielsweise auf der B263 eine neue Fahrspur eingerichtet. Ein Lkw-Verbot am Schiersteiner Kreuz auf der A66 soll außerdem verhindern, dass der Schwerverkehr dauerhaft durch die Wiesbadener Innenstadt rollt.

Neubau bis Ende 2022?

Die Salzbachtalbrücke wurde 1963 als sogenannte Südumgehung Wiesbaden eröffnet. Die Teilbrücken Nord und Süd waren für eine Belastung von rund 20.000 Fahrzeugen ausgelegt und mussten seit 1985 immer wieder verstärkt werden, weil der tägliche Verkehr die ursprünglich geplante Belastung deutlich überstieg. Bis zur Sperrung der Brücke fuhren zuletzt rund 80.000 Pkw jeden Tag über die Brücke.

Ursprünglich sollte die marode Südbrücke bis 2022 neugebaut sein. Dabei kam es immer wieder zu Verzögerungen. Immerhin dieses Ziel ist durch die geplante Brückensprengung wieder realistischer geworden.

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