Es verformt sich und geht schnell kaputt: Produktfälscher haben das Besteck-Set von Koziol in Erbach abgekupfert. Dafür erhalten sie den Negativpreis "Plagiarius". Auch weitere dreiste Nachahmer wurden ausgezeichnet - und dabei Gefahren für Käufer festgestellt.

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Negativpreis für Koziol-Fälschung

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Wer die designprämierten Kunststoff-Besteck-Sets mit dem Namen KLIKK liebt, aber die rund zehn Euro für das Produkt der Firma Koziol aus Erbach (Odenwald) nicht hinblättern will, kann sich im Internet behelfen - sollte das nach Einschätzung des privaten Vereins Aktion Plagiarius aber lieber nicht tun. Die Fälschungen, die neben dem Netz auch über ein australisches Verlagshaus verkauft wurden, sind am Montag mit dem Schmähpreis für besonders dreiste Nachahmungen, dem gleichnamigen "Plagiarius", ausgezeichnet worden.

Das Urteil zu dem abgekupferten Besteck-Set: orginalgetreu nachempfunden, aber aus minderwertigem Kunststoff in China produziert. Dieser, so die Jury, verformte sich schnell und war nach kürzester Zeit unbrauchbar. Darüber könne auch der niedrige Preis - zirka ein Drittel des Originalpreises - nicht hinwegtrösten.

Der Verein nimmt in diesem Jahr den "Welttag des Geistigen Eigentums" zum Anlass für die 46. Ausgabe seiner Aktion. Insgesamt wurden von der Jury acht nach ihrer Ansicht besonders dreiste Plagiatsfälle ausgewählt, bei denen die geschützten Originale den Nachahmer-Produkten gegenübergestellt werden.

Lukratives Milliardengeschäft mit Fälschungen

Bei der Produkt- und Markenpiraterie handele es sich um ein lukratives Milliardengeschäft, das durch die Corona-Pandemie zusätzlich befeuert worden sei, erklärten die Organisatoren. Die gefälschten Produkte würden Europol zufolge zunehmend über eCommerce-Plattformen, soziale Medien und Instant-Messaging-Dienste beworben und vertrieben.

Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) betonte in ihrer Ansprache die herausragende Bedeutung des geistigen Eigentums, um Arbeitsplätze, Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Sie forderte Unternehmen und Designer auf, gewerbliche Schutzrechte für ihre Originalprodukte anzumelden. Das sei eine Voraussetzung, um die Fälscher verfolgen zu können.

Gefahr durch nachgebautes Druckmessgerät

Unter den von einer Jury ausgewählten Beispielen des Jahres 2022 war die Kunststoff-Designfirma Koziol gleich zwei Mal als Opfer von Fälschern vertreten.

Erhebliches Gefahrenpotenzial birgt ein in Bangladesch nachgebautes Druckmessgerät. Im Gegensatz zum Original der Firma Wika aus Klingenberg (Bayern) ist in dem Plagiat eine zu kleine Messfeder eingebaut, außerdem fehlen Feinjustierungsmöglichkeiten. Die angegebene Genauigkeit kann so nicht erreicht werden und das Gerät für die Nutzer gefährlich werden. Auch Autoteile der Marken Schaeffler und Volkswagen wurden kopiert, ebenso Künstlerhemden des Chemnitzer Herstellers Germens.

Druckmessgerät

Negativpreis macht auf wirtschaftliche Schäden aufmerksam

Eine Skulptur eines Zwerges in schwarz mit einer goldenen Nase. Die Skulptur steht auf einem Podest, auf welchem "Plagiarius" geschrieben steht.

Die Auszeichnung mit dem "Plagiarius" sagt laut Jury nichts darüber aus, ob das nachgemachte Produkt im juristischen Sinne erlaubt oder rechtswidrig ist. Die Verbraucher sollen damit auf Risiken und wirtschaftliche Schäden aufmerksam gemacht werden, die von abgekupferten Produkten ausgingen. Die EU schätzt, dass rund sechs Prozent aller Waren, die nach Europa eingeführt werden, gefälscht sind. Dabei geht es um wirtschaftliche Schäden im dreistelligen Milliardenbereich.

In aller Regel nehmen die angeprangerten Fälscher den Schmähpreis nicht entgegen. Es handelt sich um die Statue eines Zwerges, der sich eine goldene Nase verdient hat. Er wurde bis Februar 2020 auf der Messe "Ambiente" vergeben, bei der Zoll und private Ermittler regelmäßig Plagiate sichergestellt haben.

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