Ein Schuh-Produzent, der auf alte Reifen als Material zurückgreift: Hendrik Kaltwasser aus Idstein will mit dieser ausgefallenen Idee Geld verdienen und dabei ein Bewusstsein für die Umwelt schaffen. Das hat seinen Preis.

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Gründer mit Autoreifen-Schuh
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"Die Landschaft erobert man mit den Schuhsohlen, nicht mit den Autoreifen", schrieb einst George Duhamel, ein französischer Humanist. Hendrik Kaltwasser aus Idstein hat ein Startup gegründet - und bringt Schuhsohlen und Autoreifen zusammen. Seit Sommer verkauft der 23-Jährige Schuhe mit einer Sohle aus alten Reifen. Doch das allein reicht ihm nicht: "Ich will mehr verkaufen als nur Schuhe", betont Kaltwasser. Wichtig sind ihm ein bewusster Umgang mit der Umwelt und natürlichen Ressourcen.

"Das ständige Wachstum der Weltbevölkerung in Verbindung mit einem unersättlichen Ressourcenverbrauch bringt die Balance der Erde aus dem Gleichgewicht", sagt Kaltwasser. Klimawandel, Plastik und Müll sowie fehlende Nachhaltigkeit seien die größten Probleme unserer Zeit.

Produktion in Portugal

Recycling gepaart mit Qualität und Haltbarkeit – hier setzt Kaltwassers Konzept an. Seine Schuhe sehen auf den ersten Blick recht gewöhnlich aus. Doch das Besondere steckt im Detail: Die Sohle besteht aus gebrauchten oder schadhaften Autoreifen. Diese Idee schaute sich Kaltwasser von einer Schuhfabrik in Afrika ab, auf die er während eines Urlaubes aufmerksam geworden war. Auch die spanische Schuhmarke "Camper" stellte schon in den Siebzigerjahren Schuhe mit Autoreifensohlen her.

Kaltwassers Leder kommt aus Süddeutschland und wird in Regensburg gegerbt. Genäht werden die Schuhe in einem Familienbetrieb in Portugal. Er habe sich vor Ort ein Bild gemacht, um die Produktionsbedingungen unter die Lupe zu nehmen, berichtet er. Kaltwasser ist es wichtig, dass seine Kunden ein Bewusstsein für die Herkunft ihrer Produkte haben. Beim Design der Schuhe half ihm eine befreundete Modedesignerin.

Finanzierung, Produktion, Vertrieb

Der Gründer hat sich viel vorgenommen. In der Startphase warteten dann jedoch einige Hürden auf ihn. "Ich hätte an zwei, drei Punkten fast hingeschmissen." Die Finanzierung, die Suche nach dem optimalen Produktionsstandort und der Vertrieb seien die größten Herausforderungen gewesen. Man brauche als Gründer einen "langen Atem" und müsse bereit sein, viel zu arbeiten und Fehler zu machen, berichtet Kaltwasser, der sich als "Mode-Freak" mit 30 bis 40 Paar Schuhen bezeichnet.

Stolze Preise, stolze Ziele

Kaltwasser vertreibt ein Herrenmodell und zwei Damenmodelle seit Jahresstart in seinem eigenen Webshop. Gleichzeitig ist der Gründer aus Idstein im Gespräch mit zwei Läden, die seine Schuhe bald auch im herkömmlichen Handel anbieten könnten. Doch aller Anfang ist schwer: Im Premieren-Monat hat "Hennis Shoes" acht der 500 Exemplare aus der Erstproduktion verkauft. Den stolzen Preis von 380 Euro erklärt der Gründer so: Seine wertigen Schuhe müssten zunächst teuer sein. "Durch die längere Haltbarkeit und Nutzungsdauer sind sie im Endeffekt aber wesentlich sinnvoller und günstiger." Wie lange wirklich, soll ein Labortest ergeben, dessen Ergebnis aussteht.

Kaltwasser hat sich hohe Ziele gesteckt: "Hennis Shoes" soll eine bekannte Marke werden, er will in seinem Unternehmen feste Mitarbeiter einstellen, ein eigenes Büro haben. Sein Startup soll wachsen, ohne dabei die Umwelt oder Menschen auszubeuten.