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zum Video Condor verlässt Schutzschirm

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Der Ferienflieger Condor kann demnächst in eine eigenständige Zukunft starten. Die Gläubiger stimmten den Plänen für die Restrukturierung zu. Finanziell hängt Condor allerdings noch am Tropf der Staatsbank KfW.

Die Fluggesellschaft Condor kann das Insolvenzverfahren, das durch die Pleite des Mutterkonzerns Thomas Cook verursacht wurde, bald abschließen. Die Gläubiger der Fluggesellschaft haben dem Restrukturierungsplan zugestimmt. Das berichteten das Unternehmen und das Amtsgericht Frankfurt am Donnerstag.

Die Airline kann damit ihr Schutzschirmverfahren verlassen, die mildeste Form der Insolvenz nach deutschem Recht. Bei der Verhandlung in Frankfurt stimmten sämtliche Gläubigergruppen mehrheitlich dem Konzept zu und verzichteten anschließend darauf, Rechtsmittel einzulegen.

Plan umgehend bestätigt

Wegen der andauernden Corona-Krise wurde allerdings die Suche nach einem neuen Investor aufgeschoben. Seine Position nimmt als Treuhänder bis auf weiteres die SG Luftfahrtgesellschaft ein. Das bisherige Management unter Führung von Ralf Teckentrup bleibt im Amt und soll bei besserer Marktlage einen neuen Investorenprozess starten.

550-Mio-Kredit ermöglicht Neustart

"Der Weg ist jetzt frei, dass der 1. Dezember für Condor ein Neustart als gesundes Unternehmen sein wird", erklärte Teckentrup laut einer Mitteilung. Kunden und Partner könnten sich auch in Zukunft auf den Ferienflieger verlassen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Condor darf wieder Entscheidungen treffen

Ein Condor-Flieger startet am Frankfurter Flughafen.
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Ermöglicht wird der Neustart durch einen langfristigen Kredit der staatlichen KfW-Bank über 550 Millionen Euro. Sachwalter Lucas Flöther scheidet nach getaner Arbeit wieder aus dem Unternehmen aus. Unter seiner Aufsicht wurde die Belegschaft verkleinert, Verträge mit Lieferanten verbessert und die Firmenzentrale zu deutlich niedrigeren Mietkosten vom Frankfurter Flughafen ins nahe Neu-Isenburg verlegt. Die Gewerkschaften stimmten zudem Sanierungstarifverträgen zu.

51 Flugzeuge und 4.200 Mitarbeiter

Zum Neustart hat Condor nach eigenen Angaben rund 4.200 Mitarbeiter und 51 Flugzeuge. Wegen der Pandemie ist der Flugverkehr allerdings stark eingeschränkt und der Großteil des Personals befindet sich in Kurzarbeit

Für den Winter hat Teckentrup ein Volumen von 10 bis 15 Prozent des sonst üblichen Niveaus angekündigt. Am 31. Oktober startet wieder ein erster Langstreckenflug nach Kuba.

Die jetzt abgeschlossene Restrukturierung ist bereits der zweite Schutzschirmplan für die einstige Thomas-Cook-Airline. Die Airline war vor rund einem Jahr in den Strudel der Pleite von Thomas Cook geraten, galt aber als eigenständig überlebensfähig.

LOT-Übernahme war geplatzt

Im Frühjahr war der noch vor Corona verabredete Einstieg der polnischen Luftfahrt-Holding PGL geplatzt, weil deren Hauptgesellschaft Lot durch die Pandemie selbst in Bedrängnis geraten war. Es folgte eine Umschuldung bei der Condor und ein neuer Schutzschirmplan.

Mit dem Ende der Prozedur ist Condor - bis auf den KfW-Kredit - entschuldet. Die Gläubiger, die Milliardenforderungen angemeldet hatten, müssen sich mit 13 Millionen Euro begnügen, wie es in Verfahrenskreisen hieß.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 22.10.2020, 14.20 Uhr