Die Fotomontage zeigt grafisch eine mögliche Seilbahn, wie sie zwischen Offenbahn und Frankfurt über den Main (Foto) schwebt.

Autobahn-Staus, überfüllte und unpünktliche S-Bahnen: Pendler im Rhein-Main-Gebiet können ein trauriges Lied davon singen. Entlastung könnten Seilbahnen bringen - das Verkehrsmittel bietet einige Vorteile.

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hs
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Skifahren in den Alpen, mit der Gondel zur nächsten Abfahrt schweben - das ist Normalität. Mit der Seilbahn in der Stadt zur Arbeit pendeln - bei dieser Idee bekommen Verkehrsplaner häufig nur ein überraschtes Lächeln geschenkt. Doch die Verkehrsinfrastruktur in und um Frankfurt ist ausgelastet, und der Chef des Rhein-Main-Verkehrsverbunds Knut Ringat denkt laut über dieses Verkehrsmittel in der Stadt nach.

Relativ geringer Platzbedarf

"Man braucht für Seilbahnen nicht unbedingt viel Platz, Sie brauchen die Ständer. Man braucht nicht viel Zeit für den Bau. Wenn man nach Koblenz schaut, Bundesgartenschau, da hat man gerade mal von der ersten Idee bis zur Umsetzung vier Jahre gebraucht. Dann hat man ein Jahr Testbetrieb gemacht und ist nach dem fünften Jahr schon gefahren", sagt Ringat.

Beim RMV will keiner mehr zehn Jahre oder noch länger warten, bis die großen Schienenprojekte umgesetzt sind. Denn jetzt drückt der Schuh. Seilbahnen könnten an Bergen, über Flüsse oder über Bahnschienen fahren. Moderne Gondeln ähneln von innen Straßenbahnwagen. Sie bieten Platz für 35 Personen, fahren etwa 30 km/h schnell und können pro Stunde bis zu 5.000 Fahrgäste transportieren, inklusive Rollstühlen und Fahrrädern.

Fünf Kilometer sind überbrückbar

Die Karte zeigt Frankfurt und die möglichen Standorte für eine Seilbahn.

Studenten der Hochschule Darmstadt setzen sich zurzeit mit dem für Städte scheinbar exotischen Verkehrsmittel auseinander, sagt Professor Jürgen Follmann. "Man muss erst mal die Entfernung sehen. Das sind letztendlich circa fünf Kilometer, die man mit einer Seilbahn überwinden kann. Was ganz zentral ist, dass Punkte verbunden werden, wo viele Menschen einstiegen und auch viele Menschen aussteigen."

Die Voraussetzungen sind also: an einem Ende muss es einen großen Parkplatz geben, am anderen eine Bahnstation. Und es gibt bereits zahlreiche Ideen, wo Seilbahnen in Hessen gebaut werden könnten: Vom Frankfurter Waldstadion zur Stresemannallee. Oder am Main entlang bis zur geplanten Multifunktionshalle an der Offenbacher Stadtgrenze. Auch in der Neu-Isenburger Innenstadt oder in Limburg sind Projekte denkbar, in Limburg könnten die Gleise zwischen Bahnhof und Innenstadt überwunden werden.

Etwas konkreter sind die Pläne bereits im Hochtaunuskreis, sagt Thomas Horn vom Regionalverband Frankfurt Rhein Main: "Wir überlegen gerade am 'Taunusblick' an der A5 ein Parkhaus zu bauen, dort Parkplätze zu schaffen und dann mit der Seilbahn zur U4 an die Heerstraße zu fahren und dann ins Stadtgebiet weiter zu seinem Arbeitsplatz zu kommen."

Kosten und Nutzen abwägen

So würden auch weniger Autos in der Frankfurter Innenstadt unterwegs sein. Allerdings hat die Planung von Seilbahnen auch ihre Tücken. Es können nur gerade Strecken gebaut werden, sagt der Darmstädter Professor Follmann, und klar sei, "dass wir nicht so viele Halte machen können wie bei der Straßen- oder S-Bahn. Also diese Bahnhöfe sind auch das Teure am Ende, wo man verknüpft. Und natürlich, dass wir auch mal über besiedelte Gebiete fahren müssen.  Und da müssen wir schauen, dass wir auch die Privatsphäre derjenigen, die dort wohnen, dann dort schützen."

Der RMV will noch in diesem Jahr erste Machbarkeitsstudien in Auftrag geben. Zwar wissen die Planer, dass Seilbahnen günstiger als S-Bahnen gebaut werden können. Doch wie teuer es tatsächlich wird und wie groß der Nutzen ist, weiß niemand. Den Beteiligten ist nur klar, dass in fünf Jahren die erste Seilbahn im Rhein-Main-Gebiet schweben könnte. Vorher muss noch die Politik überzeugt werden, damit auch ausreichend Fördermittel fließen.

Sendung: hr-iNFO, 30.1.2019, 9.55 Uhr