Senioren an Haltestelle

Für einen Euro pro Tag durch ganz Hessen fahren: Seit gut einem Jahr ist das für Schüler möglich. Die Landesregierung strebt nun auch für Senioren ein "Hessenticket" an – und stößt damit beim RMV auf Zustimmung.

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hsk
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Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) setzt auf die Einführung eines Seniorentickets in Hessen. Das Land werde in der Aufsichtsratssitzung des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) einen entsprechenden Prüfauftrag anstoßen, kündigte der Minister vor dem Treffen am Dienstag in Bad Homburg an. "Was wir mit dem Schülerticket angefangen haben, wollen wir mit dem Seniorenticket fortsetzen", so Al-Wazir.

Und der Vorschlag aus Wiesbaden stieß beim RMV auf offene Ohren: Als eine der ersten Maßnahmen einer "umfassenden Mobilitätsstrategie" werde das Seniorenticket geprüft, sagte der RMV-Aufsichtsratsvorsitzende und Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nach der Sitzung des Kontrollgremiums. Einer Einführung steht damit kaum etwas im Wege.

Stoßzeiten nicht noch mehr belasten

Das als Vorbild fungierende Jahresticket für Schüler und Auszubildende gibt es seit Beginn des Schuljahrs 2017/18. Es gilt in ganz Hessen und kostet 365 Euro. Mit dem Ticket können Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen sowie Regionalzüge im ganzen Land genutzt werden.

Nach Angaben von Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) könnte das Seniorenticket ab 65 Jahren im Laufe des nächsten Jahres an den Start gehen. Spätestens zum Jahresbeginn 2020 wäre das Angebot möglich. Anders als beim Schülerticket soll die Jahreskarte für Senioren aber erst ab 9 Uhr morgens zur Fahrt berechtigen, um die morgendlichen Stoßzeiten nicht noch mehr zu belasten.

Über 400.000 Schülertickets

Die Ausgleichszahlungen durch das Land schätzte der Minister als gering ein. Beim Schülerticket stellt das Land den beteiligten Verkehrsverbünden einen Ausgleich von 20 Millionen Euro pro Jahr bereit. Mittlerweile werde das Ticket von mehr als 400.000 Schülern und Auszubildenden genutzt, erklärte der Verkehrsminister.

Seit 2018 gibt es zudem ein Landesticket, mit dem alle Beschäftigten des Landes in ganz Hessen kostenlos Bus und Bahn fahren können. Dafür nimmt das Land jährlich rund 51 Millionen Euro in die Hand. Davon profitieren die rund 145.000 für das Land arbeitenden Menschen - etwa 90.000 Beamte, 45.000 Tarifbeschäftigte sowie 10.000 Auszubildende.

Vor der Landtagswahl hatte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) außerdem angeregt, ein Hessenticket für ehrenamtlich engagierte Menschen einzuführen. "Diese Arbeit können und wollen wir nicht bezahlen - aber anerkennen", sagte Bouffier wenige Wochen vor der Wahl. Gleichzeitig sei ein solches Ticket für die Umwelt gut.