Demo bei Siemens in Offenbach
Bild © Sonja Fouraté (hessenschau.de)

Der Elektrokonzern Siemens will den Offenbacher Standort im Zuge der Restrukturierungen perspektivisch dichtmachen. Betroffen sind rund 700 Mitarbeiter, Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nimmt das Unternehmen in die Pflicht.

Videobeitrag

Video

zum Video Siemens schließt Standort Offenbach

Ende des Videobeitrags

Hiobsbotschaft für Offenbach: Siemens reagiert auf den anhaltenden Markteinbruch in der Kraftwerksparte und plant eine Bündelung der Standorte Offenbach und Erlangen. Wie eine Unternehmens-Sprecherin hessenschau.de am Dienstag bestätigte, werden die Räumlichkeiten in Offenbach perspektivisch komplett geschlossen. Ein Teil der Mitarbeiter solle weiter im Rhein-Main-Gebiet arbeiten, über Details könne aber noch keine Auskunft gegeben werden, hieß es.

Wie viele Mitarbeiter in anderen Standorten untergebracht werden können, ist derzeit noch unklar. Auch der neue Standort, in dem Offenbach und Erlangen vereint werden sollen, ist noch nicht gefunden. "Die konkrete Umsetzung wird noch ausgehandelt", so die Sprecherin.

Bouffier fordert kluge Lösungen

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sprachen von einem "bitteren Tag" für die Beschäftigten. Bouffier nahm Siemens gleichzeitig in die Pflicht. "Wir erwarten nun von Siemens, dass das Management kluge und nachhaltige Lösungen für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erarbeitet", teilte er mit.

Die Ankündigung von Siemens, den größten Teil der Mitarbeiter entgegen ursprünglichen Plänen übernehmen zu wollen, sei ein erster wichtiger Schritt. Die Landesregierung setze darauf, dass Siemens mit der Gewerkschaft bis Jahresende eine möglichst sozialverträgliche Lösung erarbeite.

Als "sehr enttäuschend" bezeichnete SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel die Pläne. "Wir erwarten, dass Siemens jetzt soziale Verantwortung für die Betroffenen übernimmt", sagte Schäfer-Gümbel. "Auch wenn der Konzern im weltweiten Wettbewerb steht, können die Mitarbeiter von ihrem Unternehmen, das in anderen Sparten hohe Gewinne einfährt, Fürsorge und Anstand erwarten."

Einigung mit Gewerkschaft und Betriebsrat

Der Elektrokonzern hatte sich in der Nacht zu Dienstag mit Gewerkschaft und Gesamtbetriebsrat über die Zukunft der schwächelnden Geschäften in der Kraftwerks- und Antriebstechnik geeinigt. Dabei ist die Werksschließung in Görlitz vom Tisch, auch für das von der Schließung bedrohte Werk in Leipzig wird nun stattdessen ein Verkauf geprüft.

Die Verhandlungen über Interessensausgleich und Sozialpläne sollen noch im laufenden Geschäftsjahr 2017/18 abgeschlossen werden. Ein Arbeitsplatzabbau sei dabei unvermeidlich, teilte das Unternehmen mit.

Siemens hatte angekündigt, in den Sparten weltweit zusammen rund 6.900 Jobs zu streichen, davon rund 3.400 in Deutschland.

Mitarbeiter demonstrierten gegen Schließung

Erst am Montag hatte der Konzern eine einwöchige Betriebsschließung beschlossen, um die Kosten zu drücken. Für die Zukunft waren auch immer wieder Werksschließungen im Gespräch. Im November hatten in Offenbach mehrere hundert Mitarbeiter gegen das drohende Aus ihres Standorts demonstriert.