Schild an einem Frankfurter Café: "Sorry, we are closed"

Seit Montag ist es wieder vorbei mit Restaurant- und Kneipenbesuchen. Die Gastronomie muss wegen gestiegener Corona-Infektionszahlen schließen. Einige Betreiber reagieren verständnisvoll, andere fühlen sich zu Unrecht bestraft. Ein Trost: Die Bundesregierung zahlt Entschädigungen für Einnahmeausfälle.

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hsk 16:45 Uhr 03.11.2020 Thumbnails
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Es ist ein fast spätsommerlich warmer Novembertag in Frankfurt. Die Sonne strahlt durch die Wolken und das Herbstlaub an den Bäumen leuchtet golden. Eigentlich ein toller Tag, um die Mittagspause auf der Terrasse eines Cafés zu verbringen. Aber die Tische und Stühle, die normalerweise die Bürgersteige der Flaniermeile Berger Straße säumen, stehen schon zusammengekettet oder von Planen bedeckt an den Rändern.

Um die stark gestiegenen Corona-Infektionszahlen wieder zu senken, gelten seit Montag bundesweit härtere Regeln, auch in Hessen. Neben Kultur und Sport treffen die vor allem die Gastronomie. Vier Frankfurter Gastronomen erzählen, wie es ihnen mit der verordneten Schließung geht.

Alexandra Knopp, "Ginkgo": "Wir geben uns so viel Mühe und werden dafür bestraft"

Alexandra Knopps Restaurant heißt nicht nur "Ginkgo", sondern ist sogar dekoriert mit den gleichnamigen Bäumen.

In Alexandra Knopps Restaurant und Café gibt es im November Sandwiches, Salate und Curry nur noch zum Mitnehmen. Sie betreibt das "Ginkgo" seit mehr als 25 Jahren zusammen mit ihrem Mann.

Knopp fühlt sich von der Politik zu Unrecht eingeschränkt. "Wir haben sehr viel Geld investiert in die Hygienekonzepte. Wir haben zum Beispiel zehn Glasscheiben gekauft, da kostet eine 300 Euro", rechnet sie vor. "Wir sind traurig und wütend darüber, dass wir uns so viel Mühe geben und letztendlich doch dafür bestraft werden."

Ob die Schließungen in Gastronomie und Kultur die Infektionszahlen stark drücken werden, bezweifelt sie. "Ich denke, niemand steckt sich in einem sauber geführten Restaurant mit Hygienekonzept an." Sie hält die Schließungen sogar für kontraproduktiv: "Die Leute werden jetzt mehr zuhause feiern."

Dimitrios Georgiadis, "MIKA": "Wir sind das Herz der Gesellschaft"

Dimitrios Georgiadis in seinem Restaurant "MIKA"

Dimitrios Georgiadis macht sein Restaurant fit für den Corona-Winter. Zusammen mit einem Gärtner schleppt er schwere Blumentöpfe mit halbhohen Sträuchern von der Terrasse in einen Kleintransporter. Sie standen dort im Sommer als Dekoration. In nächster Zeit werden hier keine Gäste mehr sitzen.

Georgiadis ist zuversichtlich, dass das "MIKA" die Schließung im November überstehen wird. "Wir haben einen kleinen Laden mit vier Mitarbeitern. Dadurch haben wir wenige Kosten. Der Aufwand, um neu zu starten ist kleiner, als wenn man einen sehr großen Laden mit 20 bis 30 Leuten hat."

Ein weiterer Lichtblick: Die Bundesregierung hat angekündigt, Betriebe im November für ihre Ausfälle zu entschädigen. Restaurants sollen 75 Prozent des Umsatzes im November des Vorjahres erstattet bekommen. "Das ist eine Chance, um weiterzumachen", sagt Georgiadis. "Außerdem werden wir versuchen, mit Abholservice ein bisschen Umsatz zu machen. Der Rest ist Überleben."

Georgiadis zeigt sich verständnisvoll über die Entscheidung der Bundesregierung, Restaurants zu schließen. Trotzdem gibt er zu bedenken, dass ohne Restaurants und Kneipen den Menschen gerade wichtige Orte der Begegnung fehlten.

"Wir bieten nicht nur eine Dienstleistung an. Wir haben festgestellt, dass es den Leuten ohne Gastronomie auch nicht so gut geht. Wir sind das Herz der Gesellschaft - hier können die Menschen sich austauschen, Freunde treffen, Probleme besprechen. Deshalb ist es wichtig, dass die Leute ausgehen können."

Zakaria Bentaayate, "Rohkosteria": "Einschränkung, die nicht sein müsste"

Zakaria Bentaayate (links) an der Theke der "Rohkosteria"

Zakaria Bentaayate, stellvertretender Manager des vegetarischen Restaurants "Rohkosteria", ist unzufrieden mit der angeordneten Schließung. Auch hier gibt es im November nur Take-out an einer Theke am Fenster. "Das gefällt mir überhaupt nicht. Es ist eine Einschränkung, die nicht sein müsste", sagt Bentaayate, der Restaurants grundsätzlich für sicher hält. "Wenn man drinnen sitzt, hat man eineinhalb bis zwei Meter Abstand."

Die Wirtschaftshilfen der Bundesregierung sind für Bentaayate ein "Entgegenkommen vom Staat, das ich persönlich zu schätzen weiß". Es reiche aus, um die "Rohkosteria" am Laufen zu halten. "Das ist eine Unterstützung, die wir alle jetzt brauchen und für die wir natürlich dankbar sind."

Saniye Harmanci, "Mistik": Schlimmer als "Rinderwahnsinn, Vogelgrippe, Schweinegrippe"

Saniye Harmanci an der Theke des "Mistik"

"Wir haben viele Krisen erlebt: Rinderwahnsinn, Vogelgrippe, Schweinegrippe", zählt Saniye Harmanci auf. Aber die Corona-Krise sei bisher die schlimmste. Sie arbeitet mit ihrem Mann seit mehr als 40 Jahren in der Gastronomie. Die beiden betreiben den Döner-Imbiss "Mistik".

Dass jetzt keine Gäste mehr in ihrem Laden essen dürfen, kann Harmanci nicht verstehen. "Wir achten sehr auf Hygiene und das Lüften. Dadurch ist es doch unwahrscheinlich, dass sich jemand hier infiziert." Bisher seien sie in der Corona-Krise ganz gut über die Runden gekommen - auch, weil Saniye Harmancis Mann noch einen Nebenjob habe. "Aber jetzt fängt das wieder an. Die Fixkosten laufen ja weiter, die Miete geht keinen Cent runter. Das ist ein Schlag ins Gesicht."

Auch die angekündigten Wirtschaftshilfen der Bundesregierung beruhigen Harmanci nicht: "Die finde ich in Ordnung, aber die helfen nur kurzfristig. Wie wird es nach den vier Wochen? Ich kann das nicht voraussehen."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 03.11.2020, 16.45 Uhr