Luftaufnahme der Salzbachtalbrücke. Bis auf einen Lkw, der Brückenschäden kontrolliert, ist weit und breit kein Fahrzeug zu sehen.

Die Salzbachtalbrücke ist eine der zentralen Verkehrs-Achsen im Rhein-Main-Gebiet. Ihr notgedrungener Abriss führt schon jetzt zu massiven Verkehrsbeschränkungen. Wie es mit der Brücke weitergeht und was auf Pendler im nächsten Jahr zukommt - die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Audioseite Die Salzbachtalbrücke wird gesprengt

Ein Betonpfeiler der Salzbachtalbrücke ist von Rissen durchzogen.
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Sie war für Pendler schon länger ein Nervfaktor - jetzt ist die Salzbachtalbrücke auf der A66 bei Wiesbaden endgültig zum roten Tuch geworden. Die marode Brücke muss wegen Statik-Problemen abgerissen und neugebaut werden. Die Baumaßnahmen ziehen sich vermutlich bis in den Herbst 2022. Was bedeutet das für Pendler? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was ist an der Salzbachtalbrücke passiert?

Nachdem ein Passant am 18. Juni herabfallende Betonbrocken vom südlichen - nicht unter Verkehr stehenden - Teil der Salzbachtalbrücke auf der A66 bei Wiesbaden gemeldet hatte, wurde der Verkehr in beide Fahrtrichtungen sowie unter der Brücke gestoppt.

Eine Untersuchung ergab Probleme an der Statik: Ein Brückenlager zwischen Pfeiler und Überbau ist zusammengebrochen. Dadurch hat sich der Überbau um etwa 30 Zentimeter abgesenkt und sitzt nun direkt auf dem Pfeiler. Der wiederum hat sich seitlich verschoben und weist Risse auf.

Weil im Umkreis von 50 Metern um die Brücke ein Sicherheitsbereich eingerichtet werden musste, ist seitdem auch die nördliche Brückenhälfte gesperrt, ebenso der Schienenverkehr. Die darunter liegende B263 ist dagegen nach kurzzeitiger Sperrung wieder einspurig in beide Richtungen befahrbar. Hier wurde ein Bypass eingerichtet.

Was bedeutet das für Pendler?

Die Stadt Wiesbaden erwartet in den kommenden Wochen und Monaten ein massives Verkehrsaufkommen im Stadtgebiet. Mit Umgehungsstrecken und veränderten Ampelphasen will sie dem Kollaps entgegenwirken. Trotzdem wird dazu geraten, Autofahrten wenn möglich komplett oder zumindest zu den Stoßzeiten zu vermeiden.

Für Autofahrer

Autofahrern wird zur weiträumigen Umfahrung der Salzbachtalbrücke der Mainzer Autobahnring (A643, A60 und A671) empfohlen. Wer aus dem Bereich Untertaunus kommt, kann entweder auf die westliche Umfahrung des Stadtgebietes über die B260 oder die nordöstliche Umfahrung über die B275 und die A3 ausweichen.

Mit dem Bypass, also neu eingerichteten Verbindungen, an der maroden Brücke soll die Bundesstraße 263 (Mainzer Straße) wieder befahrbar werden. Am Schiersteiner Kreuz gilt künftig ein Lkw-Verbot, um die Anschlussstelle Wiesbaden-Biebrich zu entlasten. Das kündigte die Autobahn GmbH des Bundes am Donnerstag an.

Der Bypass der normalerweise unter der Brücke verlaufenden B263 und angrenzender Geh- und Radwege führt über die A 66 - dafür wurden die Mittelleitplanken geöffnet. Um Rückstau zu verringern, wurde an der Auffahrt Biebrich für alle Verkehrsteilnehmer in Richtung Rheingau ein U-Turn über die Autobahn eingerichtet - ebenfalls über den geöffneten Mittelstreifen.

Die Grafik zeigt die empfohlenen Umleitungen an der Salzbachtalbrücke für Autofahrer in Richtung Mainz, Bingen oder Rüdesheim und in Richtung Frankfurt.

Wenn sich die Fahrt durch die Stadt nicht vermeiden lässt, bietet sich in Richtung Eltville beziehungsweise Hofheim die Ausweichstrecke A 643/Schiersteiner Straße oder Biebricher Allee - zweiter Ring - Bundesstraße 455 an. In Richtung Ingelheim beziehungsweise Hochheim kann die Ausweichstrecke Äppelallee - Kasteler Straße - Amöneburger Kreisel - A 671 genutzt werden.

Für den ÖPNV

Im Stadtgebiet Wiesbaden müssen die Buslinien 3, 6, 33, 34 und 43 umgeleitet werden. Der Hauptbahnhof Wiesbaden kann bis auf die Ländchesbahn (RB21) von keinen Regionalbahn- oder S-Bahnlinien angefahren werden. Für die Fahrt nach Frankfurt wird empfohlen, mit der Ländchesbahn bis Niedernhausen Bahnhof zu fahren und dort umzusteigen.

Ein zusätzlich eingerichteter Schienenersatzverkehr mit Bussen fährt zwischen Wiesbaden Hauptbahnhof und den Bahnhöfen Biebrich, Wiesbaden Ost, Mainz-Kastel und Mainz Hauptbahnhof. Dort gibt es jeweils Anschluss an die Linien S1 und S8 (Wiesbaden Ost, Mainz-Kastel), S9 (Mainz-Kastel), RE9 und RB10 (Biebrich, Mainz-Kastel) sowie RB75 (Mainz Hauptbahnhof bzw. Wiesbaden Ost). Wo genau die Bushaltestellen für den Schienenersatzverkehr sind, sehen Sie hier. Die Mitnahme von Fahrrädern ist im Schienenersatzverkehr nicht erlaubt.

Außerdem werden an den genannten Bahnhöfen ab sofort mehr Leihräder und E-Tretroller zur Verfügung stehen, um den Schienenersatzverkehr zu entlasten. 

Für Fahrradfahrer

Die Route über die Mainzer Straße entlang der Bundesstraße 263 in Richtung Mainz war kurzzeitig für den Fahrradverkehr gesperrt, wird aber in den nächsten Tagen wieder freigegeben. Alternativ bieten sich - je nachdem, wo die Fahrt in Richtung Kastel/Mainz in Wiesbaden beginnt - folgende Routen an: über die Biebricher Allee - Kasteler Straße - Wiesbadener Straße oder durch das Ostfeld/Kalkofen über die Hasengartenstraße - Siegfriedring - Kriemhildenstraße. Die Route nach Kastel/Mainz ist ab dem Wäschbachtal ausgeschildert.

Was ist der Grund für den Schaden?

Das wird aktuell von der Autobahn GmbH des Bundes untersucht. Möglicherweise haben die hohen Temperaturen in den Tagen vor der Sperrung dafür gesorgt, dass die Brücke sich ausgedehnt hat und von ihrem Lager heruntergefallen ist.

Fakt ist: Die 1963 eröffnete Salzbachtalbrücke war ursprünglich für eine Belastung von rund 20.000 Fahrzeugen ausgelegt. Weil der tägliche Verkehr diese Belastung deutlich überstieg, musste sie seit 1985 immer wieder verstärkt werden. Zuletzt fuhren täglich rund 80.000 Pkw über die Brücke.

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Wieso hat sich die Erneuerung der Salzbachtalbrücke verzögert?

Bereits 2017 wurde mit vorbereitenden Maßnahmen begonnen. Die Erneuerung des besonders maroden Süd-Teils war für 2022 geplant, allerdings kam es immer wieder zu Verzögerungen, unter anderem, weil sich die Verkehrsbehörde Hessen mobil und die beauftragte Baufirma monatelang stritten um den besten Weg, die Brücke abzureißen. Zuletzt wurde das Bauende für 2026 angegeben.

Die erste Phase der Baumaßnahmen sah vor, zunächst den südlichen Überbau der Salzbachtalbrücke abzureißen und bis 2024 neu aufzubauen. Der Verkehr sollte in dieser Zeit komplett über den nördlichen Teil geführt werden. Das ist bereits seit Längerem der Fall. Im Herbst dieses Jahres sollte die Südbrücke abgerissen werden.

In einer zweiten Bauphase waren der Abriss und anschließende Neubau der alten Nordbrücke vorgesehen. Währenddessen sollten beide Fahrtrichtungen provisorisch über den südlichen Neubau laufen. Weil fraglich ist, ob der nördliche Teil die Erschütterung der Sprengung so gut übersteht, dass man ihn danach weiter für den Verkehr nutzen kann, werden nun vermutlich beide Brückenteile gleichzeitig gesprengt.

Wie ist das weitere Vorgehen?

Um zu verhindern, dass sich ihr Überbau weiter absenkt, wird die Südbrücke zurzeit stabilisiert. Es wurde eine Sicherheitszone im Umkreis von 50 Metern eingerichtet, sodass notwendige Arbeiten nur mithilfe ferngesteuerter Geräte möglich sind.

Die Autobahn GmbH gibt an, die Brücke in spätestens zwei Monaten zu sprengen. Dann könnten zumindest die Bahngleise unter der Brücke wieder freigeben werden.

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Wann ist die Salzbachtalbrücke wieder befahrbar?

Die Autobahn GmbH plant, den neugebauten Süd-Teil der Salzbachtalbrücke im Herbst 2022 für insgesamt vier Fahrspuren zu öffnen. Nach der Sprengung soll die Brücke innerhalb eines Jahres stehen.

Das sei realistisch, weil der Neubau der Salzbachtalbrücke schon in Vorbereitung war und beispielsweise die Fundamente und weite Teile der Stahlbauteile schon vorgefertigt seien, gibt Ulrich Neuroth von der Autobahn GmbH an: "Es ist also nicht so, als würden wir heute neu ausschreiben und eine Maßnahme auf den Weg bringen, auch die Prüfung der Pläne, es ist alles schon durch für den Neubau."

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