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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Sparkasse zahlt Kunden zu wenige Zinsen aus

Schriftzug und Logo: Sparkasse

Bankkunden mit langfristigen Sparverträgen haben nach einer Untersuchung von Verbraucherschützern oft deutlich zu wenig Zinsen bekommen, auch Kunden der Frankfurter Sparkasse. Manche Betroffene haben sich bereits erfolgreich gewehrt.

Karina Rother schloss vor 28 Jahren bei der Frankfurter Sparkasse einen Sparvertrag ab - als Teil ihrer Altersvorsorge. "Die Sparkasse hat versprochen, dass sich das bei einer Laufzeit von 25 Jahren für mich wirklich lohnt", berichtet die Frankfurterin.

In einem Flyer stellte die Sparkasse der Kundin damals in Aussicht, dass sie bei Abschluss eines Vertrages mit Sparzinsen und regelmäßigen Sparprämien belohnt werde. "Dabei wachsen die Zinsen und Prämien jedes Jahr", hieß es in dem Prospekt. Eine Beispielrechnung darin: Wer 25 Jahre lang eine Sparrate von damals 100 D-Mark (rund 51 Euro, d. Red.) einzahlte, dem winkten am Ende über 77.000 Euro - Zinsen und Prämien inklusive.

15.000 Euro weniger als in Aussicht gestellt

Diese Summe erhoffte sich auch Rother. Bei ihr waren es aber 15.000 Euro weniger. "Ich war total erstaunt und verärgert." Sie fühlte sich übers Ohr gehauen, suchte Hilfe und landete bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Sie ist auf Sparverträge spezialisiert.

Schnell stellten die Verbraucherschützer fest, dass die Sparzinsen nicht etwa gestiegen waren. Die Sparkasse habe sie vielmehr drastisch gesenkt, zum Nachteil der Kundin. Auch die Prämien hatte diese nicht vollumfänglich bekommen.

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Verbraucherschützer: Vertragsklauseln intransparent

Vertraglich hatte sich die Sparkasse nicht festgelegt. Wie sich der Zinssatz entwickle, werde per Aushang bekannt gemacht. Diese sogenannte Zinsänderungsklausel ist für Verbraucherschützer Niels Nauhauser intransparent und damit rechtswidrig: "Denn daraus geht nicht hervor, wie die Sparkasse den Zins in Zukunft anpassen wird." Ein Verweis auf den Aushang sei unzureichend.

Nach anderthalb Jahren und einem aufreibenden Schriftwechsel einigte sich Kundin Rother mit der Frankfurter Sparkasse auf eine Nachzahlung von über 4.000 Euro. Auf Nachfrage will sich die Bank nicht zu dem Fall äußern.

31 Geldhäuser bundesweit im Fokus

Rothers Beispiel ist kein Einzelfall. Nach einer Untersuchung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg haben 31 Geldhäuser Sparverträge mit Klauseln abgeschlossen, die nach Auffassung der Verbraucherschützer unzulässig sind.

In einigen Fällen haben sie bereits rechtliche Schritte eingeleitet und unter anderem die Frankfurter Sparkasse erfolgreich abgemahnt. Sie hat mittlerweile eine Unterlassungserklärung abgegeben. Auch der Bundesgerichtshof hat sich bereits mehrfach mit solchen Klauseln beschäftigt und viele für ungültig erklärt.

Den meisten Kunden stehen Zinsnachzahlungen zu

Betroffen sind Prämiensparverträge oder Riester-Banksparpläne, mit Namen wie "S-Prämiensparen flexibel" oder "S-Vorsorge Plus". Die Banken und Sparkassen haben die Verträge insbesondere in den 1990er- und 2000er-Jahren verkauft. "Damals war das ein Massenprodukt", sagt Verbraucherschützer Nauhauser.  

Die Verbraucherschützer haben diese Verträge neu berechnet, auf der Basis von Referenzzinsätzen, die die Bundesbank veröffentlicht: "In den meisten Fällen stehen Kunden hohe Zinsnachzahlungen zu", sagt Nauhauser. Im Durchschnitt hätten sie Anspruch auf rund 2.000 Euro. In einem Fall seien es sogar fast 13.000 Euro gewesen.

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Das können Betroffene tun

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg informiert auf ihrer Internetseite ausführlich über die rechtlichen Möglichkeiten betroffener Kunden. Dort stellt sie auch einen Musterbrief zur Verfügung, mit dem Betroffene ihre Bank auffordern können, die Zinsen neu zu berechnen.

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Sendung: hr3, 01.08.2019, 16.00 Uhr