S-Bahn vor Frankfurter Skyline
Fahren bald alle S-Bahnen im 15-Minuten-Takt? Bild © picture-alliance/dpa

Volle Züge, marode Schienennetze, unpünktliche Verbindugen - der RMV hat mit allerlei Problemen zu kämpfen. Doch denen will der Verkehrsverbund mit teils ungewöhnlichen Ideen entgegentreten.

Fast 770 Millionenen Kunden zählte der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) im vergangenen Jahr - 15 Millionen mehr als 2017. Doch nicht nur die gestiegenen Passagierzahlen stellen den RMV vor Herausforderungen. Auch die teils marode Infrastruktur und die Überlastung von Verkehrsknotenpunkten wie in Frankfurt bereiten Probleme.

In Frankfurt stellte Geschäftsführer Knut Ringat am Dienstag Pläne und Ideen vor, die den öffentlichen Nahverkehr im Ballungsgebiet attraktiver machen sollen.

Höhere Taktung bei S-Bahnen

Langfristig sollen alle S-Bahnen im 15-Minuten-Takt fahren. Momentan sind nur die Linien S8 und S9 so häufig unterwegs. Außerdem will der RMV zwischen 4 und 6 Uhr sowie zwischen 9 und 10 Uhr auf allen Linien mehr Verbindungen anbieten. Spätestens zum nächsten Fahrplanwechsel, so wünscht es sich Geschäftsführer Ringat, soll es soweit sein.

Längere Züge

Besonders im Berufsverkehr sind viele Züge überfüllt. Der RMV will deswegen öfter längere Züge einsetzen, in denen 50 Prozent mehr Passagiere Platz finden. Die S-Bahn-Flotte soll bis 2020 um 14 Fahrzeuge aufgestockt werden.

Mehr Busse

Vor zwei Jahren starteten die ersten Expressbusse des RMV, die wichtige Verkehrsknotenpunkte rund um Frankfurt miteinander verbinden. Dieses Netz soll weiter ausgebaut werden und auch Regionen anbinden, die per Schiene nur schlecht zu erreichen sind. Auch zur Entlastung einiger Zugstrecken sollen zusätzliche Busse fahren.

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10-Minuten-Garantie

Seit Juni 2017 bekommen Kunden Geld zurück, wenn ihre Verbindung mindestens 10 Minuten verspätet ist. 1,3 Millionen Anträge auf eine Entschädigung gingen bisher ein, 3,1 Millionen Euro hat der RMV ausgezahlt.

Ende der weiteren Informationen

Da die Busse aber oft auf überlasteten Straßen im Rhein-Main-Gebiet unterwegs sind, ist der RMV mit der Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil im Gespräch. Die Idee: Busse könnten auf Autobahnen und Bundesstraßen Standstreifen benutzen. Denkbar ist das für Ringat zum Beispiel am Autobahnende der A66 in Höhe des Hessen Centers in Frankfurt-Bergen-Enkheim. Hier gibt es allerdings noch keine konkreten Planungen, auch die rechtlichen Rahmenbedinungen müssen noch geklärt werden.

Seilbahn über den Main

Warum nicht mit der Seilbahn über den Main von Offenbach nach Frankfurt fahren? Für Ringat ist das keine abwegige Idee. Seilbahnen könnten laut RMV ein gutes ergänzendes Mittel an einigen Stellen sein. In diesem Jahr soll dazu eine Machbarkeitsstudie beginnen. Eine Strecke, die untersucht werden soll, führt von Oberursel zum Großen Feldberg. Ein Vorteil von Seilbahnen: Von der Planung bis zur Fertigstellung vergehen nur wenige Jahre.

Einfachere Tarifgestaltung

Seit fast drei Jahren testet der RMV ein neues Tarifsystem. Beim sogenannten "RMVsmart" berechnet sich der Preis nicht nach Tarifzonen, sondern nach gefahrenen Kilometern. Mindestens zwei Jahre soll die Pilotphase noch dauern, inzwischen sind 30.000 Testkunden dafür registriert. Zusätzlich will der RMV weitere Flatrates einführen, wie zum Beispiel das 365-Euro-Ticket für Senioren. Geplant ist auch ein digitales Mehrfachticket mit günstigeren Einzelfahrten.

Weiterentwicklung der App

Bald können Kunden neben Einzelfahrten auch Wochen- und Monatskarten in der RMV-App kaufen. Die Funktion soll im zweiten Quartal eingeführt werden. Dies sei als eine Art Testlauf in puncto Fälschungssicherheit geplant, bevor das Angebot auf die noch teureren Jahreskarten ausgeweitet wird.

Auch die Verbindungsauskunft soll sich ändern - Angebote wie Carsharing oder Bikesharing sollen einbezogen werden. Außerdem arbeitet der RMV zusammen mit anderen Verkehrsunternehmen an einer einheitlichen App, mit der Passagiere bundesweit Verbindungen suchen und Tickets kaufen können.

Sanieren und bauen

Stellwerke und Oberleitungen sind marode, Verkehrsknotenpunkte überlastet - auch das ist ein Dauerthema für den RMV. Zwei Drittel der Verspätungen entstehen durch Probleme mit der Infrastruktur.

Zusammen mit den einzelnen Verkehrsunternehmen und der Deutschen Bahn plant der RMV deswegen das "Intensivprogramm Schiene Rhein-Main". Gemeinsam wollen sie Baumaßnahmen schneller umsetzen. Der Fokus soll auf der Modernisierung und dem Ausbau der Infrastruktur und dem Ausbau des Verkehrsknotenpunkts Frankfurt liegen. Außerdem sollen Stellwerke und Stationen modernisiert werden. Details dazu will der RMV in absehbarer Zeit bekannt geben.

Sendung: hr-info, 15.01.2018, 17.00 Uhr

Ihre Kommentare Wird es dem RMV mit diesem Konzept gelingen, den Nahverkehr für Pendler attraktiver zu machen?

40 Kommentare

  • Solange beim einsteigen der Kunden in den Nahverkehrszug unterschiedlich lange dauert, ist es unmöglich Pünktlich ab zu Fahren.Hin zu kommt dann noch,daß die Fahrtgeschwindigkeit bis auf das letzte aus gereitst ist.So ist es unmöglich verspätungen raus zu hohlen

  • Tendenziell zwar ein guter Ansatz, aber nur Flickwerk:

    Es braucht nicht nur mehr Kapazitäten und mehr Zuverlässigkeit (Pünktlichkeit), sondern auch eine wesentlich bessere Abstimmung der Anschlüsse, gerade auch zum lokalen Verkehr (U-Bahn, Bus und Straßenbahn), insbesondere in den Schwachlastzeiten, in denen ein Anschlussverlust nicht nur erheblichen Zeitverlust, sondern auch einen längeren unfreiwilligen Aufenthalt an Orten bedeutet, die oft einsam oder nicht vom nettesten Volk frequentiert sind, von Witterung und Co. einmal ganz abgesehen - und hier kommt jetzt die Kernregion Rhein-Main und das Umland zusammen.

    Aber bis dato gefällt sich der RMV vor allem als der große Gönner und setzt auf Prestigeobjekte, um lästige Details mag man sich nicht kümmern (gilt auch für Beschwerden). Nur: Ein besseres Angebot muss eben bis in die Details stimmen, um wirklich attraktiv zu sein.

  • Infrastruktur in Deutschland... das ewiggleiche Thema. Man muß koninuierlich investieren, nicht nur alle 30 Jahre, wenn sich die Probleme türmen. Man denke nur an den Riederwaldtunnel. Ob ich die Fertigstellung noch erlebe? Seit 60 Jahren geplant... S-Bahn-Ring um Frankfurt... Autobahnabfahrt Eschborn... Es wird zuviel geredet und zu wenig getan. Hier braucht es einen Antreiber mit Geld und Kompetenzen, sonst wird das nix. Und, Leute, ANFANGEN und möglichst in endlicher Zeit fertigstellen. Länger als 3-4 Jahre darf das nicht dauern - also an die Arbeit!

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