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Sozialwohnungen verschwinden

Frankfurt Stadt

Eine Sozialwohnung in Frankfurt zu bekommen, bleibt schwierig. Bei großer Nachfrage ist ihre Zahl in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken. Die Stadt hofft, dass neue Bedingungen für Neubau-Gebiete das Problem lindern.

Seit Jahren spitzt sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt zu - insbesondere in Metropolregionen wie Frankfurt. Noch schwieriger ist dabei die Suche nach einer Sozialwohnung. Doch wer hat überhaupt Anspruch darauf? Die drei staatlich festgelegten Kriterien sind:

  • Fester Wohnsitz in Deutschland oder der Besitz einer gültigen Aufenthaltsgenehmigung für mindestens ein Jahr
  • Volljährigkeit
  • Ein Haushaltseinkommen unterhalb der festgelegten Einkommensgrenze: 16.351 Euro Netto-Jahreseinkommen für einen Ein-Personen-Haushalt und 24.807 Euro Netto-Jahreseinkommen für einen Zwei-Personen-Haushalt, 650 Euro Freibetrag pro Kind im Haushalt

Das Institut Wohnen und Umwelt kam zu dem Schluss, dass nur im Hinblick auf diese Kriterien in Hessen allein zirka 42 Prozent aller Haushalte einen Anspruch auf eine Sozialwohnung hätten.

Besondere Kriterien in Frankfurt

Ulrich Keck vom Amt für Wohnungswesen Frankfurt vermittelt Sozialwohnungen. Im Gespräch berichtet er von den vielen Herausforderungen seiner Arbeit. Die Nachfrage sei hoch und sozialer Wohnraum knapp. In Frankfurt seien zwei zusätzliche Kriterien festgelegt worden, um dringenden Bedarf zu erkennen:

  • Bindung zu Frankfurt: Die Bewerber müssen seit mindestens einem Jahr in Frankfurt gemeldet sein, in Frankfurt arbeiten oder studieren
  • Aktuell unzureichende Wohnbedingungen: z.B. durch drohende Wohnungslosigkeit bei Eigenbedarfsmeldung der Vermieter

Zahl der Sozialwohnungen sinkt kontinuierlich

Während es in Frankfurt im Jahr 1990 noch 67.980 Sozialwohnungen gab, war zehn Jahre später der Bestand bereits auf 41.324 Wohnungen gesunken. 2020 waren es noch 30.477 Sozialwohnungen.

Die Folge des stetigen Wegfalls von Wohnraum: Laut Keck hat nur knapp jeder vierte Haushalt mit Anspruch auch realistische Aussichten auf eine Sozialwohnung.

Viele der Sozialwohnungen seien in privater Hand und nur für einen befristeten Zeitraum verfügbar. Zwar bemühe sich das Land, auslaufende Verträge zu verlängern, jedoch entschieden sich immer wieder Eigentümer dagegen. So fallen Wohnungen aus dem System.

Vier Jahre lang warten auf eine Sozialwohnung

Keck sieht darin den Hauptgrund für die Knappheit von Sozialwohnungen. Da alle bestehenden Wohnungen belegt seien, haben die aktuell auf eine Sozialwohnung wartenden 8.973 Haushalte in Frankfurt erst eine Chance, wenn eine der Wohnungen frei werde.

Zwar gebe es eine Priorisierung unter den Bewerbern, zum Beispiel für wohnungslose Haushalte, aber auch die könne man erst unterbringen, wenn ein anderer Mieter seine Sozialwohnung verlasse. So dauere es durchschnittlich vier Jahre, bis es zu einer erfolgreichen Vermittlung kommt.

2020 gab es in der Stadt insgesamt 1.325 Vermittlungen. Allein um die bestehende Liste an Wartenden abzuarbeiten, würde es bei dieser Rate knapp sieben Jahre dauern, bis alle ein Zuhause haben.

Größere Haushalte am meisten betroffen

Während sehr viele Sozialwohnungen auf Zwei-Personen-Haushalte ausgelegt seien, gebe es in diesem Bereich den geringsten Bedarf. Stattdessen wächst die Nachfrage nach Sozialwohnungen bei fünf- oder mehrköpfigen Haushalten.

So gab es 2020 laut Keck insgesamt 61 Vermittlungen von Sozialwohnungen für Haushalte mit mindestens fünf Personen. Dem gegenüber stehen aktuell 1.600 Bewerbungen für diese Haushaltsgröße. Falls sich nicht etwas drastisch an den Vermittlungen ändert, würde es so mindestens 26 Jahre dauern, bis alle Haushalte in dieser Größe vermittelt sind. Und das auch nur, wenn kein einziger Haushalt in den nächsten Jahren dazukommt. 

Mehr Anreize für sozialen Wohnungsbau gefordert

Rolf Jansen vom DMB Mieterschutzverein Frankfurt befürchtet, dass sich das Problem in den nächsten Jahren weiter verstärken wird. Die einzige Lösung: mehr Sozialwohnungen bauen.

Er fordert eine stärkere Förderung von Bauprojekten mit sozialem Wohnraum, um mehr Anreize auch für private Baufirmen zu schaffen. Auch sei die Politik gefragt, komplizierte und langwierige Vorschriften im Baurecht zu verschlanken, damit es nicht Jahre dauert, bis neuer Wohnraum überhaupt entstehen kann.

Mindestquote in Frankfurter Neubaugebieten

Der Stadt sind diese Probleme bekannt. Ihre Antwort darauf: Der letztes Jahr beschlossene Baulandbeschluss. Bei einer neuen Wohngebietserschließung müssen nun mindestens 30 Prozent der nutzbaren Fläche in Sozialwohnungen umgebaut werden.

Mark Gellert vom Wohnungsdezernat Frankfurt stellt fest, dass der Schwund an sozialen Wohnraum aktuell nicht durch Bauprojekte gestoppt werde. Dennoch sehe er eine langsame Trendumkehr, und mittelfristig werde der Bestand an Sozialwohnungen wieder steigen.