Städtisches Klinikum Höchst in Frankfurt

Der ersehnte Neubau des veralteten Klinikums in Frankfurt-Höchst lässt auf sich warten. Der Bauunternehmer kündigte eine erneute Verzögerung an. Stadt und Krankenhaus-Leitung reagieren verschnupft.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Klinik-Neubau in Frankfurt-Höchst verzögert sich weiter

Klinikum Frankfurt Höchst
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In die Jahre gekommen ist für das Klinikum Höchst eine höchst schmeichelhafte Umschreibung. Das Krankenhaus im Frankfurter Westen, immerhin das zweitgrößte der Stadt nach dem Universitätsklinikum, entspricht mit seinem riesigen Betten-Hochhaus schon lange nicht mehr dem modernen Standard. Ein Blick ins Innere gleicht einer Zeitreise in die 70er- und 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Deshalb wird seit längerem an einem Neubau gewerkelt.

Doch der ersehnte Neubau des städtischen Krankenhauses verzögert sich mal wieder aufs Neue. Wie Kommune und Klinik-Leitung am Dienstag mitteilten, peilt der beauftragte Generalunternehmer eine verspätete Übergabe des Gebäudekomplexes für 31. Dezember 2021 an. Als Grund nannte die Arbeitsgemeinschaft aus BAM und Max Bögl unter anderem erschwerte Personal- und Materialbedingungen aufgrund der Corona-Krise.

"Nachricht ist ein herber Schlag"

Damit gerät der Zeitplan des Vorzeigeprojekts immer mehr ins Hintertreffen. Bei Baubeginn 2016 war eine Fertigstellung im Herbst 2019 angepeilt worden. Dieser Termin musste frühzeitig bereits um zwölf Monate auf Oktober 2020 angepasst werden. Jetzt folgt die erneute Aufschiebung um gut ein weiteres Jahr.

"Diese Nachricht ist für uns alle ein herber Schlag. Ein weiteres Jahr Verzögerung ist für uns nicht akzeptabel", beklagte der Vorsitzende der Klinikum-Geschäftsführung, Martin Menger. Gemeinsam mit Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) appellierte er an den Bauunternehmer, die angekündigte Verschiebung so gering wie möglich zu halten. "Schließlich geht es hier vor allem um das Bürger- und Patientenwohl: Der Neubau ist ein ersehnter Meilenstein für die noch bessere medizinische Versorgung des Frankfurter Westens", ergänzte Majer.

Weniger Betten, höhere Energie-Effizienz

Auf 34.500 Quadratmetern Nutzfläche sollen unter anderem zehn Operationssäle und ein mit Spezialgeräten ausgestatteter Hybrid-OP für minimal-invasive Eingriffe entstehen. Die Bettenzahl wird sich dabei von rund 1.000 auf 664 reduzieren. Geplant ist pro Jahr eine stationäre Versorgung von 33.500 Patienten.

Die Vorbereitungen auf den erwarteten Umzug liefen zuletzt auf Hochtouren, wie Klinik-Chef Menger sagte: "Nicht nur die Patienten, auch unsere Mitarbeiter freuen sich schon lange darauf, in ein zeitgemäßes Krankenhausgebäude zu ziehen." Der sechsstöckige Höchster Neubau rühmt sich zudem als erste Passivhaus-Klinik Europas.

Klinik pocht auf Schadenersatz

Immerhin: Die anpeilten Kosten von 263 Millionen Euro, von denen die Stadt 208 und das Land 55 Millionen tragen, sollen trotz der Verzögerung nicht steigen. "Bisher bewegen wir uns im vertraglich zugesicherten Kostenrahmen, und ich gehe davon aus, dass Klinikum und Generalunternehmer diesen auch weiterhin einhalten werden", sagte Stadtrat Majer.

Die Klinik will die widrigen Umstände indes vom Baukonzern kompensieren lassen. Gestiegene Baunebenkosten sowie größere Ausgaben etwa für einen höheren Energiebedarf am alten Standort sollen als Schadenersatz geltend gemacht werden, bekräftigte Menger.

Für die rund 2.000 Klinik-Beschäftigten und die Patienten ist das ein schwacher Trost. Sie müssen vorerst weiter auf die Zeitreise in die Gegenwart verzichten.  

Sendung: hr-iNFO, 09.06.2020, 16 Uhr