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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Mehr Rücksichtnahme" - Infoveranstaltung zu E-Scootern in Kassel

Ein Man fährt auf einem gemieteten E-Scooter durch eine belebte Fußgängerzone.

Sie stehen und liegen an jeder Ecke - und gefühlt immer im Weg: E-Scooter gelten als unkalkulierbares Risiko für Fußgänger. Mit mehr Rücksichtnahme wäre ein Zusammenleben besser möglich. Die Stadt Kassel setzt auf Prävention.

E-Scooter sind aus den Städten nicht mehr wegzudenken. In Kassel gibt es mittlerweile Leihroller von vier verschiedenen Anbietern, 1.200 sind es insgesamt. Die Meinungen über die Roller sind geteilt. Für die einen sind sie die perfekte Möglichkeit, um unkompliziert längere Strecken zurückzulegen, für andere sind sie einfach nur ein Ärgernis. Sie stehen an jeder Ecke, werden achtlos durch die Gegend gepfeffert und rücksichtslos über Bürgersteige gesteuert. So nehmen das zumindest viele Fußgänger wahr.

Jörg Förster (links) und Christian Bültemann stehen unter einem Schirm an einem Stehtisch bei der Infoveranstaltung am Hauptbahnhof und lächeln in die Kamera.

Dem wolle man entgegenwirken, erklärt Georg Förster, Leiter des Straßenverkehrs- und Tiefbauamts der Stadt Kassel. Bei einer Infoveranstaltung am Hauptbahnhof haben Stadt und Polizei über die elektrischen Flitzer informiert - und unter dem Motto "Mehr Rücksichtnahme" zum Austausch und zum Ausprobieren eingeladen. Denn das Thema brennt: Im Jahr 2020 wurden in Hessen 145 Unfälle mit E-Scootern registriert.

"Rücksicht" ist das Zauberwort

Die Veranstaltung mit Stadt, Polizei, einem Leihscooter-Anbieter, Seniorenbeirat und Verkehrswacht kommt offenbar keinen Tag zu spät. Denn die Lage auf den Gehwegen sei zum Teil für Kasseler Verhältnisse schon jetzt katastrophal, berichtet Christian Bültemann vom Polizeipräsidium Nordhessen. Man wolle Zustände wie in anderen Städten vermeiden und mit der Veranstaltung für Verständnis in alle Richtungen werben.

E-Scooter Präventionsveranstaltung Kassel

Für die Seniorinnen und Senioren in Kassel sind die E-Scooter ein hochemotionales Thema. "Wir wünschen uns mehr Rücksichtnahme", sagt Werner Wiegand, Vorstandsmitglied im Seniorenbeirat, "für uns Alte sind die Roller ein unkalkulierbares Risiko". Seine Mitstreiterin Helga Engelke ärgert sich vor allem über Roller, die unüberlegt abgestellt werden – auf dem Gehweg oder an abgesenkten Bürgersteigen, die viele ältere Menschen nutzen, um besser über die Straße zu kommen.

So werden E-Scooter nicht zur Stolperfalle

E-Scooter nehmen viel Platz weg, vor allem wenn sie achtlos umgeworfen oder abgestellt werden. Gerade für Menschen mit Sehbehinderung ist das eine Gefahr, Ältere müssen Umwege gehen, um den Rollern auszuweichen. Städte wie Frankfurt planen daher feste Abstellzonen. In Kassel sind solche Lösungen noch keine Option.

Immerhin: Die Anbieter überwachen die Fahrzeuge mit einem Sensor, der falsche Neigungswinkel meldet. So würden liegende Roller schnell identifiziert und eingesammelt, wie Till Burschel, Standortverantwortlicher des Scooter-Anbieters Tier in Kassel, verspricht.

Zusätzlich seien Parks und Gebiete, in denen die Roller nichts zu suchen haben, mit Hilfe von Geo-Fancing eingegrenzt. Das heißt: Hier kann der Roller nicht abgestellt, die Fahrt nicht beendet werden. Probleme mit E-Scootern im Fluss seien bisher eher selten, freut sich Burschel. Drei von ihnen habe sein Team bisher aus der Fulda holen müssen, meist am Wochenende. Da haben andere Großstädte wie etwa Köln ganz andere Sorgen.

E-Scooter und Alkohol - keine gute Kombination

Stichwort Wochenende - wer glaubt, man könne nach einem Kneipenabend einen E-Scooter auch im angetrunkenen Zustand sicher steuern, der irrt sich, wie Peter Homann von der Verkehrswacht erklärt. Er hat zwei Brillen zur Infoveranstaltung mitgebracht, die die Wahrnehmung bei 0,8 und 1,3 Promille simulieren. Das entspricht vier beziehungsweise sechs kleinen Gläsern Bier. Damit ist ein Parcours auf dem Asphalt schon zu Fuß eine Herausforderung. Mit einem E-Scooter trauen sich das die Besucherinnen und Besucher erst recht nicht zu. Und auch ein Mitarbeiter des Leihanbieters scheitert bei seinem Versuch.

Präventationsveranstaltung E-Scooter Kassel

Auf dem E-Scooter gilt die gleiche Promillegrenze wie hinter dem Steuer, der Wert von 0,5 Promille darf nicht überschritten werden. Wer betrunken E-Scooter fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und wird neben einem happigen Bußgeld von bis zu 500 Euro mit zwei Punkten in Flensburg und einem Monat Fahrverbot belegt. In der Probezeit und bei Menschen unter 21 gilt die Null-Promille-Grenze.

Jugendliche machen beim Präventionstag nicht mit

Ob Stadt und Polizei mit ihrem Präventions-Angebot erfolgreich sind, wird die Zukunft zeigen. Pünktlich zum Schulschluss strömen an diesem Tag unzählige Teenager auf den Bahnhofsvorplatz. Zu einer Fahrt auf dem Testparcours oder einem Gespräch mit Wiegand und Engelke vom Seniorenbeirat lassen sie sich aber nicht überreden.

Polizeioberkommissar Bültemann wünscht sich dennoch, dass die Jüngeren die Appelle ernst nehmen, ehe elektrischen Roller zum Politikum in Kassel werden. Zumal er selbst ein erklärter E-Scooter-Fan ist.

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Ihre Kommentare E-Scooter: Fluch oder Segen? Welche Erfahrungen machen Sie in Ihrer Stadt?

21 Kommentare

  • Ich habe nur schlechte Erfahrungen mit den Dingern gemacht. Als Fußgönger wurde ich mehrfach weggeklingelt und beschimpft wenn ich nicht schnell genug zur Seite ging... obwohl die Dinger nichts auf dem Bprgersteig zu suchen haben.
    Außerdem fördern sie eine Kultur des nicht wegräumen. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum die Dinger in öffentlichen Fahrradstöndern stehen dürfen.
    Und irgendjemand sollte den Rollerfahrern mal sagen, dass es wirklich albern aussieht...
    Ich wünsche mir eine Helmoflicht für Roller, dann erledigt sich das Problem von selbst

  • Auhweia, was man hier in den Kommentaren liest ist so typisch deutsch

  • "Wie Fußgänger und E-Scooter doch noch Freunde werden ..." An der Schlagzeile wird das ganze Problem deutlich. Eigentlich sollten Fußgänger und E-Scooter nämlich so wenig miteinander zu tun haben wie Pinguine und Eisbären. Denn als Fahrzeuge gehören die E-Scooter so ausschließlich auf die Fahrbahn wie Automobile. Als Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer die Zulassung der E-Tretroller förderte, sollten diese die Verkehrswende anschieben, indem sie eine umweltfreundliche und spaßige Alternative zum Auto schaffen. Nun, so ist es nicht gekommen. Und nun dürfen sich die ohnehin überlasteten Polizisten und die Fußgänger mit den Folgen herumschlagen. Kontrollen sind in einer Stadt, die sich eingestandenermaßen außerstande sieht, die Einhaltung der Verkehrsregeln zu überwachen, nicht einzufordern. Stattdessen sollte schlicht die Zulassung auf Bundesebene wieder entzogen werden, damit der ständige Ärger ein Ende hat. Verkehrswende geht anders.

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