Fernwärmekraftwerk der Stadtwerke Kassel

Die Stadtwerke Kassel kündigen den Ausstieg aus der Kohleverbrennung für 2025 an - drei Jahre früher als geplant. Zu verdanken sei das dem zunehmenden Einsatz von Klärschlamm im Fernwärmekraftwerk.

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Bereits zur im Herbst beginnenden Heizperiode wollen die Städtischen Werke Energie + Wärme in Kassel in ihrem Kraftwerk an der Dennhäuser Straße rund 8.000 Tonnen Braunkohle durch getrockneten, CO2-neutralen Klärschlamm ersetzen. Dadurch spare das Fernwärmekraftwerk etwa zehn Prozent der bisherigen CO2-Emissionen ein, sagte Stadtwerke-Chef Michael Maxelon am Donnerstag bei der offiziellen Inbetriebnahme eines Klärschlammbandtrockners.

Die Menge des zu verbrennenden Klärschlamms - eines Abfallprodukts aus Kläranlagen - soll in den kommenden Jahren nach und nach steigen. Im Jahr 2023 wollen die Städtischen Werke das Heizkraftwerk Mittelfeld schließen, wo derzeit auch Altholz verbrannt wird. Dieses soll in der Folge neben dem Klärschlamm im Fernwärmekraftwerk zum Einsatz kommen. Letztlich will man auf fossile Brennstoffe ganz verzichten. "Wir werden ab 2025 keine Kohle mehr verbrennen, sondern nur noch CO2-neutrale Brennstoffe", sagte Maxelon.

Zu Pellets geformter, getrockneter Klärschlamm

Raschere Anschaffung von Anlage bringt rascheren Kohleausstieg

Bislang war der Kohleausstieg in Kassels Stadtwerken für 2028 vorgesehen, wie Maxelon berichtete. Schon das sei sehr ehrgeizig gewesen. Nun könne man den Ausstieg vorziehen: dank des Klärschlammtrockners, den man eher erhalten habe, und dank einer neuen Turbine, die ab 2022 laufen soll. Derzeit verbrennen die Stadtwerke nach Aussage ihres Vorstandsvorsitzenden rund 120.000 Tonnen Kohle im Jahr.

Die Umstellung rechnet sich nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Stadtwerke selbst sowie die Region, wie Maxelon erläuterte. Konventionelle Kraftwerke nutzten den eingesetzten Brennstoff zu weniger als 40 Prozent aus, das Kraftwerk Dennhäuser Straße bringe es auf 83 Prozent, weil es durch Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Fernwärme produziere. Außerdem kaufe es fortan zunehmend den in der Region anfallenden Klärschlamm auf, so dass die Kläranlagen diesen nicht mehr teuer entsorgen müssten.

OB: "Klimaschutz und Wirtschaft verbinden"

Recht begeistert zeigte sich entsprechend Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD): "Wir zeigen: Klimaschutz, Wirtschaft und Soziales lassen sich miteinander verbinden, wenn es eine intelligente Gesamtstrategie gibt." Kassels Fernwärmestrategie datiere aus dem Jahr 2013.

Die Städtischen Werke investierten in die Zukunftsfähigkeit ihres Kraftwerks in der Dennhäuser Straße bis 2025 rund 28 Millionen Euro und sicherten mehr als 200 Arbeitsplätze, führte Geselle weiter aus. Für die Bürger bleibe die Energieversorgung gesichert und bezahlbar.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 23.04.2020, 16.45 Uhr