Straßenbahnlinie 16

Seit einem Vierteljahrhundert endet die Frankfurter Straßenbahnlinie 16 an der Haltestelle "Offenbach Stadtgrenze". Jetzt wollen beide Städte und der RMV prüfen, wie sie ihr Straßenbahnnetz verbinden könnten. Im Spiel sind mehrere Varianten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Straßenbahn-Anbindung von Offenbach an Frankfurter Netz wird geprüft

Elektrischen Straßenbahn
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Mit der Straßenbahn von Offenbach nach Frankfurt und umgekehrt - 1884 war das möglich. Damals fuhr eine der ersten elektrischen Straßenbahnen vom Offenbacher Mathildenplatz bis zur Alten Brücke in Frankfurt. Und auch im 20. Jahrhundert verbanden Tramgleise die beiden Nachbarstädte. Bis 1996. Seither heißt es für Fahrgäste der Linie 16 auf dem Weg von Frankfurt-Oberrad in Richtung Osten an der Haltestelle "Stadtgrenze Offenbach": Aussteigen, bitte.

Städte und RMV teilen sich die Kosten

Rufe danach, die gekappte Verbindung wiederherzustellen, gab es immer wieder. Kurz vor der Kommunalwahl am Sonntag nehmen beide Städte einen neuen Anlauf. Offenbachs Mobilitätsdezernentin Sabine Groß (Grüne) und Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) kündigten am Montag an, dass sie gemeinsam mit dem Rhein-Main-Verkehrsbund (RMV) in einer Machbarkeitsstudie prüfen wollen, wie eine Straßenbahnverbindung aussehen könnte.

Dafür soll eine bereits gestartete Studie der Stadt Frankfurt erweitert werden. Für die Studie fallen laut Mitteilung Kosten von rund 140.000 Euro an, die sich der RMV und die Städte teilen.

Mehrere Varianten

Er habe "die Rücknahme der Linie 16 von der Offenbacher Innenstadt zur Stadtgrenze immer für einen Fehler gehalten", ließ Frankfurts Verkehrsdezernent Oesterling wissen. "In der eng miteinander verwobenen Rhein-Main-Region können wir Lösungen für die Verkehrsprobleme unserer Region nur gemeinsam finden", betonte Offenbachs Mobilitätsdezernentin Groß.

Untersucht werden soll nun eine Verlängerung der Frankfurter Straßenbahnlinie 16 über den Offenbacher Hauptbahnhof und die dortige Innenstadt bis nach Frankfurt-Fechenheim. Dort könnte die Trasse mit der Linie 11 verknüpft werden. Auch eine Anbindung des Offenbacher Stadtteils Bürgel gilt als mögliche Variante.

Offenbacher OB verärgert

Verbindet die beiden so lustvoll rivalisierenden Nachbarstädte also bald ein gemeinsames Straßenbahnnetz? Mit einer schnellen Umsetzung des Projekts sei nicht zu rechnen, dämpften Mobilitätsdezernentin Groß und der Offenbacher Verkehrsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) zu große Erwartungen: "Verkehrsprojekte haben eine lange Planungs- und Bauzeit und sie sind sehr teuer." Umso wichtiger sei die Machbarkeitsstudie, da deren Ergebnisse eine wichtige Voraussetzung für die Planung zukünftiger Lösungen seien.

Unstimmigkeiten brachte die angekündigte Studie am Ende auch mit sich - nicht zwischen Offenbach und Frankfurt, wie man meinen könnte, sondern im Offenbacher Rathaus. Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) betonte, dass er es gewesen sei, der eine solche Studie seit 2017 immer wieder gefordert habe. Auch viele andere, wie beispielsweise sein Amtsvorgänger Horst Schneider (SPD), hätten sich beim Thema Straßenbahnanbindung Verdienste erworben. Von der Veröffentlichung der Pressemitteilung zu der Studie habe er erst am Vortag durch ein Telefonat mit dem Frankfurter Dezernenten Oesterling erfahren.

Sendung: hr-iNFO, 08.03.2021, 16.30 Uhr