Skyline Frankfurt

Frankfurt weit vorne, Wiesbaden im Mittelfeld: Ein neues Städteranking zeigt, wie wettbewerbsfähig die beiden größten hessischen Städte im bundesweiten Vergleich sind. Und warum.

Städterankings gibt es viele. Dieses hier [PDF - 673kb]vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) und der Privatbank Berenberg fragt nicht danach, wie glücklich die Menschen sind, sondern kümmert sich um harte Wirtschaftsfakten. Also, wie wettbewerbsfähig sind die 30 größten deutschen Städte? "Viele Faktoren, die natürlich für eine Stadt auch relevant sind, wie Wohnen oder Zufriedenheit, fragen wir für dieses Ranking nicht ab", sagt Jan Wedemeier, Leiter des Forschungsbereichs "Ökonomie der Städte und Regionen" beim HWWI.

In dem Ranking tauchen auch zwei hessische Großstädte auf: Während Frankfurt sich im Spitzenfeld behauptet und nur leicht von Platz drei im Jahr 2017 auf Platz vier abrutscht, fällt Wiesbaden um neun Plätze zurück, von Rang 7 auf Rang 16.

Frankfurt profitiert von seiner Internationalität

"Frankfurt liegt schon immer stabil weit vorne", sagt Statistiker Wedemeier. "Das liegt in unserem Ranking ganz klar am Standortindex, der die Stadt nach oben zieht." Frankfurt ist die internationalste Stadt in Deutschland, viele Arbeitnehmer mit ausländischem Pass arbeiten dort, viele Studenten aus aller Welt kommen an die Universität, auch der Tourismus schlägt zu Buche. Außerdem sei Frankfurt durch den Flughafen, die Zug- und Autobahnanbindung extrem gut zu erreichen. "Frankfurt ist diesbezüglich einfach ein wahnsinnig guter Standort", sagt Wedemeier.

Grafik stellt die Platzierung von Frankfurt im Städetranking dar. Frankfurt rutschte von Platz 3 auf Platz 4.

Beim Trendindex dagegen hat Frankfurt leicht verloren, das schlägt sich im Gesamtergebnis mit Platz vier nieder. "Wir gehen davon aus, dass das am Abrutschen und Umbau des Banksektors liegt", sagt Wedemeier. Stellenabbau, Filialschließungen und der Digitalumbau belasten die großen Geldhäuser. "Es gibt einfach keine großen Produktivitätszuwächse mehr."

Ganz an der Spitze im Ranking der 30 größten Städte Deutschlands steht übrigens erstmals die Hauptstadt. Berlin hat sich seit der letzten Erhebung im Jahr 2017 von Platz fünf hochgearbeitet. Die Plätze zwei und drei belegen Leipzig und München, Schlusslichter sind Duisburg, Bochum und Gelsenkirchen.

Wiesbadens Bevölkerung wächst langsamer als die anderer Städte

Wiesbaden kommt in dem Ranking auf Platz 16. Im Vergleich zu der Studie 2017 bedeutet das einen Abstieg um neun Plätze. Nach Einschätzung des Statistikers ist dieser Abstieg aber "nicht dramatisch". Erklären könne man den Rückgang mit dem Demografieindex. In den vergangenen Jahren wurde Wiesbaden in puncto Bevölkerungszuwachs sehr hoch eingeschätzt, diese Prognose fällt nun nicht mehr so positiv aus. "Und gemessen mit dem enormen Zuwachs, den etwa Leipzig (Platz zwei) verzeichnet, ist Wiesbaden im Vergleich eben nicht so gut."

Grafik stellt die Platzierung von Wiesbaden im Städetranking dar. Wiesbaden rutschte von Platz 9 auf Platz16.

Deutlich negativer schlägt in Wiesbaden der Standortindex ins Kontor – eben der Aspekt, der Frankfurt so nach oben zieht. Ist die Stadt in ihrer Entwicklung bei Themen wie Bildung und Erreichbarkeit noch ganz gut aufgestellt, fällt sie beim Thema Internationalität deutlich zurück. "Aber das muss man im Vergleich sehen: Andere Städte haben deutlich schneller an Internationalität gewonnen", sagt Wedemeier.

Das heißt: Die Zahl der Beschäftigten mit ausländischem Pass, die Tourismuszahlen und die der internationalen Studenten steigt im Vergleich langsam. "Dennoch liegt die absolute Zahl der ausländischen Beschäftigten mit rund 16 Prozent in Wiesbaden deutlich höher als etwa beim Aufsteiger Leipzig."

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Indizes: Demografie, Trend und Standort

Um festzustellen, wie wettbewerbsfähig eine Stadt ist, wurden in diesem Ranking drei Faktoren geprüft. Der Trendindex schaut auf die ökonomische Entwicklung, der Demografieindex auf die Bevölkerungsentwicklung und der Standortindex nimmt die Bildung, die Internationalität und Erreichbarkeit einer Stadt in den Fokus. Zusammen ergeben sie das Gesamtbild im Ranking.

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