Eine Friseurin föhnt einer Kundin die Haare

Heizung runter drehen, Wäschetrockner abschaffen und Bäume pflanzen: Ein Friseurmeister und ein Forstwissenschaftler wollen die Friseurbranche revolutionieren. Sie verhelfen Betrieben zu einer besseren Klimabilanz.

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Start-up hilft Friseuren beim CO2-Einsparen und pflanzt Bäume

Friseurmeister Carlos Weiss (links) in seinem Salon mit seinem Kompagnon Jan Borchert
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Angestrengt haut Jan Borchert den Spaten in die harte Erde. Sein Geschäftspartner, Friseurmeister Carlos Weiss, reicht ihm einen Setzling mit einem Stamm, so breit wie ein Finger. Für ein besseres Klima pflanzen die beiden 34-Jährigen regelmäßig Bäume - unter anderem in einem Wald bei Schlangenbad (Rheingau-Taunus).

Im Ortsteil Wambach befindet sich der Friseursalon von Weiss. Hier hat der Friseurmeister einiges umgestellt, um den CO2-Ausstoß zu senken. "Wir drehen die Heizung um ein bis eineinhalb Grad runter", sagt er, als er durch den Salon führt: "Der Kunde merkt das überhaupt nicht, weil immer Bewegung im Laden ist und die Föhne laufen, es ist eh warm genug." Dadurch spare er im Jahr enorm viel Energie und Heizkosten ein.

Zum Beispiel Handtücher über Nacht trocknen

Weiss und sein Kompagnon, Forstwissenschaftler Jan Borchert, haben weitere CO2-Einspartipps auf Lager, die sie an Friseurinnen und Friseure weitergeben. Dazu haben sie im März die Beratungsfirma Cut Climate Change gegründet. Nach eigenen Angaben haben sie schon um die 80 Kunden gewonnen.

Etliches probiert Weiss in seinem eigenen Salon in Schlangenbad-Wambach aus. LED an der Decke statt Halogen-Lampen zum Beispiel, das spare Strom und somit CO2-Emissionen, sagt er. Als Friseur muss er viele Handtücher waschen und sie in den Wäschetrockner geben, damit sie schnell für die nächsten Kundinnen und Kunden trocken sind. Die letzten gewaschenen Handtücher des Tages hängt Weiss neuerdings aber auf dem Wäscheständer auf. "Damit sie über Nacht trocknen können. Das spart auf das ganze Jahr verteilt 220 bis 240 Trocknerladungen und dadurch enorm viel Energie."

Forstwissenschaftler Jan Borchert und Friseurmeister Carlos Weiss in ihrem sogenannten Friseurwald bei Schlangenbad

Borchert und Weiss berechnen mit ihrer Firma, wie viele Tonnen Kohlendioxid Friseursalons ausstoßen - mit einer TÜV-zertifizierten Methode. Dazu schauen sie unter anderem: Wie viel Strom wird verbraucht? Kommen die Angestellten mit dem Auto, der Bahn oder dem Fahrrad zur Arbeit? Aber nicht überall lasse sich der Energieverbrauch einsparen, sagt Weiss: "Wir wollen unseren Kunden nicht mit kaltem Wasser die Haare waschen. Das Wasser muss erhitzt werden, dafür brauchen wir Energie."

Oder CO2-Zertifikate kaufen

Weiss' und Borcherts Start-up rät seinen Kunden, den Treibhausgasausstoß, der sich nicht vermeiden lässt, über Klimaschutz-Projekte auszugleichen. Dazu zahlen Friseurinnen und Friseure an ihr Start-up Geld für CO2-Zertifikate. Auf der Internetseite von Cut Climate Change steht, dass eines der Projekte verhindere, dass Wald in Simbabwe abgeholzt werde. Die Bäume ziehen CO2 aus der Atmosphäre. "Und so stößt man zwar immer noch CO2 über seinen eigenen Schornstein aus, aber kümmert sich an anderer Stelle darum, dass es letztlich vermieden wird", sagt Forstwissenschaftler Borchert.

Das sei eine wirksame Methode, um CO2 auszugleichen, und auch ethisch korrekt, sagt die Umweltwissenschaftlerin Martina Klärle von der Frankfurt University of Applied Sciences: "Dem Klima ist es letztendlich egal, an welcher Stelle klimaschonend agiert wird. Hauptsache, es wird klimaschonend agiert."

Oder abbaubare Handtücher benutzen

Rund 30 Euro im Monat zahlen Friseursalons wie der von Geraldine von Keitz für den Klima-Service von Cut Climate Change. Für mehr Nachhaltigkeit setzt die 31-Jährige in ihrem Salon in Bad Soden (Main-Taunus) unter anderem auf biologisch abbaubare Handtücher statt Wäschetrockner. "Wir haben eine CO2-Bilanz im Jahr von 48 Tonnen, wir haben einen sehr großen Salon. Unser Ziel ist es, mindestens 15 Tonnen einzusparen mit mehreren Maßnahmen", berichtet von Keitz. Zum Vergleich: In Deutschland hat im Jahr 2019 im Schnitt jeder Mensch 7,75 Tonnen an CO2-Emissionen verursacht. Die 33 Tonnen an klimaschädlichen Gasen, die ihr Salon noch immer ausstößt, auch wenn alle von Cut Climate Change empfohlenen Maßnahmen funktionieren wie geplant, will Geraldine von Keitz dann eben durch Klimaschutz-Projekte ausgleichen.

Geraldine von Keitz setzt in ihrem Friseursalon auf biologisch abbaubare Handtücher.

Borchert und Weiss pflanzen aber auch, wie anfangs geschildert, regelmäßig Bäume in ihren sogenannten Friseurwäldern wie dem bei Schlangenbad. Damit wollen sie auch den zurückliegenden CO2-Ausstoß ihrer über 80 Kunden in Deutschland und Österreich ausgleichen.

Oder 4.500 Bäume in acht Monaten pflanzen

In den gut acht Monaten seit der Gründung ihres Start-ups haben die beiden nach eigenen Angaben rund 4.500 Bäume gepflanzt, zusammen mit anderen Friseurinnen und Friseuren. Die Bäume stehen im Rhein-Main-Gebiet, in der Pfalz und im Münsterland.

"Das Tolle daran ist eigentlich, für die folgenden Generationen was zu schaffen", sagt Weiss. Im Wald bei Schlangenbad huscht ein kleines Lächeln über sein schmales Gesicht. "Auch wenn man einen Baum pflanzt und nie in seinem Schatten sitzen wird, weiß man trotzdem, dass man einfach etwas Gutes getan hat."

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