Der Entwurf des Central Business Tower, der an der Neuen Mainzer Straße in Frankfurt entstehen soll, zeigt einen Büroturm mit Glasfassade

Die Frankfurter Skyline bekommt wieder Zuwachs. Noch im November sollen im Bankenviertel die Bagger anrollen: Dort will die Landesbank Hessen-Thüringen den mehr als 200 Meter hohen Central Business Tower bauen. Die Planung dafür läuft seit 20 Jahren.

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Audioseite Frankfurter Skyline wächst: Neuer Wolkenkratzer im Bankenviertel

Die Frankfurter Skyline bei Sonnenuntergang
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Durchsichtige Glasfassade, 205 Meter hoch, davor das denkmalgeschützte Foyer eines Bankhauses aus dem 19. Jahrhundert: So soll der Central Business Tower einmal aussehen. Für eine dreistellige Millionensumme will die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) im Frankfurter Bankenviertel einen neuen Wolkenkratzer bauen lassen. Seit 20 Jahren gibt es den Entwurf dafür - und jetzt, inmitten der Pandemie, soll der Startschuss fallen.

Gastronomie, ein Museum und massenhaft Büros

Noch im November will das zuständige Bauunternehmen Ed. Züblin mit Abrissarbeiten auf dem Grundstück an der Neuen Mainzer Straße beginnen. Eine Tiefbaugenehmigung liegt laut Helaba schon vor, mit der Hochbaugenehmigung rechnet sie bis Anfang kommenden Jahres. Dann soll der Glasturm (eine volle Ansicht des Entwurfs gibt es hier) in die Höhe wachsen: 52 Stockwerke oberirdisch, fünf weitere unterirdisch - ganz in der Nähe des Commerzbankturms (258,7 Meter), der Deutsche-Bank-Türme (158 Meter) und des Maintowers (200 Meter). Diesen würde das neue Hochhaus mit seinen 205 Metern überragen. Bis 2028 soll es fertiggestellt werden.

Der Name lässt es schon vermuten: Büros sollen den meisten Platz im neuen Central Business Tower bekommen. Dafür sind laut Helaba 66.000 von insgesamt 72.250 Quadratmetern vorgesehen - in den Etagen 5 bis 52. Unten sollen Restaurants und ein Café einziehen. Eine solche öffentliche Nutzung schreibt die Stadt Frankfurt vor. Deshalb soll außerdem das Museum für Weltkulturen Ausstellungsräume im neuen Wolkenkratzer bekommen. "Das ist vergleichbar mit der Dependance des Museums für Moderne Kunst im Taunusturm", sagt Mark Gellert, Sprecher des Frankfurter Planungsdezernats.

Helaba: "Erwarten keine Auswirkungen durch Homeoffice"

Etwas öffentlicher Raum und massenhaft Büros also - nur für wen? Die Helaba selbst wird nicht in den Central Business Tower einziehen, wie sie auf Anfrage mitteilt. Sie will die Räume vermieten. An wen, verrät sie nicht. Jedenfalls investiert die Landesbank damit in Präsenzarbeitsplätze - trotz Pandemie und Homeoffice-Boom. Ob sich das lohnt, muss sich zeigen. Denn bereits vor Corona gab es starke Schwankungen auf dem Markt für Büroimmobilien.

Nach dem Platzen der Dotcom-Spekulationsblase zum Beispiel stieg der Leerstand in Frankfurter Büros zwischen 2001 und 2002 um 150 Prozent. Nach der Finanzkrise gab es wieder ein Plus von 23 Prozent zwischen 2008 und 2011. Seit der Corona-Pandemie ist Leerstand wieder ein Thema - und Homeoffice wird als Arbeitsmodell der Zukunft gehandelt.

Trotzdem zeigt sich die Helaba auf Anfrage von hessenschau.de optimistisch: "Die generelle Nachfrage nach Büroflächen gerade in Top-Lagen übersteigt nach unserer Einschätzung weiterhin das Angebot, und diese Meinung teilt das Gros der Marktexperten", teilt sie mit. "Direkte Auswirkungen aus beispielsweise verstärkter Homeoffice-Tätigkeit erwarten wir für solche Flächen somit nicht." Tatsächlich sahen Experten 2020 trotz des Corona-Leerstands eine stabile Nachfrage bei teuren Luxus-Büros.

20 Jahre alter Entwurf

Wenn im November die Arbeiten beginnen, wird das Projekt Central Business Tower 20 Jahre Planung auf dem Buckel haben. Immer wieder hat sie pausiert, teils jahrelang. Der Entwurf für das Gebäude stammt aus dem Jahr 2001: als die Hessen ein Nokia 3310 in der Hosentasche hatten, 9/11 und die Rinderseuche BSE in den Medien waren und "Country Roads" in den Charts. Viel hat sich seitdem verändert - das weiß auch die Helaba.

"Der nun vorliegende Hochhausentwurf von KSP Engel geht in seinen Grundlagen auf den Wettbewerbsgewinn aus dem Jahr 2001 zurück; er wurde im Inneren vollständig neu konzipiert und weiterentwickelt", teilt die Landesbank mit. Auch Mark Gellert sieht in der späten Umsetzung kein Problem: Bei einem architektonischen Entwurf gehe es vor allem um das Aussehen und die Funktionalität. "Die technische Ausstattung planen Sie jetzt - und nicht nach dem Entwurf von vor 20 Jahren", sagt Gellert. Auf technische Veränderungen und Fortschritte könne man reagieren.

Wolkenkratzer sprießen im Bankenviertel

Der Central Business Tower ist nicht das einzige Hochhaus-Projekt, das in Frankfurt läuft. Seit Jahren gibt es einen Wolkenkratzer-Boom in der Bankenstadt: Vor allem im Europaviertel wachsen die Wohn-, Hotel- und Bürotürme reihenweise aus dem Boden - ein Superlativ neben dem anderen.

Das wohl teuerste Hochhaus Deutschlands wird auf dem ehemaligen Gelände der Deutschen Bank gebaut. Turm T1 wurde im Sommer für 1,4 Milliarden Euro an die Münchner Versicherung Allianz verkauft und ist nur ein Teil der geplanten Hochhausfamilie Four. Das Projekt Spin und der Eden Tower mit begrünter Fassade entstehen am Güterplatz.

Kombo aus zwei Entwurfsansichten: die geplanten Hochhäuser, eingebettet in die Frankfurter Skyline und die Hochhäuser "four frankfurt" in Großaufnahme.

Mit dem sogenannten Millennium Tower soll im Europaviertel außerdem der höchste Wolkenkratzer der Stadt entstehen - bestehend aus zwei Türmen. Von einem "spektakulären Entwurf" für die 300 und 100 Meter hohen Türme berichtete zuletzt die FAZ. Büros, Hotelzimmer und Wohnungen sollen darin Platz finden. Anfang Dezember wollen Stadt und Bauherr (CA Immo) das Ergebnis des Architektenwettbewerbs vorstellen.

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