Autos fahren vor dem gesperrten Bereich an der Salzbachtalbrücke auf die Umleitung

Der Autoverkehr in und rund um Wiesbaden staut sich an etlichen Stellen, der Bahnverkehr ist unterbrochen. Wegen Rissen an der Salzbachtalbrücke ist die A66 dort gesperrt. Die kommenden Tage dürfte es gerade so weitergehen.

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Wegen der Sperrung der Salzbachtalbrücke auf der A66 bei Wiesbaden ist es am Montagmorgen zu deutlichen Verzögerungen im Berufsverkehr gekommen. Auf der üblicherweise dicht befahrenen Verbindung aus dem Rheingau in Fahrtrichtung Frankfurt standen nach Auskunft der Polizei zwischen Schiersteiner Kreuz und Wiesbaden-Biebrich gegen 7.30 Uhr die Autos bereits auf einer Länge von rund zwei Kilometern.

Fahrerinnen und Fahrer müssten sich auf eine Verzögerung von 20 bis 30 Minuten einstellen, hieß es. Immerhin: Über den ganzen Morgen und Vormittag hinweg wurde der Stau in diesem Abschnitt nicht länger - aber eben auch erst am Mittag etwas kürzer. In der Gegenrichtung ging vor Wiesbaden-Biebrich vorübergehend auf rund einem Kilometer nichts mehr voran. Er gehe davon aus, dass sich viele Pendlerinnen und Pendler im Rhein-Main-Gebiet auf die Sperrung eingerichtet hätten, sagte ein Polizeisprecher.

Auch auf einigen Abfahrten in Wiesbaden stockte der Verkehr, während das Verkehrsaufkommen im benachbarten Mainz nach hr-Informationen am Morgen noch nicht spürbar unter der am Freitagabend angeordneten Sperrung der Salzbachtalbrücke zunahm.

Auf mehreren Hauptverkehrsadern in der Landeshauptstadt bildeten sich am Vormittag längere Staus. Polizisten ersetzten an Kreuzungen teils die Ampeln, damit der Verkehr besser fließen konnte. Es gebe ein Konzept, das jeden Tag an das aktuelle Geschehen angepasst werde, sagte ein Polizeisprecher: "Es bleibt spannend die nächsten Tage." Um die Verkehrsentwicklung auf der Autobahn und den Ausweichstrecken besser beobachten zu können, setzte die Polizei einen Hubschrauber ein.

Eindringliche Ratschläge der Polizei

Die Polizei riet Autofahrerinnen und Autofahrer dringend dazu, keine Schleichwege durch die Stadt zu nehmen, sondern den Bereich über die A643, A60 und A67 weiträumig zu umfahren. Die Fahrtzeiten könnten sich dadurch um bis zu eine Stunde verlängern. Auf der A60 bei Rüsselsheim staute sich am Morgen der Auto- und Lastverkehr auf zwei Kilometern.

Ein Verkehrspolizist regelt den stockenden Verkehr an einem Zubringer zur A66 in Wiesbaden

Die Straßen in der Landeshauptstadt könnten den mit 80.000 Fahrzeugen am Tag massiven Verkehr, der sonst über die Salzbachtalbrücke fließt, schlicht nicht aufnehmen, sagte der Polizeisprecher. Er riet dazu, nach Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten oder wenigstens zu untypischeren Zeiten als sonst zu pendeln. Er nannte die betroffenen Bahnverbindungen "mit das allergrößte Problem" für die Pendlerinnen und Pendler, weil eben auch niemand auf die Bahn ausweichen könne.

Auch Bahnverkehr betroffen

Wegen großer Risse, einer Absenkung der Fahrbahn um 30 Zentimeter und heruntergestürzter Betonteile war die Brücke am Freitagabend überraschend gesperrt worden. Die empfohlene weitläufige Umleitung verläuft über den Mainzer Autobahnring auf der anderen Rheinseite. Gesperrt ist auch die unter der Brücke verlaufende B263 (Mainzer Straße).

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Ebenso ist der Bahnverkehr vom und zum Hauptbahnhof Wiesbaden unterbrochen, denn unter der Salzbachtalbrücke verlaufen Bahngleise, auf die Betonbrocken stürzten. Der Hauptbahnhof ist fast komplett vom Bahnverkehr abgekoppelt. Der Bahnverkehr zwischen Wiesbaden-Hauptbahnhof und Wiesbaden-Ost wurde eingestellt. Betroffen sind laut RMV die S-Bahnlinien S1, S8 und S9 sowie die Linien RE9, RB10 und RB75.

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Mit der Bahn Wiesbaden umgehen

Die Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft (RTV) gibt Tipps, wie Bahnpendler aus dem Rheingau in Richtung Frankfurt gelangen können. "Bei beiden Optionen wird Wiesbaden gänzlich umgangen", sagt RTV-Geschäftsführer Thomas Brunke:

  • Mit der Bus-Linie X79 von Bad Schwalbach bis Walluf, von dort Anschluss zum RE9 in Richtung Frankfurt
  • Mit der Buslinie 173 von Niedergladbach über Bärstadt, Schlangenbad, Rauenthal und Martinsthal mit Anschluss zur RB10 in Eltville
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Volle Ersatzbusse

Ab Mainz-Kastel und Wiesbaden-Biebrich fahren Ersatzbusse. Wie Betroffene dem hr mitteilten, kam es dort am Morgen zu teils chaotischen Zuständen. Busse seien überfüllt gewesen, an Abstandhalten - in Pandemiezeiten eigentlich ein Muss - sei nicht zu denken gewesen.

Eine Bahn-Sprecherin sagte am Montag: "Derzeit wird mit allen Beteiligten am weiteren Verkehrskonzept gearbeitet." Die für die Brücke zuständige Autobahn GmbH des Bundes habe dazu eine Steuerungsgruppe eingerichtet. Wie die Bahn mitteilte, halten unter anderem bis auf Weiteres keine ICE-Züge im Wiesbadener Hauptbahnhof. Davon seien auch die Strecken von Köln nach Mannheim betroffen - es komme zu Umleitungen und Verspätungen. Nach Angaben der Bahn fahren nur Regionalzüge auf der Linie Wiesbaden - Niedernhausen - Limburg.

Foto der gesperrten Salzbachtalbrücke am Montagmorgen. Blick in den Straßenverlauf, es sind viele Gitter und Kräne zu sehen.

Die Salzbachtalbrücke wird derzeit erneuert. Was die nun entdeckten Schäden für den geplanten Neubau bedeuten, ist unklar. Die südliche Brückenhälfte, an der nun die Schäden auftraten, sollte ohnehin demnächst abgerissen werden. Zuletzt wurde der Verkehr in beiden Richtungen über die nördliche Hälfte geleitet - diese wurde nun vorsorglich gesperrt. Ob dort ähnliche Schäden zu befürchten sind, werde geprüft, teilte ein Sprecher der Autobahn GmbH mit.

Womöglich dauert die Sperrung der A66 in diesem Abschnitt mehrere Wochen oder sogar Monate. Auch eine Sprengung der maroden Brückenhälfte wird erwogen.

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