Für die Hotel- und Gastronomiebetriebe ist die Vorweihnachtszeit besonders lukrativ. Nun sorgen sich Inhaber angesichts steigender Corona-Zahlen wieder um Absagen, fehlende Einnahmen und das Personal.

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hs
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Rauschende Weihnachtsfeiern und volle Festsäle bringen im Winter den Umsatz des Jahres für Peggy Matas. Jetzt sind und bleiben die Säle leer. Schon wieder. Die Eigentümerin des Parkhotels Krone in Bensheim (Bergstraße) dachte eigentlich, dass in diesem Winter mit den Impfungen alles besser würde. Stattdessen steigen die Corona-Infektionszahlen, die Gäste sagen ab und Matas plagen "genau die gleichen Ängste wie im letzten Jahr".

Dass die Ängste in der Branche wiederkehren, beobachtet auch Julius Wagner, der Geschäftsführer des hessischen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga. Die neue Regelung des Landes, nach der nur noch Geimpfte, Genesene oder Menschen mit negativem PCR-Test in Restaurants dürfen, trage zu der "großen Verunsicherung und Frustration bei den Gastwirten und Hotelliers in Hessen" bei. Obwohl für die Betriebe gerade die eigentlich umsatzstarke Weihnachtszeit ansteht. Und obwohl Weihnachtsfeiern nach aktuellem Stand erlaubt wären.

Keine einzige große Weihnachtsfeier

Restaurant- und Hotelinhaberin Peggy M. beim telefonieren (mit runtergezogener Maske)

Dass Peggy Matas dennoch keinen einzigen Auftrag für eine größere Weihnachtsfeier in einem ihrer drei Festsäle hat, liege an der Abfrage des Impfstatus. Aus ihrer Sicht die "Krux an der Sache": Arbeitgeber dürfen ihre Angestellten im Normalfall nicht fragen, ob sie geimpft sind. "Wir müssen aber fragen", erklärt die Gastronomin. Das führe zu Planungsschwierigkeiten, denen viele Firmen aus dem Weg gingen, indem sie auf Weihnachtsfeiern verzichteten.

Nun gebe es nur einige kleinere Betriebe wie Architekturbüros oder Arztpraxen mit wenigen Personen, die unter 3G-Bedingungen im Restaurant des Parkhotels Krone feiern wollten. "Wenn 2G kommt, sagen sie bestimmt auch noch ab", befürchtet Matas.

Überleben mit 2G

Andere Gastronomiebetriebe setzen schon seit Wochen nur noch auf die 2G-Regel: Ins Blaue Aff, wenige Kilometer vom Parkhotel Krone entfernt, kommt nur rein, wer geimpft oder genesen ist. Der Besitzer August Poth sagt, er habe nach der Entscheidung für 2G "ein paar blöde E-Mails" bekommen. Darauf habe er nett geantwortet und erklärt: "Die Gastronomie will ja nicht spalten, sondern überleben."

Doch um dieses Überleben macht auch er sich jetzt wieder Sorgen. "Ich habe Angst und Bange, wenn ich ehrlich bin." Zwar stehen in seinem Kalender momentan fast so viele Weihnachtsfeiern wie vor Corona, doch er befürchtet, dass alles dann doch noch abgesagt werden muss.

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„Die Gastronomie will ja nicht spalten, sondern überleben.“ Gastronom August Poth Gastronom August Poth
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Momentan können die Gastronomie-Betriebe noch finanzielle Unterstützung vom Bund bekommen. Die Corona-Hilfen laufen zum Jahresende jedoch aus, betont Dehoga-Chef Julius Wagner. Er fordert von der Politik, dass sie diese Hilfe noch bis zum Frühjahr verlängern solle - und zwar jetzt.

Dadurch könne die Politik der breiten Verunsicherung unter den Gastronomen nun ein Stück weit ihre Kraft nehmen, sagt Wagner. Denn momentan sorgen Gastronomen wie Peggy Matas sich wieder darum, ihre Angestellten erneut in Kurzarbeit schicken zu müssen und damit endgültig zu verlieren.

Qualifiziertes Personal wandert ab

Schon sechs von 24 Beschäftigten seien wegen der Unsicherheiten der vergangenen Monate gegangen, berichtet Matas. Gut ausgebildete Fachkräfte, die im Hotel- und Gastronomiebereich jedoch so wenig verdienten, dass bei 60 Prozent des Gehalts in Kurzarbeit einfach zu wenig übrig geblieben sei. Für manche sei da ein Job an der Supermarktkasse die bessere Alternative geworden.

Nun bringt Peggy Matas selber den Müll raus, wechselt Glühbirnen selber und macht die Büroarbeit selber. Ein Check-in-Roboter hilft ihr bei der Aufnahme neuer Gäste - wenn sie denn kommen. 100 Gäste, die für fünf Tage über Weihnachten kommen wollten, haben gerade am letzten möglichen Tag kostenfrei storniert.

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